Symptome: Welche Krankheitszeichen können bei einem niedriggradigen Gliom auftreten?

Autor:  Dr. med. Gesche Riabowol (geb. Tallen), Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 16.03.2026 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e37261

Die Krankheitszeichen (Symptome) eines eines niedriggradigen Glioms richten sich (wie bei anderen Arten von Gehirntumoren) vor allem nach dem Alter des Patienten sowie danach, wo sich der Tumor im Gehirn beziehungsweise Zentralnervensystem befindet und wie er sich ausbreitet. Dabei werden allgemeine (unspezifische) und lagebedingte (spezifische) Krankheitszeichen unterschieden.

Allgemeine Krankheitszeichen

Allgemeinsymptome treten unabhängig von der Lage des Tumors auf und können auch durch andere Krankheiten verursacht sein, die nichts mit einem ZNS-Tumor zu tun haben, was die Diagnose des niedriggradigen Glioms häufig verzögern kann. Häufige Symptome sind beispielsweise Kopf- und/oder Rückenschmerzen, Schwindelgefühle, Nackensteife, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen (bei einem Hirntumor typischerweise unabhängig von der Nahrungsaufnahme [Nüchternerbrechen] und oft morgens und im Liegen), Gewichtsverlust, zunehmender Müdigkeit, Leistungsknick, Konzentrationsstörungen, Entwicklungsverzögerungen, Wachstumsstörungen und Wesensveränderungen. Auch ein Krampfanfall kann ein erstes Symptom eines niedriggradigen Glioms sein.

Die Ursache für diese Symptome ist meist der langsam zunehmende Druck im Schädelinneren (oder Rückenmarkskanal), der direkt durch den wachsenden Tumor bedingt sein kann und/oder durch eine vom Tumor verursachte Zirkulations- oder Abflussstörung des Nervenwassers (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, Liquor). Letzteres kann auch zur Bildung eines Wasserkopfes (Hydrocephalus) führen. Ein Wasserkopf kann bei Babys und Kleinkindern mit noch offenen Schädelnähten/Fontanellen unter anderem durch eine verstärkte Zunahme des Kopfumfanges (Makrocephalus‎) auffallen.

Lagebedingte Krankheitszeichen

Lagebedingte (spezifische) Symptome können Hinweise darauf geben, wo sich der Tumor im Zentralnervensystem befindet und welche Aufgabenzentren er dort beeinträchtigt. Die Art des Tumors spielt dabei nur insofern eine Rolle, als einige Untergruppen der niedriggradigen Gliome bevorzugt in bestimmten Hirnarealen vorkommen und sich dann gehäuft mit bestimmten Symptomen bemerkbar machen.

So kann ein niedriggradiges Gliom im Bereich des Kleinhirns zum Beispiel Gleichgewichts- und Gangstörungen hervorrufen, während ein Tumor im Großhirn mit Krampfanfällen oder ein Tumor im Bereich des Rückenmarks mit verschiedenartigen Lähmungen einhergehen kann. Auch Seh-, Bewusstseins- und Schlafstörungen können, wenn auch oft weniger genau, Hinweise auf die Lage des Tumors geben. Bei einem in der Mitte des Gehirns gelegenen Tumor, der die Funktion des Hypothalamus beeinträchtigt, kann es zu einer Gedeihstörung mit mangelnder Gewichtszunahme trotz normaler oder gesteigerter Kalorienzufuhr kommen. Dieser Symptomenkomplex wird als dienzephales Syndrom beschrieben.

Die Dauer vom ersten Symptom bis zur Diagnose variiert bei den niedriggradigen Gliomen erheblich und ist mehr von der Art des führenden Symptoms als vom feingeweblichen Tumortyp abhängig.

In den meisten Fällen entwickeln sich die Krankheitszeichen eines niedriggradigen Glioms schleichend, das heißt im Laufe von mehreren Wochen, Monaten oder gar Jahren, entsprechend der Wachstumsgeschwindigkeit dieser Tumoren. Je nach Ort des Tumors können Symptome unter Umständen auch ganz fehlen beziehungsweise sich erst sehr spät bemerkbar machen.

Im Folgenden erhalten Sie ausführliche Informationen über allgemeine (unspezifische) und lagebedingte (spezifische) Krankheitszeichen, die im Zusammenhang mit einem niedriggradigen Gliom (beziehungsweise allgemein einem Hirntumor) auftreten können.

Gut zu wissen: Das Auftreten eines oder mehrerer dieser Krankheitszeichen muss nicht bedeuten, dass ein niedriggradiges Gliom oder ein anderer Hirntumor vorliegt. Viele der unten genannten Symptome können auch bei vergleichsweise harmlosen Erkrankungen auftreten, die mit einem Hirntumor nichts zu tun haben. Bei entsprechenden Beschwerden (zum Beispiel immer wiederkehrenden Kopfschmerzen, bei kleinen Kindern auch bei einer unverhältnismäßig schnellen Zunahme des Kopfumfanges) ist es jedoch ratsam, so bald wie möglich einen Arzt zu konsultieren, um die Ursache zu klären.