Bildgebende Verfahren

Autor:  Dr. med. habil. Gesche Tallen, Maria Yiallouros, Erstellt am 12.03.2018, Redaktion:  Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 23.04.2020 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e48445

Bildgebende Verfahren sind Untersuchungstechniken, mit denen das Körperinnere bildlich dargestellt werden kann. Die bei ZNS-Tumoren möglicherweise eingesetzten Untersuchungen werden im Folgenden vorgestellt.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie, MRT) des Gehirns und/oder Rückenmarks ist das bildgebende Verfahren der ersten Wahl bei der Diagnose von ZNS-Tumoren. Mit ihrer Hilfe können die genaue Lage, Größe und Abgrenzbarkeit eines Tumors bestimmt werden. Letzteres ist insbesondere vor einem operativen Eingriff am Gehirn oder Rückenmark zur Planung der Operation wichtig.

Bei Patienten mit einem Ependymom erfolgen in der Regel eine MRT des Gehirns (craniale MRT) sowie eine MRT des Rückenmarks (spinale MRT) zum Ausschluss oder Nachweis von Metastasen im Rückenmark. Die MRT wird gewöhnlich mit und ohne Kontrastmittel (Gadolinium) durchgeführt. Das Kontrastmittel dient der besseren Unterscheidung zwischen krankem und gesundem Gewebe. Aus dem Kontrastmittelverhalten können sich außerdem Rückschlüsse auf die Art des Tumors und die weitere Therapiestrategie (Operation, Bestrahlung, Chemotherapie) ergeben.

Die Magnetresonanztomographie arbeitet mit Magnetfeldern. Sie tut nicht weh, verursacht keine Strahlenbelastung, dauert jedoch relativ lange und ist mit langem Stillliegen in einem relativ engen Untersuchungsgerät verbunden, das zudem Geräusche macht. Da die meisten Kinder aus diesem Grund die MRT nicht mögen, ist oft eine Ruhigstellung durch Sedierung oder Narkose notwendig oder zweckmäßig. In den meisten großen Behandlungszentren sind mittlerweile jedoch kindgerechte Untersuchungsräume und -geräte etabliert, so dass eine MRT-Untersuchung heutzutage für Kinder weniger belastend ist. Allgemeine Informationen zur Magnetresonanztomographie finden Sie hier.

Computertomographie (CT)

Eine Computertomographie (CT) des Gehirns (craniale Computertomographie; CTT) und/oder des Rückenmarks ermöglicht, wie die Magnetresonanztomographie (MRT), den Nachweis und die Lokalisation eines Hirn- beziehungsweise Rückenmarktumors. Heutzutage erfolgt eine CT nur in bestimmten Fällen, zum Beispiel wenn eine MRT nicht verfügbar ist oder wenn eine sehr schnelle Diagnose erforderlich ist, etwa in einer akuten Notsituation. Denn während die MRT relativ lange dauert und das Kind dafür unter Umständen ruhiggestellt werden muss (siehe oben), ist die CT eine Untersuchung von wenigen Minuten, so dass sie selbst bei Säuglingen und Kleinkindern oft ohne Sedierung oder Narkose erfolgen kann. Die CT ersetzt aber in solchen Fällen nicht die MRT, das heißt, die MRT wird nachgeholt, wenn die Notfallsituation vorüber ist.

Die Computertomographie ist ein spezielles Röntgenverfahren, mit dem der Körper (mit Hilfe von Röntgenstrahlung) Schicht für Schicht dargestellt werden kann. Sie erfolgt mit und ohne Kontrastmittel. Das Kontrastmittel wird intravenös verabreicht und dient der Kontraststeigerung und somit der besseren Unterscheidung zwischen krankem und gesundem Gewebe. Allgemeine Informationen zur Computertomographie finden Sie hier.

Ultraschalluntersuchung (bei ZNS-Tumoren im Säuglingsalter)

Im Säuglingsalter, das heißt, so lange manche Knochenlücken am kindlichen Schädel, besonders die große Fontanelle, noch offen sind, kann ein Hirntumor, abhängig von seiner Lage und Größe, auch mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung durch die offene Fontanelle festgestellt werden. Der sichere Ausschluss eines Tumors ist durch die Ultraschalluntersuchung in der Regel nicht möglich. Bestätigt sich der Verdacht auf einen ZNS-Tumors, so wird zur genaueren Diagnostik und weiteren Therapieplanung/Operationsvorbereitung auch bei Säuglingen eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt.

Eine Ultraschalluntersuchung dauert in der Regel nicht lange, tut nicht weh und funktioniert ohne Strahlen. Allgemeine Informationen zur Ultraschalluntersuchung finden Sie hier.

Magnetresonanzangiographie (MRA)

Die Magnetresonanzangiographie (MRA) ermöglicht durch den Einsatz eines Kernspingerätes, Bilder vom Gefäßsystem des Gehirns zu erstellen (siehe auch Informationen zu Aufbau und Funktion des Zentralnervensystems, Abschnitt "Das Gefäßsystem"). Das Verfahren kann in manchen Fällen ergänzend zur Magnetresonanztomographie (MRT) nützlich sein, um vor einem operativen Eingriff den Verlauf von Blutgefäßen in der Nachbarschaft des Tumors sowie die Versorgung des Tumors mit Blutgefäßen (Vaskularisation) zu überprüfen. Die Untersuchung funktioniert wie die MRT, das heißt, mittels Magnetfeldern und ohne Röntgenstrahlung.

In manchen Fällen reicht die Magnetresonanzangiographie (MRA) nicht aus, um die Blutversorgung im Gehirn vor einer Operation gut genug beurteilen zu können. In diesen Fällen kann zusätzlich oder ergänzend eine digitale Subtraktionsangiographie (DSA) erforderlich sein. Es handelt sich dabei um ein spezielles Röntgenverfahren, mit dessen Hilfe besonders Hirntumoren mit einer sehr starken eigenen Gefäßversorgung sehr gut dargestellt werden können. Das ist sehr wichtig, denn um Gefäßverletzungen und damit Blutungen vorzubeugen, muss der Operateur Lage und Verlauf der Blutgefäße vor Beginn einer Operation sehr genau kennen. Weitere Informationen zur Subtraktionsangiographie und allgemein zu angiographischen Methoden finden Sie hier.

Magnetresonanzspektroskopie (MR-Spektroskopie, MRS)

Eine Magnetresonanzspektroskopie (MRS) kann in besonderen Fällen hilfreich sein, um lebendes Tumorgewebe von entzündlichen oder abgestorbenen (nekrotischen) Gewebeanteilen zu unterscheiden (zum Beispiel nach einer Chemotherapie oder Strahlentherapie). Das Verfahren kann vor allem auch im Rahmen der Verlaufsdiagnostik eine Rolle spielen. Es funktioniert wie die Magnetresonanztomographie (MRT), das heißt, mittels Magnetfeldern und ohne Röntgenstrahlung. Weitere Informationen zur Magnetresonanzspektroskopie finden Sie hier.

Skelett-Szintigraphie

Die 99Tc-Skelett-Szintigraphie gehört in der Krebsheilkunde zu den am häufigsten durchgeführten nuklearmedizinischen bildgebenden Verfahren [Nuklearmedizin]. In der Diagnostik von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen dient sie hauptsächlich dem Nachweis oder Ausschluss von Knochen-Metastasen.

Da beim Ependymom Absiedlungen von Tumorzellen in anderen, nicht zum Zentralnervensystem gehörenden Körperregionen vorkommen (zum Beispiel Knochenmetastasen), wird, wenn die betroffenen Patienten von Knochen- und/oder Gelenkschmerzen berichten, eine Skelett-Szintigraphie empfohlen. Dazu werden geringe Mengen einer radioaktiven Substanz in die Blutbahn gespritzt, die sich besonders in erkranktem Knochen anreichert. Eine Kamera, die die radioaktive Strahlung registriert, ortet anschließend die verdächtigen Bereiche. Die radioaktive Strahlung klingt sehr rasch ab.

Weitere Informationen zur Skelettszintigraphie und anderen nuklearmedizinischen Verfahren, zum Beispiel dem Octreotid-Scan, finden Sie hier.

Röntgenübersichtsaufnahme der Lunge

Im Rahmen der Operations- und Narkosevorbereitung des Patienten erfolgt in der Regel eine Röntgenuntersuchung der Lunge / des Brustkorbes angefertigt. Sie dient hier vor allem der Feststellung, ob der Zustand der Atmungsorgane und des Herzens für eine Vollnarkose (bei der künstlich beatmet wird) in Ordnung ist. Die Durchführung einer Röntgenübersichtsaufnahme geht schnell und tut nicht weh. Sie ist jedoch mit einer gewissen Strahlenbelastung verbunden. Daher wird bei Kindern und Jugendlichen darauf geachtet, dass (abgesehen von den für die Erstdiagnose notwendigen Untersuchungen) so wenig wie möglich geröntgt wird. Allgemeine Informationen zur Röntgenuntersuchung erhalten Sie hier.