Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie)

Autor:  Dr. med. habil. Gesche Tallen, Maria Yiallouros, Erstellt am 05.04.2018, Zuletzt geändert: 18.04.2020 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e48480

Um eine Therapie planen zu können, müssen die Art des Tumors und seine feingeweblichen und biologischen (molekularen) Eigenschaften bekannt sein, denn diese beeinflussen sein Wachstumsverhalten und somit seine Bösartigkeit. Aus diesem Grund muss in jedem Fall eine Tumorgewebeprobe untersucht werden (Biopsie).

Die Gewebeentnahme kann – je nach Lage des Tumors – durch eine offene Operation, zum Beispiel während der Tumorentfernung, oder durch eine stereotaktische Biopsie erfolgen. Letzteres spielt zum Beispiel bei tiefer liegenden Hirntumoren eine Rolle, die einer Operation nicht oder nur schwer zugänglich sind. Im Histopathologie-Labor wird das entnommene Material mit verschiedenen Techniken vorbehandelt und anschließend von einem eigens dafür ausgebildeten Facharzt für Neuropathologie (Neuropathologe) unter dem Mikroskop untersucht.

Dem Neuropathologen kommt in der Diagnostik von ZNS-Tumoren eine hochgradig verantwortungsvolle Aufgabe zu: Er entscheidet, ob es sich bei dem, was er sieht, um einen bösartigen Tumor, also um Krebs, handelt oder nicht. Außerdem muss er festlegen, um welche Art von ZNS-Tumor es sich handelt und welche besonderen Eigenschaften dieser auf mikroskopischer und/oder molekulargenetischer Ebene hat. Der Neuropathologe stellt also die entscheidende Diagnose, nach der sich alles Weitere richtet. Um in diesem Zusammenhang Irrtümern so sorgfältig wie möglich vorzubeugen, wird die jeweilig entnommene Gewebeprobe von JEDEM Kind beziehungsweise Jugendlichen mit Verdacht auf eine Krebserkrankung an mindestens noch ein weiteres kinderonkologisches Behandlungszentrum, das so genannte Referenzzentrum, verschickt, um dort von einem zweiten erfahrenen Neuropathologen untersucht und begutachtet zu werden.

Gut zu wissen: Der Umfang der feingeweblichen und, vor allem, der molekulargenetischen Untersuchungen hat sich in den letzten Jahren stark erweitert. Durch den Einsatz moderner Labormethoden lassen sich mittlerweile molekulare Gewebeeigenschaften bestimmen, die zum einen die Diagnose noch sicherer machen, zum anderen auch Auskunft über den zu erwarteten Krankheitsverlauf (zum Beispiel Wachstumsverhalten) geben können. Die molekulare Diagnostik spielt daher bereits eine Rolle bei der Therapieentscheidung und wird in Zukunft sicher weiter an Bedeutung gewinnen.