Spätfolgen der Stammzelltransplantation

Autor:  Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 19.09.2026 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e57362

Eine Stammzelltransplantation‎ (SZT), insbesondere die allogene Stammzelltransplantation‎, ist noch immer mit erheblichen akuten Nebenwirkungen und Langzeitfolgen behaftet. Sie sind auf die Hochdosis-Chemotherapie‎ (sogenannte Konditionierung) sowie auf die Stammzelltransplantation selbst zurückzuführen [ARM2011‎] [BHA2021‎] [BRE2002‎] [EBE2006a‎] [HAN2018‎] [LEI2002‎].

  • Durch die allogene Stammzelltransplantation kommt es bei etwa 10 % der Patienten zu einer chronisch‎en Spender-gegen-Empfänger-Reaktion‎ (englisch: „Graft-versus-Host-Disease“, abgekürzt: GvHD), die sich gegen verschiedene Organe und Organsysteme richten kann. Betroffen sind hauptsächlich Haut, Leber und der Magen-Darm-Trakt [KLI2004‎].
  • Aufgrund der Therapie sind auch Schädigungen von Lunge, Herz, Nieren, Nervensystem‎, Knochenmark‎ und Muskulatur möglich.
  • Besonders gefährdet ist das Hormon‎system (endokrine System) des Patienten; es kann teilweise oder komplett ausfallen. Häufig tritt eine Schilddrüsenunterfunktion auf. Nicht selten sind auch Wachstumsverzögerungen (durch eine Störung der Wachstumshormon‎ausschüttung) sowie eine Verzögerung der Pubertät‎ (durch beeinträchtigte Bildung von Geschlechtshormonen). Aus diesem Grund ist die langfristige hormonelle Nachsorge von SZT-Patienten besonders wichtig. Sie umfasst die regelmäßige Untersuchung des Patienten und, gegebenenfalls, eine Behandlung mit entsprechenden Hormonen [ARM2011‎] [BHA2021‎].
  • Die intensive Chemotherapie vor der Stammzelltransplantation führt, anders als in der Regel eine Standard-Chemotherapie, oft zu einer bleibenden Unfruchtbarkeit [GEB2025‎] [PFI2015‎]. Für Patientinnen und Patienten nach Eintritt der Pubertät besteht, wie bereits im Abschnitt „Spätfolgen nach Chemo- und Strahlentherapie“ beschrieben, unter Umständen vor Therapiebeginn die Möglichkeit, Eizellen beziehungsweise Spermien zu gewinnen und einzufrieren (sogenannte Kryokonservierung‎).
  • Des Weiteren besteht ein erhöhtes Risiko, dass zu einem späteren Zeitpunkt eine zweite bösartige Tumor‎erkrankung eintritt. Das Risiko ist bei einer Kombination von Chemo- und Strahlentherapie höher als bei alleiniger Chemotherapie. Auch eine chronische Spender-gegen-Empfänger-Erkrankung begünstigt die Entstehung von Zweittumoren, denn sie führt zu einer anhaltenden Beeinträchtigung des Immunsystem‎s. Vor allem Zweitkrebserkrankungen der Haut spielen hier eine Rolle [BAK2003‎] [BOM2015‎].
  • Durch die Stammzelltransplantation können sich zudem Störungen des Zucker- und Fettstoffwechsels, des Geschmackssinns sowie psychische Beeinträchtigungen einstellen [BHA2021‎].
  • Je nach Behandlungsumfang und -intensität sowie der Art der Vorbehandlung kann es zu einer gewissen Einschränkung der kognitiv‎en Leistungsfähigkeit kommen (zum Beispiel Konzentration, Merkfähigkeit). Auch körperliche Einbußen, beispielsweise hinsichtlich Kraft und Ausdauer, sind möglich [BHA2021‎].