Temozolomid
Der folgende Text informiert über Anwendung, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen des Temozolomid sowie darüber, welche Wechselwirkungen mit anderen Substanzen auftreten können und wann Temozolomid nicht oder nur eingeschränkt verabreicht werden darf.
Autor: Julia Dobke, Zuletzt geändert: 29.07.2026 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e290360
Inhaltsverzeichnis
- Anwendung: Wie wird Temozolomid eingesetzt?
- Wirkung: Wie wirkt Temozolomid?
- Nebenwirkungen: Welche Begleiterscheinungen können während oder nach der Behandlung mit Temozolomid auftreten?
- Häufige und gelegentlich auftretende Nebenwirkungen
- Wechselwirkungen: Mit welchen anderen Medikamenten / Substanzen kann Temozolomid interagieren?
- Gegenanzeigen: Wann darf Temozolomid nicht angewendet werden?
Anwendung: Wie wird Temozolomid eingesetzt?
Temozolomid wird als Monotherapie oder in Kombination mit einer Bestrahlungstherapie zur Behandlung von ZNS-Tumoren eingesetzt. Es wird als Kapsel oral verabreicht.
Wirkung: Wie wirkt Temozolomid?
Temozolomid gehört zur Wirkstoffklasse der Alkylantien. Aufgrund seiner Grundstruktur kann der Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke passieren und ist somit für die Behandlung von malignen Gliomen geeignet.
Nebenwirkungen: Welche Begleiterscheinungen können während oder nach der Behandlung mit Temozolomid auftreten?
Im Folgenden werden die sehr häufig bis häufig und gelegentlich auftretende Nebenwirkungen dargestellt.
Definition der aufgetretenen Fälle pro Anzahl der Behandelten:
Sehr häufig: mehr als 1 von 10;
häufig: mehr als 1 von 100;
gelegentlich: mehr als 1 von 1000;
selten: mehr als 1 von 10 000;
sehr selten: weniger als 1 von 10 000.
Für mehr Informationen zu den selten bis sehr selten auftretenden Nebenwirkungen informieren Sie sich bitte in den Fach- und Gebrauchsinformationen des jeweiligen Herstellers.
Sehr häufige Nebenwirkungen
Nervensystem
Während der Behandlung mit Temozolomid kommt es sehr häufig zu Krampfanfällen, Halbseitenlähmungen, Sprachstörungen und Kopfschmerzen.
Magen-Darmtrakt
Sehr häufig kommt es während der Behandlung mit Temozolomid zu Übelkeit und Erbrechen. Diese können durch die Gabe von Antiemetika beherrscht werden. Des Weiteren kann Temozolomid Verdauungsstörungen in Form von Durchfällen oder Verstopfung hervorrufen. Sehr häufig entwickeln die Patienten auch eine Anorexie (Appetitlosigkeit) und verlieren deutlich an Gewicht.
Haut und Unterhaut
Sehr häufig kann es während der Behandlung zu Hautauschlägen und Haarausfall kommen.
Allgemeine Erkrankungen
Sehr häufig kommt es zu vermehrter Müdigkeit unter der Einnahme von Temozolomid
Häufige und gelegentlich auftretende Nebenwirkungen
Knochenmark
Temozolomid verursacht eine Depression des Knochenmarks. In der Folge kommt es zu erniedrigten Werten weißen Blutkörperchen, der neutrophilen Granulozyten, der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen. Eine erniedrigte Zahl der neutrophilen Granulozyten kann zu Fieber in Neutropenie ohne Erregernachweis führen.
Infektionen
Aufgrund der Erniedrigung der weißen Blutkörperchen kommt es häufig zu Infektionen mit Viren, Bakterien und Pilzen. Insbesondere wurden Herpes Zoster, Entzündungen im Hals (Pharyngitis) und Pilzbefall im Mund beobachtet.
Nervensystem
Temozolomid kann verschiedenste Nebenwirkungen auf das Nervensystem haben. Es kann häufig zu Gangstörungen (Ataxie), Gleichgewichtsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Konzentrationsstörungen, vermindertem Bewusstsein, Gedächtnisstörungen, Sprachstörungen, Schwindel, herabgesetzte Berührungs- und Druckempfindlichkeit der Haut (Parästhesie), schmerzhaften Missempfindungen mit Kribbelgefühl und brennenden Schmerzen (Neuropathie), Missempfindungen der Haut (Parästhesie), Geschmackveränderungen, Zittern (Tremor)kommen.
Psychiatrische Erkrankungen
Es kann zu erhöhter Erregbarkeit (Agitation), Depression, Angst, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit und Gedächtnisstörungen /(Amnesie) kommen.
Stoffwechsel/Blutwerte
Unter der Einnahme von Temozolomid kann es zu einer Erhöhung des Blutzuckers sowie der Leberenzyme kommen.
Magen-Darmtrakt
Häufig kommt es zu Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis), Schluckstörungen, Oberbauchbeschwerden und Durchfall.
Immunsystem
Es kann zu einer allergischen Reaktion auf Temozolomid kommen.
Allgemeine Erkrankungen
Es kann zu grippeähnlichen Symptomen mit Fieber, Unwohlsein, Schmerzen und Wassereinlagerungen kommen.
Skelettmuskulatur
Häufig kommt es während er Behandlung zu Muskelschwäche, Rückenschmerzen und Muskelschmerzen.
Nieren und Harnwege
Es kann zu vermehrten Harndrang und Harninkontinenz kommen.
Gefäßerkrankungen
Es kann zu Blutgerinnseln in der Lunge oder in den Beinen und Blutungen kommen.
Haut und Unterhaut
Es kann zu sehr trockener Haut, Hautrötung und Juckreiz kommen. Wenn gleichzeitig eine Strahlentherapie stattfindet, besteht eine erhöhte Gefahr für strahlungsbedingte Verbrennungen der Haut.
Augen
Es kann zu einem Gesichtsfeldausfall, verschwommenen Sehen, Doppeltsehen und Augenschmerzen kommen.
Ohr und Innenohr
Es kann zu ein- oder beidseitiger Taubheit, Ohrengeräusche (Tinnitus), Ohreschmerzen und Drehschwindel kommen.
Schwangerschaft, Stillzeit und Zeugungs-/ Gebärfähigkeit
Die Behandlung mit Temozolomid kann bei Frauen und Männern erbgutschädigend wirken. Während der Behandlung mit Temozolomid dürfen daher Frauen nicht schwanger werden und Männer keine Kinder zeugen. Tritt während der Behandlung dennoch eine Schwangerschaft ein, so ist die Möglichkeit einer genetischen Beratung zu nutzen.
Daher sollten Männer und Frauen im gebärfähigen Alter die damit behandelt werden, effektive Verhütungsmittel verwenden und kein Kind zeugen bis mind. 3 Monate (Männer) bzw. 6 Monate (Frauen) nach Erhalt der letzten Dosis.
Da nicht bekannt ist, ob Temozolomid in die Muttermilch übergeht, sollte während der Behandlung mit Temozolomid nicht gestillt werden.
Zweittumoren (Zweitmalignome)
Gelegentlich kann es nach der Behandlung mit Temozolomid, insbesondere, wenn auch andere Chemotherapeutika verabreicht wurden, zur Erkrankung mit einem Myelodysplastischen Syndrom (MDS) oder myeloischer Leukämie kommen.
Wechselwirkungen: Mit welchen anderen Medikamenten / Substanzen kann Temozolomid interagieren?
- Valproinsäure (Antiepileptikum): Bei gleichzeitiger Anwendung kann die Ausscheidung von Temozolomid leicht abnehmen, was zu einer erhöhten Konzentration des Wirkstoffs im Körper führen kann
- Andere myelosuppressive Arzneimittel: Da Temozolomid das blutbildende System schwächt, verstärkt die gleichzeitige Gabe anderer knochenmarkhemmender Medikamente (z. B. bestimmte Antibiotika wie Cotrimoxazol) das Risiko für eine schwere Myelosuppression.
- Nahrungsaufnahme: Die Einnahme von Temozolomid zusammen mit einer Mahlzeit verringert die maximale Plasmakonzentration um etwa 33 % und die Bioverfügbarkeit um 9 %. Es wird daher empfohlen, das Medikament nüchtern (mindestens zwei Stunden vor oder nach einer Mahlzeit) einzunehmen.
Gegenanzeigen: Wann darf Temozolomid nicht angewendet werden?
- Wenn eine bekannte Allergie gegen Temozolomid vorliegt oder eine Allergie gegen einen sonstigen Bestandteil (Lactose, hochdisperses Siliciumdioxid, Poly(O‑carboxymethyl)stärke Typ A, Natriumsalz, Weinsäure (Ph.Eur.), Stearinsäure (Ph.Eur.) dieses Arzneimittels
- Wennjemals eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber Dacarbazin (ein Arzneimittel gegen Krebs, bisweilen DTIC genannt) bestanden hat. Anzeichen einer allergischen Reaktion beinhalten Juckreiz, Kurzatmigkeit oder Keuchen, ein Anschwellen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals.
- Wenn bestimmte Blutzellen stark vermindert sind (Myelosuppression), wie z.B. die Zahl der weißen Blutkörperchen oder die Zahl der Blutplättchen. Diese Blutzellen sind wichtig für die Bekämpfung von Infektionen und die ausreichende Blutgerinnung.
Quellen:
1) Fach- und Gebrauchsinformationen der Hersteller
2) Stiftung Warentest: Medikamente im Test: Krebs BOP2012]
3) Rote und Gelbe Liste

