Erste Entlassung nach Hause

Autor:  Barbara Grießmeier, Iris Lein-Köhler, Erstellt am 29.11.2021, Zuletzt geändert: 29.11.2021 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e232452

Die erste Heimkehr nach einem meist längeren Zeitraum in neuer Umgebung mit zahlreichen Untersuchungen, intensiven Gesprächen, neuen Menschen und Erlebnissen und vor allem der ersten Chemotherapie wird von allen Kindern und Eltern sehnlichst erwartet. „Zu Hause“ ist hier gleichbedeutend mit dem Leben vor der Krankheit, als alles noch „in Ordnung“ war.

Gleichzeitig birgt diese erste Entlassung vor allem für die Eltern auch viele Unsicherheiten: Bisher war Ihr krankes Kind unter ständiger Beobachtung durch ÄrztInnen und Pflegepersonal und jetzt wird Ihnen diese Aufgabe übertragen. Manche Eltern fragen sich, ob es denn nicht noch „zu früh“ sei, ob Ihr Kind wirklich schon stabil genug sei und ob nicht etwas „Schlimmes“ zu Hause passieren könne. Zu Ihrer Beruhigung: Sie dürfen ganz sicher sein, dass die ÄrztInnen Ihr Kind nur dann entlassen, wenn dies medizinisch zu verantworten ist.

Vor der ersten Entlassung gibt es ein weiteres Arzt- und/oder Pflegegespräch, in dem Sie genaue Verhaltensregeln für zu Hause mitbekommen und all Ihre Fragen stellen können. Außerdem wird Ihnen der nächste Termin Ihres Kindes in der Klinik/Ambulanz mitgeteilt.

Die wichtigsten Regeln für zu Hause sind:

  • Sobald Sie etwas Ungewöhnliches bei Ihrem Kind bemerken, rufen Sie in der Klinik an (beispielsweise Fieber, Hautausschlag, verändertes Verhalten). Zögern Sie nicht, auch nachts anzurufen!
  • Manchmal sind die körperlichen Folgen der Chemotherapie wie Übelkeit, Abgeschlagenheit, Appetitveränderungen oder Schleimhautprobleme und die ersten Anzeichen eines Infekts nicht leicht zu unterscheiden. Achten Sie unbedingt auf die Anweisungen der ÄrztInnen (wie Umgang mit Fieber über 38°), um eine Sepsis zu verhindern!
  • Halten Sie sich an die Anweisungen der ÄrztInnen, ohne diese zu übertreiben: Wenn Sie beispielsweise dreimal täglich Fieber messen sollen, ist es nicht nötig, dies stündlich zu tun.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind die verordneten Medikamente zu Hause einnimmt. Vor allem jüngere Kinder haben hier oft große Schwierigkeiten. Erproben Sie deshalb die Medikamenteneinnahme schon in der Klinik und wenn Sie Hilfe brauchen, wenden Sie sich an die MitarbeiterInnen der Klinik.
  • Sie müssen Ihr Kind zu Hause nicht komplett isolieren; es sollte allerdings keinen Kontakt mit Menschen haben, die offensichtlich krank sind und keine Orte aufsuchen, an denen viele Menschen sind.
  • Ausdrücklich erlaubt sind Kontakte mit einzelnen FreundInnen, Spielen mit den Geschwistern, Besuche der Großeltern, Spielen im Freien.
  • Es ist auch nicht nötig, Ihre Wohnung/Ihr Haus komplett zu desinfizieren! Der wichtigste Schutz vor Infektionen ist eine gründliche Handhygiene.

Ihrem Kind wird es möglicherweise relativ schnell gelingen, wieder in vertraute Alltagsroutinen (wie Spielen mit den Geschwistern) einzutauchen. Sie als Eltern sind nun einerseits damit beschäftigt, organisatorische Vorkehrungen für die nächsten Termine in der Klinik zu treffen, andererseits werden Sie eine Vielzahl von Fragen, Kontaktwünschen und Hilfsangeboten aus Ihrem näheren (und oft auch ferneren) Umfeld beantworten müssen und dabei mit der Betroffenheit dieser Menschen konfrontiert werden.

Überfordern Sie sich nicht, indem Sie all diesen Wünschen nachgehen und so möglicherweise die „Geschichte“ Ihres Kindes ständig erzählen, sondern achten Sie gut darauf, welches Maß an Kontakt Ihnen selbst gut tut. Nehmen Sie Hilfsangebote an und überlegen Sie, welche praktischen Tätigkeiten Sie tatsächlich abgeben könnten (einkaufen, Essen kochen, Wäsche waschen). Die meisten Menschen sind dankbar, wenn sie durch konkrete Aktivitäten etwas zu Ihrer Unterstützung beitragen können.