Bei wem und wie häufig kommen Zweitkrebserkrankungen vor und wann können sie auftreten?

Autor:  Dr. med. habil. Gesche Tallen, erstellt am 25.01.2016, Zuletzt geändert:  20.11.2018

Untersuchungen großer Gruppen Überlebender von Krebserkrankungen im Kindes- oder Jugendalter in Europa und Nordamerika haben gezeigt, dass die meisten Zweitkrebserkrankungen (sekundäre maligne Neoplasien, SMN) innerhalb der ersten zehn Jahre nach Therapieende auftreten. Allerdings können Zweitkrebserkrankungen auch noch Jahrzehnte später vorkommen, insbesondere bei ehemaligen Patienten, die eine Strahlentherapie erhalten haben.

Nach einem Bericht der US-amerikanischen 'Childhood Cancer Survivor Study (CCSS)' mit insgesamt 14.359 ehemalige Patienten, die mindestens fünf Jahre nach Diagnosestellung ihrer Ersterkrankung überlebt hatten, haben diese gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein sechsfach erhöhtes Risiko, innerhalb der nächsten 30 Jahre eine (neue) Krebserkrankung zu entwickeln. Ein ähnlich hohes Risiko haben auch ehemalige Patienten in Deutschland.

Zahlen und Fakten im Überblick

  • 8,4% aller ehemaligen Patienten entwickeln in den ersten 30 Jahren eine Zweitkrebserkrankung
  • Die Ersterkrankung war meistens eine Leukämie (35,6%), ein Tumor des zentralen Nervensystems (18,5%) oder ein Lymphom (17,7%) [KAA2017]

Bei ehemaligen Leukämiepatienten wurden Zweitkrebserkrankungen vermehrt nach einer Chemotherapie mit Antimetaboliten (wie Cytarabin, Methotrexat und Mercaptorin) sowie mit Asparaginase beobachtet. Bei Überlebenden solider Tumoren kamen sie vergleichsweise häufiger nach Behandlungen mit Platinsubstanzen vor (siehe Kapitel „Ursachen – Vorbehandlung“).