Was heißt eigentlich „altersgerecht“ aufklären?

Autor:  Agathe Schwarzinger, Iris Lein-Köhler, Erstellt am 09.06.2021, Zuletzt geändert: 20.07.2021 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e227186

Um gut zu beantworten, wieviel Information wirklich notwendig ist, müssen einerseits der Entwicklungsstand des Kindes/Jugendlichen und andererseits auch seine individuellen Bedürfnisse sowie der innerfamiliäre Kommunikationsstil berücksichtigt werden. Beraten Sie sich mit dem/der zuständigen MitarbeiterIn des Psychosozialen Teams – so werden Sie einen Weg dafür finden.

In den ersten Lebensmonaten sind Säuglinge ganz auf die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse durch ihre Bezugspersonen angewiesen. Sie brauchen vor allem Körperkontakt, Beruhigung durch die Stimme der Eltern und deren Fürsorge. Säuglinge können Erklärungen noch nicht verstehen. Trotzdem sollten Sie in einfachen Worten und kurzen Sätzen darüber sprechen, was geschieht. Der ruhige Klang Ihrer Worte hilft bereits, Ängste zu reduzieren.

Kleinkinder können lange und komplexe Erklärungen noch nicht verstehen. Sie bewegen sich ganz im Augenblick und deshalb sollten sich kurze Erklärungen nur darauf richten, was gerade jetzt wichtig ist. Leine Kinder neigen auch in Bezug auf ihre Erkrankung zu “magischem Denken”, weil sie von ihrer Entwicklung her mögliche Ursachen von Erkrankungen noch nicht nachvollziehen können. Daher verstehen sie eine Krankheit oft als “Bestrafung für schlimmes Verhalten“, wodurch Schuldgefühle bei ihnen entstehen können. Gerade deswegen brauchen sie kindgerechte Informationen über die Ursachen ihrer Erkrankung und über medizinische Prozeduren.

Kinder im Vorschulalter sind aktiv, neugierig und können sich zunehmend gut mit Worten verständigen. Sie verstehen bereits einfache Erklärungen zu ihrer Erkrankung und Behandlung. Allerdings glauben sie noch, dass Ereignisse durch sie selbst, ihre Gedanken oder Verhaltensweisen verursacht sind. Deshalb kann es sein, dass sie fürchten, an ihrer Erkrankung schuld zu sein. Sie brauchen die Gewissheit, dass sie den Krebs nicht verursacht haben.
Lassen Sie sich vom Psychosozialen Team geeignete Materialien (Bilderbücher, Verbrauchsmaterialien, Arztkoffer) empfehlen, die dabei helfen, Ihrem Kind Untersuchungen und Behandlungen verständlich zu machen.

Im Grundschulalter zeigen Kinder ein wachsendes Verständnis dafür, wie Untersuchungen funktionieren, wozu sie nötig sind und was Kranksein bedeutet. Sie beginnen logisch zu denken, aber noch sehr konkret und sie können noch keine abstrakten oder hypothetischen Aufgaben lösen. Deshalb besprechen Sie mit Ihrem Kind ganz konkrete Sachverhalte, die die Erkrankung und die Behandlung betreffen, wie beispielsweise wann welche Behandlung erfolgt. Sie verstehen, dass Medikamente und unangenehme Prozeduren notwendig sind, um gesund zu werden.
Schulkinder haben möglicherweise auch schon vielfältige Informationen über Krebs aus anderen Quellen bekommen (Freunde, Verwandte, Medien). Bleiben Sie mit Ihrem Kind darüber im Gespräch, welche Einzelheiten es erfahren hat, was es darüber denkt und wie es ihm damit geht.

Die Krankheits- und Gesundheitsvorstellungen von Jugendlichen werden denen von Erwachsenen immer ähnlicher. Jugendliche reagieren jedoch häufig anders als jüngere Kinder oder Erwachsene. Sie benötigen vielleicht mehr Informationen, stellen genaue Fragen oder brauchen mehr Zeit, um ihre Gefühle zu sortieren.
Es ist besonders wichtig, Jugendliche in die Entscheidungen bezüglich ihrer Behandlung miteinzubeziehen und nach Möglichkeit ihre selbständigen Entscheidungen und ihre Autonomie zu fördern, aber ohne sie hierbei zu überfordern. Bei Einverständniserklärungen zur Behandlung ist häufig ihre Zustimmung per Unterschrift erforderlich.
Jugendliche nutzen, neben dem Gespräch mit ihren Eltern und dem Behandlungsteam, auch ihren Freundeskreis, andere erwachsene Ansprechpersonen und das Internet, um sich zu informieren. Es ist wichtig, darüber gut im Gespräch zu bleiben, mit welchen Themen, Fragen und Ängsten sich Ihre Tochter/Ihr Sohn gerade beschäftigt.