Medizinische Folgen der Chemotherapie

Autor:  Barbara Grießmeier, Iris Lein-Köhler, Erstellt am 29.08.2022, Zuletzt geändert: 21.09.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e256220

Chemotherapie ist die Behandlung von bösartigen Erkrankungen mit Medikamenten, die in den Vermehrungszyklus der Krebszellen eingreifen und die Zellen so daran hindern, weiter zu wachsen. Leider stören diese Medikamente in den meisten Fällen nicht nur die Krebszellen am Wachsen, sondern alle Zellen im Körper, die sich schnell teilen. Die meisten dieser Schädigungen sind vorübergehend, wie etwa die Beeinträchtigung der Blutbildung. Auch Symptome wie Hämatome oder häufige Infekte machen sich nach dem Ende der Chemotherapie nicht mehr bemerkbar.

In manchen Fällen kann die Chemotherapie bestimmte Nerven vorübergehend oder dauerhaft schädigen (beispielsweise durch Vincristin), die dann zu Sensibilitätsstörungen in Fingern und Füssen führen kann. Einige Medikamente können das Gehör schädigen (beispielsweise Cisplatin) und eine Versorgung mit Hörgeräten notwendig machen.

Einige Zytostatika schädigen auch Herz oder Niere dauerhaft, so dass hier regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen nötig sind. In seltenen Fällen kann die Chemotherapie auch den Hormonhaushalt beeinträchtigen und die jungen Menschen brauchen beispielsweise Unterstützung, um in die Pubertät zu kommen oder das Wachstum zu beeinflussen. Chemotherapie führt in vielen Fällen auch zu einer größeren Sensibilität der Haut: So können die PatientInnen etwa anfälliger für Sonnenbrände werden.

Manchmal kommt es auch zu Beeinträchtigungen der Fertilität (Fruchtbarkeit). Falls diese Befürchtung bei Ihrer Tochter/Ihrem Sohn besteht, wurden Sie bereits zu Beginn der Therapie über fertilitätserhaltende Maßnahmen informiert. Wenn später ein Kinderwunsch besteht, müssen besondere Maßnahmen verordnet werden.

Haben die jungen PatientInnen über längere Zeit Cortisonpräparate eingenommen, wie dies etwa bei der Behandlung von Leukämien und Lymphomen der Fall ist, so kann es später zu Osteonekrosen kommen. Diese verursachen oft erhebliche Schmerzen, die behandelt werden müssen. Manchmal muss dieses Problem auch orthopädisch versorgt werden, beispielsweise durch ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk und es kann zu erheblichen Einschränkungen der Mobilität kommen.

Eine oft befürchtete Nebenwirkung der Chemotherapie tritt dagegen so gut wie nie auf: Die Haare, die meist bereits zu Beginn der Behandlung ausgefallen sind, wachsen wieder nach und dazu oft dichter und schöner als zuvor!

Hier finden Sie ausführliche Informationen:

Link zum Zytostatikaglossar:
Vincristin: Vincristin (VCR) | Kinderkrebsinfo (gpoh.de)

Cisplatin Cisplatin | Kinderkrebsinfo (gpoh.de)

Wenn später ein kinderwunsch besteht, müssen Maßnahmen eingeleitet werden. Informationen dazu hier: Spätfolgen für die Fortpflanzungsorgane | Kinderkrebsinfo (gpoh.de)