Veränderter Alltag daheim

Autor:  Barbara Grießmeier, Iris Lein-Köhler, Erstellt am 29.11.2021, Zuletzt geändert: 07.11.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e232460

Auch wenn mit der ersten Entlassung der große Wunsch nach dem vertrauten Alltag verbunden war, werden Sie schnell feststellen, dass zu Hause vieles anders geworden ist. Ihr Kind geht nicht mehr in die Schule oder den Kindergarten und auch Sie selbst arbeiten derzeit wahrscheinlich nicht. Sie verbringen also viel mehr Zeit miteinander, als Sie das sonst gewohnt waren, und die meisten Freizeit-Termine Ihres Kindes fallen weg.

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Der Alltag daheim mit einem krebskranken Kind (hier: krebskranker Jugendlicher, ganz rechts) verändert sich

Gleichzeitig wird es Ihrem Kind zumindest zeitweise körperlich nicht gut gehen: Es kann müde und schlapp sein, Schmerzen haben, vielleicht sogar Fieber. Manche Medikamente (wie Cortison) können zu starken Stimmungsschwankungen führen und der Appetit Ihres Kindes kann stark zunehmen oder auch ganz wegfallen. Zumindest in der Anfangszeit werden Ihnen diese Veränderungen manchmal Sorgen bereiten - im Laufe der Zeit wird es Ihnen jedoch immer besser gelingen, das neue Verhalten Ihres Kindes und auftretende Symptome einzuordnen.

Auch wenn Sie sich in Ihrer Sorge stark auf Ihr krankes Kind konzentrieren wollen, gilt es doch, gleichzeitig auch die Bedürfnisse der anderen Familienmitglieder nicht aus dem Blick zu verlieren und für diese einen einigermaßen „normalen“ Alltag aufrecht zu erhalten. Auch Ihre eigenen Wünsche nach Ablenkung, Entspannung oder unbeschwerten Kontakten mit anderen sollten Sie nicht vernachlässigen. Wie bei allen neuen Lebensabschnitten wird es Ihnen nach und nach immer besser gelingen, die Erfordernisse des neuen Alltags zu meistern.

Möglicherweise haben Sie (und andere Familienangehörige) vor allem in der ersten Zeit den Impuls, das kranke Kind nun besonders zu schonen und/oder zu verwöhnen. Wenn irgend möglich, sollten Sie versuchen, Ihre üblichen Erziehungsgrundsätze beizubehalten und so Ihrem Kind vermitteln, dass es trotz Krankheit doch auch „normal“ bleibt und dementsprechend behandelt wird. Die meisten Kinder wollen kein besonderes Mitleid und auch nicht, dass die Krankheit ständig Thema in der Familie ist.

Wenn es Ihrem Kind zu Hause körperlich gut geht, sollten Sie ruhig versuchen, eine Art kindgerechter Routine aufrecht zu erhalten – auch wenn es nicht in den Kindergarten oder die Schule gehen darf. Achten Sie darauf, dass das Kind morgens nicht zu spät aus dem Bett kommt, auch wenn keine Termine anstehen, sonst kommt leicht der gesamte Familienalltag und der Tagesrhythmus des Kindes durcheinander. Lassen Sie Ihr Kind auch im Freien spielen oder arrangieren Sie Treffen mit Freunden, um wenigstens etwas Normalität beizubehalten.

Wenn Ihr Kind bereits zur Schule geht, müssen Termine für den Hausunterricht eingeplant werden, sowie Zeiten, in denen Ihr Kind lernt.