Besonders schwerwiegende Belastungen durch die Krankheit und/oder die Therapie oder: Wie kann man das nur aushalten?

Autor:  Barbara Grießmeier, Iris Lein-Köhler, Erstellt am 21.02.2022, Zuletzt geändert: 21.02.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e243194

Seit Sie wissen, dass bei Ihrem Kind eine lebensbedrohliche Erkrankung festgestellt wurde, beschäftigt Sie wahrscheinlich die Frage, ob und wie gut die Behandlung „anschlägt“, wie sehr Ihr Kind leiden muss und ob es tatsächlich gesundwerden kann.

Sowohl beim eigenen Kind als auch bei MitpatientInnen kann es dabei zu Krisen und Situationen kommen, die mit starken Gefühlen wie Ohnmacht, Kontrollverlust, Angst und Verzweiflung verbunden sind. Diese Situationen können Zweifel an der Therapie und starke Verunsicherung auslösen. Die psychosozialen MitarbeiterInnen sind in solchen Situationen besonders aufmerksam: Sie werden bemerken, wenn Sie und/oder Ihr Kind hier in große Not geraten und Ihnen und Ihrem Kind zur Seite stehen.

Besonders schwierig für Kind und Eltern können beispielsweise folgende Behandlungssituationen werden:

  • langandauernde (oder häufig wiederkehrende) Klinikaufenthalte aufgrund von Infektionen, Zelltiefs, Operationsfolgen, schlechter Regeneration des Knochenmarks nach Chemotherapie, schlechtem Allgemeinzustand, Ernährungsproblemen
  • anhaltende Schmerzen, Übelkeit und andere Folgen der Chemotherapie, wie beispielsweiseschwere Mukositis
  • anhaltende motorische Probleme
  • neurologische und/oder kognitive Ausfälle bei Hirntumoren
  • Operationen bei Knochentumoren an Armen oder Beinen
  • Operationen im Gesichts-Hals-Bereich
  • Aufenthalte auf der Intensivstation
  • langandauernde Behandlungen mit Isolation wie Stammzelltransplantation

In all diesen Fällen sind die Kinder und Jugendlichen Reaktionen ihres Körpers ausgesetzt, die fast immer mit Schmerzen, massivem Unwohlsein oder einschneidenden Veränderungen verbunden sind. Oft lässt sich nur schwer vorhersagen, wie lange solche Zustände andauern können – besonders dann, wenn deren Ursache nicht wirklich klar ist. Bei Eltern löst das Leid ihrer Kinder in solchen Situationen meist Gefühle von Hilflosigkeit, Kontrollverlust und seelischem Schmerz aus.

Auch für die MitarbeiterInnen der Klinik ist es nicht leicht, Kinder auf diese Weise leiden zu sehen. Und doch sind solche Krankheitsverläufe nicht „unnatürlich“, sondern meist einfach ein Versuch des Körpers, auf schwere Schädigungen durch die Therapie oder durch die Erkrankung zu reagieren. Die MitarbeiterInnen des Psychosozialen Teams bieten in solchen Situationen ihre Unterstützung an, indem sie häufiger und intensiver als bei der psychosozialen Basisversorgung

  • sich – je nach Bedarf - meist täglich nach dem Stand der Dinge erkundigen und ein offenes Ohr für alle Belastungen, Schwierigkeiten, Komplikationen und Klagen haben
  • Kind und Eltern immer wieder vermitteln, dass der Körper eines Kindes keineswegs „schwächer“ ist als der eines Erwachsenen, sondern aufgrund der biologischen Entwicklung über sehr viele Widerstandkräfte und Reserven verfügt und viele Situationen überstehen kann, die einen Erwachsenen überfordern würden
  • Entspannungsverfahren anbieten für Kind und/oder Eltern
  • Psychologische Schmerztherapie anbieten
  • Hoffnung vermitteln und stabilisierende Gespräche mit Eltern führen
  • den Möglichkeiten und dem aktuellen Befinden der Kinder entsprechende kreative Angebote machen (wie kleine Bastelprojekte, die man auch m Bett machen kann)
  • auch in kleinen Dingen den Blick auf die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Kinder richten und nicht nur die „Defizite“ sehen
  • bei neurologischen Einschränkungen entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten anbieten und über weitere Fördermöglichkeiten beraten
  • durch Musik- und Kunsttherapie körperliche und verbale Ausdrucksmöglichkeiten fördern sowie Funktionstraining anbieten