Wer sind all die Menschen auf der Station und was tun sie?

Autor:  Dr. med. habil. Gesche Tallen, erstellt am 11.12.2003, Redaktion:  Maria Yiallouros, Freigabe:  Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, Zuletzt geändert:  12.05.2020

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Kinderzeichnung

Das Behandlungsteam

Da ist zunächst einmal Ihr Behandlungsteam, deren Beteiligte Sie nach und nach kennenlernen werden oder manchmal auch – wenn alles sehr schnell gehen muss, weil es Ihrem Kind nicht gut geht – mehr oder weniger gleichzeitig. Zum Team gehören hauptsächlich die Kinderonkologen, die Kinderkrankenschwestern und -pfleger, die Erzieherinnen und Erzieher und das psychosoziale Team auf der Station, außerdem die Krankengymnasten, die Chirurgen, die Anästhesisten, die Strahlentherapeuten, die Kinderradiologen und auch die Pathologen.

"Manche Ärzte sieht man einmal und dann nie wieder!" heißt es oft, und verständlicherweise enttäuscht. In jeder medizinischen Fachrichtung und jeder Berufsgruppe finden im Rahmen der Ausbildung Personalwechsel statt. So kann es sein, dass ein Assistenzarzt, der sich anfangs intensiv um Sie und Ihr Kind gekümmert hat, plötzlich leider auf einer anderen Station eingeteilt wird und nicht mehr da ist. Er muss jedoch, um zum Beispiel ein guter Kinderarzt oder Chirurg zu werden, außer der Krebsheilkunde auch andere Bereiche der Medizin erlernen. Haben Sie keine Sorge, denn jede Kinderkrebsstation hat Fachärzte und -ärztinnen, Schwestern und Pfleger und andere Mitarbeiter, die grundsätzlich zum Stationsteam gehören, nicht weggehen und für Ihr Kind und Sie zuständig bleiben.

Jede Station hat ihren eigenen Rhythmus. Das heißt, dass gewisse Abläufe, zum Beispiel Wecken, Pflege, Mahlzeiten, Untersuchungen, Verabreichung der Medikamente und Visite, zu mehr oder weniger festen Zeiten stattfinden. Lassen Sie sich in den ersten Tagen über diese Abläufe informieren, damit Sie sich besser zurechtfinden.

Medizinstudenten, Pflegeschüler und andere Auszubildende

Ein Zentrum, das auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen spezialisiert ist, ist meist eine Universitätsklinik oder eine Einrichtung, die an eine solche angegliedert ist. Es ist also ein Krankenhaus, in dem, neben der Untersuchung und Behandlung von Patienten, auch Lehre und Forschung eine große Aufgabe sind. Das macht den Dschungel zunächst noch größer und undurchsichtiger, denn neben dem zuständigen Behandlungsteam kommen im Rahmen ihrer Ausbildung regelmäßig Medizinstudentinnen und -studenten, Pflegeschülerinnen und -schüler und viele andere mehr hinzu. Keine Angst, denn inwieweit diese mit Ihnen und Ihrem Kind zu tun haben, hängt in erster Linie vom seelischen und körperlichen Zustand Ihres Kindes ab.Sie und Ihr Kind entscheiden darüber gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam.

Andere Betroffene

Auf einer kinderonkologischen Station werden viele an Krebs erkrankte Kinder und Jugendliche behandelt. Und natürlich trifft man dort viele andere betroffene Eltern, mit denen man Erfahrungen, Sorgen und Nöte austauscht. Das ist einerseits oft sehr hilfreich und erleichternd, andererseits kann es verwirren, wenn das Schicksal einer anderen Familie einen stark mitnimmt und/oder man beginnt, es mit dem eigenen zu vergleichen. Jedoch sind jedes Kind, jedes Krankheitsbild, jeder Krankheitsverlauf und jede Behandlung anders und sehr selten sind persönliche Situationen vergleichbar.

Es ist oft hilfreich, auch persönliche belastende Probleme und Möglichkeiten ihrer Bewältigung mit Ihrem Behandlungsteam, insbesondere im Rahmen der psychosozialen Betreuung zu besprechen und Elterninitiativen wahrzunehmen.

Manchmal läuft nicht alles glatt

Leider klappt auf einer Krankenstation nicht alles immer so, wie man es sich wünscht - beim eigenen Kind nicht und bei anderen auch nicht. An manchen Tagen, an denen Sie mit Ihrem Kind auf die Station kommen, kann es passieren, dass viele Kinder gleichzeitig ihre Behandlung benötigen, und alle müssen ein bisschen warten. In einem Krankenhaus bemühen sich Ärzte und Pflegekräfte immer darum, zuerst die Patienten zu versorgen, denen es gerade weniger gut geht. Dafür müssen andere, denen man es eher zumuten kann, leider mehr warten. Das ist für einen Betroffenen oft schwer zu durchschauen.

Eltern und Kinder nehmen während der Behandlung viele Unannehmlichkeiten in Kauf, jedoch versuchen alle auf der Station, ihnen zu helfen. Manche Ärzte, Schwestern, Pfleger und andere Mitarbeiter des Behandlungsteams mag man lieber, manche weniger gern. Das ist ganz sicher menschlich, aber wenn sich alle bemühen, kommt man auch mit denen gut aus, die man eventuell weniger gern hat.