Unterstützung der Familie durch MitarbeiterInnen des Psychosozialen Teams

Autor:  Barbara Grießmeier, Iris Lein-Köhler, Erstellt am 09.03.2022, Zuletzt geändert: 09.03.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e243043

Ohne Zweifel kennen Sie als Eltern Ihr Kind am besten. Sie wissen, wie Ihre Tochter/Ihr Sohn in Stresssituationen reagiert, wie sie/er sich ablenken und beruhigen lässt und was sie/er von Ihnen braucht. Sie wissen wahrscheinlich auch, wie Sie einigermaßen gut für sich selbst sorgen können, und Sie sind vermutlich bisher ganz gut ohne fremde Hilfe im Leben zurechtgekommen. Wozu jetzt also die Unterstützung durch MitarbeiterInnen in der Klinik?

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"Raumschiff Kinderonkologie" © Barbara Grießmeier

Eine Krebserkrankung bei Ihrem Kind ist kein Teil Ihrer „normalen“ Welt – diese Diagnose ist eine absolute Ausnahmesituation und fast alle Familien fühlen sich herausgeschleudert aus ihrer bisherigen Realität. Manche Eltern beschreiben die Kinderonkologie wie ein Raumschiff, das außerhalb ihrer bisherigen Erfahrungswelt schwebt und in dem ganz andere Regeln und Gesetze gelten als auf der Erde.
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Die MitarbeiterInnen des Psychosozialen Teams kennen Ihre neue Situation (oder das Raumschiff) ziemlich gut und sie können wie Lotsen sein, die Ihnen helfen, diese neue Welt kennen zu lernen. Im Unterschied zu Ihrer Familie sind die MitarbeiterInnen der Klinik - bei allem Mitgefühl für Ihre Familie - nicht selbst emotional betroffen. Die MitarbeiterInnen haben im Umgang mit vielen anderen Familien, die in einer ähnlichen Situation waren wie Sie jetzt, gelernt, welche Schwierigkeiten und Probleme auf Sie zukommen können, welche Reaktionen zu erwarten sind und wie sinnvolle Unterstützung bei der Bewältigung der Therapie aussehen kann.

Die Arbeitsweise der MitarbeiterInnen des Psychosozialen Teams ist dabei meist aufsuchend, das heißt die MitarbeiterInnen kommen immer wieder auf Sie zu und fragen nach, wie es Ihnen und Ihrem Kind gerade geht. Selbstverständlich sind Sie einerseits nicht verpflichtet, sich auf solche Gesprächsangebote einzulassen und natürlich können Sie andererseits auch jederzeit selbst um Gesprächstermine bitten.

Da die psychosozialen MitarbeiterInnen in den Kliniken fest in das Behandlungsteam integriert sind und beispielsweise auch an Visiten, Übergaben und anderen interdisziplinären Besprechungen teilnehmen, sind sie meist gut über den aktuellen Stand der Behandlung Ihres Kindes informiert. Umgekehrt werden Inhalte und Themen, die Sie mit den MitarbeiterInnen des Psychosozialen Teams besprechen, nur dann an andere MitarbeiterInnen des Behandlungsteams weitergegeben, wenn sie für das Verstehen bestimmter Verhaltensweisen oder für die Arbeit der anderen Berufsgruppen relevant sind. Bitte machen Sie in Gesprächen immer deutlich, wenn bestimmte Inhalte absolut vertraulich behandelt werden sollen!

In den meisten Kliniken, in denen es mehrere psychosoziale MitarbeiterInnen gibt, tauschen sich diese auch in Teambesprechungen regelmäßig darüber aus, wie es den einzelnen PatientInnen und ihren Familien gerade geht, welche Schwierigkeiten sichtbar sind und wer aus dem Team in einer bestimmten Situation am besten geeignet ist, das Kind/den Jugendlichen und die Angehörigen fachlich zu unterstützen. So entsteht durch den gemeinsamen Blick auf die Kinder/Jugendlichen und Ihre Familien ein möglichst ganzheitlicher Eindruck und Interventionen können sinnvoll abgesprochen werden.

Bitte bedenken Sie, dass Ihnen die MitarbeiterInnen der Klinik in der Regel nicht so gut bei der Bewältigung von Schwierigkeiten helfen können, die bereits unabhängig von der Erkrankung in Ihrer Familie bestanden haben - wie etwa finanzielle Engpässe, beengte Wohnverhältnisse, Verlust des Arbeitsplatzes, Erziehungsprobleme, Schwierigkeiten in der Beziehung der Eltern oder andere psychische Belastungen. Wenn solche Probleme sehr stark in die aktuelle Situation hineinspielen, müssen sie aber manchmal doch mitbedacht werden, um das Leben jetzt so klar wie möglich strukturieren zu können.

Besprechen Sie mit dem Psychosozialen Team, ob und wann etwa zusätzliche ambulante Hilfen sinnvoll und notwendig sind und bedenken Sie auch, dass die Zeit der Therapie Ihre ganze Energie und Aufmerksamkeit fordern wird und die Klärung anderer Probleme vielleicht besser auf die Zeit nach der Therapie verschoben werden sollte.

Auch wenn die Psychosozialen Dienste in den einzelnen Kliniken personell unterschiedlich aufgestellt sind, können Sie die folgenden Unterstützungsmöglichkeiten erwarten: