Besondere Hürden in der Schullaufbahn

Autor:  Iris Lein-Köhler, Erstellt am 28.11.2022, Zuletzt geändert: 16.01.2023 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e262415

Je nachdem, an welchem Punkt ihrer/seiner Schullaufbahn Ihre Tochter/Ihr Sohn erkrankt ist, kann es leichter oder schwieriger sein, den Wiedereinstieg gut zu meistern.

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Eine neue schulische Situation

Besondere Hürden stellen Schwellensituationen in der schulischen Entwicklung dar, wie:

Wenn Ihre Tochter/Ihr Sohn kurz vor der Einschulung stand, als die Diagnose gestellt wurde oder sie/er die Therapie erst kurz vor dem Schuleintritt beendet hat, fragen Sie sich vielleicht, ob Sie Ihr Kind zurückstellen lassen sollen. Wahrscheinlich hat es die Vorschulzeit im Kindergarten verpasst und Sie fürchten möglicherweise, dass das den Schulbeginn beeinträchtigen könnte.

Sprechen Sie darüber mit der Psychologin/dem Psychologen und den ErzieherInnen des Psychosozialen Teams oder den MitarbeiterInnen der psychosozialen Nachsorgeeinrichtung, die Sie dazu beraten können, was für Ihre Tochter/Ihren Sohn passt.

Möglicherweise hat Ihre Tochter/Ihr Sohn so viel Unterricht versäumt, dass eine Rückkehr in die alte Klasse leider nicht möglich ist, das Schuljahr wiederholt werden und der Schulstart in einer noch fremden Klasse erfolgen muss.

Besprechen Sie frühzeitig „Schnuppertage“ in der neuen Klasse, damit Ihre Tochter/Ihr Sohn die MitschülerInnen und die Klassenlehrerin/den Klassenlehrer schon vor ihrer/seiner Rückkehr in die Schule ein wenig kennenlernen kann. Vielleicht gibt es auch in der neuen Klasse Kinder, die sie/er schon aus anderen Zusammenhängen kennt (Bekanntenkreis, FreizeitpartnerInnen) und die den Neustart erleichtern können.

Es kann sein, dass sich Ihre Tochter/ihr Sohn von ihrer/seiner bisherigen Klasse und/oder einer Lehrkraft verabschieden möchte (zumal, wenn während der Therapiezeit gute Kontakte bestanden). Besprechen Sie mit der Schule Möglichkeiten dazu (beispielsweise Teilnahme am Schuljahresabschlussfest).

Manchmal ist die Rückkehr an die vertraute Heimatschule nicht möglich, beispielsweise, wenn gerade der Wechsel auf eine weiterführende Schule ansteht oder die Erkrankungsfolgen den Wechsel auf eine besondere Schule erfordern, weil die Möglichkeiten der Heimatschule zur inklusiven Beschulung nicht ausreichen (beispielsweise Schule für Körperbehinderte). Es kann beängstigend sein, noch nicht zu wissen, wie und mit welchen anderen Kindern es weitergeht. Die Vorbehalte, wie der „Empfang“ sein wird, können noch größer sein, wenn man niemanden kennt.

Wenn Ihre Tochter/Ihr Sohn das wünscht, sollte ein Abschied von der bisherigen Klasse/Schule ermöglicht werden. Dies kann „Rückenwind“ für den großen Neustart geben.

Wenn Ihre Tochter/Ihr Sohn ihren/seinen Schulabschluss kurz vor oder während der Therapie erreicht hat, ist die Unsicherheit darüber, wie es weitergehen kann, besonders groß. Möglicherweise hat sie/er an berufsorientierenden Praktika nicht teilnehmen oder ihre/seine Lehrstelle nicht antreten können. Vielleicht weiß Ihre Tochter/Ihr Sohn noch gar nicht, was sie/er sich zutrauen kann und in welcher Richtung sie/er nach nächsten Zielen suchen will. Orientierung bei der Suche nach dem Berufsziel kann eine Berufsberatung bieten.

Jugendliche können zum Zeitpunkt des Therapieendes davon überfordert sein, sich gleichzeitig um Schulabschluss und Berufsperspektiven zu kümmern. In einigen Fällen ist es dann hilfreich, wenn sie vom Druck schneller Entscheidungen über den Berufsweg entlastet werden und in Ruhe mögliche Alternativen prüfen können. Zeit und Raum für eine möglicherweise notwendige grundsätzliche Neuorientierung bieten beispielsweise

  • Freiwilliges soziales Jahr (FSJ)
  • Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ)
  • Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BVB)
  • Berufsgrundschuljahr (BGJ)

Auch die Frage, wie offen Jugendliche bei Bewerbungen mit dem noch bestehenden Schwerbehindertenstatus (Welche Vor- und Nachteile kann der Schwerbehindertenausweis haben?) und den „Lücken“ im Lebenslauf umgehen sollten, bedarf einer gründlichen Beratung, beispielsweise vom Rehateam der Agentur für Arbeit.

Möglicherweise ist eine über das Angebot für Gesunde hinausgehende Berufsberatung erforderlich, die auf die besonderen Erfordernisse von Survivors abgestimmt ist. Die Rehabilitations-Abteilungen der Agentur für Arbeit und Integrationsfachdienste bieten Jugendlichen nach einer Krebserkrankung spezielle Beratung und Unterstützung bei der Suche nach einem angemessenen Ausbildungsplatz in einem passenden Berufsfeld.