Warum entstehen Zweitkrebserkrankungen?

Autor:  Dr. med. habil. Gesche Tallen, erstellt am 25.01.2016, Zuletzt geändert:  20.11.2018

Man geht davon aus, dass Zweitkrebserkrankungen nach einer Krebsbehandlung entstehen können, weil weder Zytostatika noch ionisierende Strahlen zwischen bösartigen und gesunden Zellen unterscheiden können. Das bedeutet, dass diese Behandlungen nicht nur die Krebszellen vernichten, sondern auch gesunde Zellen schädigen. Letztere sind jedoch nicht immer in der Lage, solche Schäden zu abzuwehren oder zu reparieren. Das kann unter anderem daran liegen, dass die körpereigene Abwehr während und auch noch nach einer Krebsbehandlung geschwächt ist. In der Folge geben die Zellen ihren Defekt bei der Zellteilung an ihre Tochterzellen weiter.

Es besteht das Risiko, dass sich die Tochterzellen daraufhin bösartig verändern, und der ehemalige Patient eine zweite, neue Krebserkrankung (sekundäre maligne Neoplasie, SMN) entwickelt. Ob diese bösartige Veränderung tatsächlich eintritt, hängt – ebenso wie die Art der Zweitkrebserkrankung – vor allem von folgenden Faktoren ab:

  • Art der Ersterkrankung beziehungsweise der durchgeführten Behandlungen (siehe Kapitel „Vorbehandlung“ im Anschluss)
  • Individuelle, insbesondere genetische Voraussetzungen des ehemaligen Patienten (siehe Kapitel „Individuelle Risikofaktoren)

Wichtig zu wissen: Durch die kontinuierliche Verbesserung von Therapiekonzepten in der Kinderheilkunde im Rahmen von Therapieoptimierungsstudien, zum Beispiel durch den verringerten Einsatz von Medikamenten, Bestrahlungsformen oder Kombinationstherapien, die schädlich für gesunde Zellen sind, soll das Risiko für Zweitkrebserkrankungen langfristig herabgesetzt werden.