Therapieoptimierungsstudie HIT-HGG 2013

Autor:  Maria Yiallouros, erstellt am 30.01.2018, Zuletzt geändert:  24.01.2022

Die Therapieoptimierungsstudie HIT-HGG 2013 wurde im Juli 2018 eröffnet. Sie dient der Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren, die erstmalig an einem der im Folgenden aufgeführten hochgradig malignen Gliome erkranken:

  • Glioblastom WHO-Grad IV (GBM)
  • Diffuses Mittelliniengliom Histon 3 K27M mutiert WHO-Grad IV (DMG)
  • Anaplastisches Astrozytom WHO-Grad III (AA)
  • Diffuses intrinsisches Ponsgliom (DIPG)
  • Gliomatosis cerebri (GC)

An der Studie beteiligen sich zahlreiche Kinderkliniken und Behandlungseinrichtungen in ganz Deutschland sowie in der deutschsprachigen Schweiz, Österreich und Belgien. Die deutsche Studienzentrale befindet sich an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Göttingen. Der Leiter der Studie ist Prof. Dr. med. Christof Kramm.

Ziele der Studie

Das vorrangige Ziel der HIT-HGG-Studie ist, die Überlebensraten von Kindern und Jugendlichen mit Ersterkrankung eines hochmalignen Glioms, Ponsglioms oder einer Gliomatosis cerebri zu verbessern.

Die Behandlung im Rahmen der Therapieoptimierungsstudie HIT-HGG 2013 basiert auf der derzeitig geltenden Standardtherapie, die eine Operation (sofern möglich) und eine daran anschließende kombinierte Strahlen-/Chemotherapie mit dem Medikament Temozolomid beinhaltet. Diese Therapie wurde in der vorherigen Studie HIT-HGG 2007 erstmalig bei Kindern und Jugendlichen getestet und scheint nach bisherigen Erkenntnissen ebenso wirksam zu sein wie die früher eingesetzten Chemotherapien mit mehreren Medikamenten (siehe auch Kapitel "Studie HIT-HGG 2007"). Ihr zusätzlicher Vorteil besteht darin, dass sie mit geringeren behandlungsbedingten Nebenwirkungen und Spätfolgen einhergeht [COH2011] [SEI2018].

Da die Behandlungsergebnisse für Patienten mit einem hochgradig malignen Gliom (inklusive der Hirnstammgliome und der Gliomatosis cerebri) nach wie vor unbefriedigend sind, war im Rahmen der neuen Studie zunächst vorgesehen, zusätzlich zur Standardbehandlung zwei neue Medikamente in zwei unterschiedlichen Behandlungsarmen auf ihre Wirksamkeit zu testen und so miteinander zu vergleichen: In einem der Behandlungsarme wurde anfangs daher Valproinsäure (Valproat) eingesetzt, im anderen Chloroquin. Die beiden Medikamente werden schon seit Jahrzehnten in anderen Zusammenhängen angewendet und haben – wie erst vor wenigen Jahren festgestellt wurde – auch eine Anti-Tumorwirkung.

Das Medikament Valproinsäure (engl. valproic acid), als Epilepsiemittel bekannt, wirkt als so genannter Histondeacetylase-Inhibitor (HDAC-Inhibitor), das heißt, es hemmt wichtige genetische Prozesse, die das Tumorwachstum fördern. Der Einsatz von Valproinsäure, so haben verschiedene Studien gezeigt, kann das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen hemmen und deren Ausreifung (Differenzierung) zu weniger bösartigen Zellen unterstützen. Die Substanz scheint die Krebszellen auch für die Strahlen-/und Chemotherapie empfindlicher zu machen [FEL2011‎] [KRA2017] [MAS2008] [WOL2008].

Chloroquin, eigentlich ein Mittel gegen Malaria, wirkt als „Autophagie-Inhibitor“: Es blockiert den so genannten Autophagie-Mechanismus in den Krebszellen, der dafür sorgt, dass Krebszellen unempfindlich (resistent) gegen Chemotherapie und Strahlentherapie werden. Der Einsatz von Chloroquin wirkt somit der Entwicklung einer Resistenz gegen Bestrahlung und Chemotherapie entgegen beziehungsweise bewirkt, dass Krebsmedikamente wieder greifen.

Die Studie sollte zeigen, ob die beiden (oder eines der beiden) Zusatzmedikamente die Wirkung der derzeitigen Strahlen- und Chemotherapie so entscheidend verstärken können, dass insgesamt eine bessere Überlebensrate erzielt wird. Die Zuordnung der Studienteilnehmer zu einem der beiden Therapiearme erfolgte nach dem Zufallsprinzip (Randomisierung). Leider wurde der Vertrieb von Chloroquinphosphat im Juli 2019 eingestellt. Der Chloroquin-Therapiearm wurde daher geschlossen und die Studie wird nur noch mit dem Medikament Valproat fortgeführt. Eine Randomisierung ist somit nicht mehr nötig und entfällt.

Ein weiteres Ziel der HIT-HGG-Studie besteht darin, durch die intensive therapiebegleitende Forschung das Wissen über die Erkrankung zu vertiefen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in zukünftige Behandlungskonzepte einfließen.

Behandlungsablauf im Rahmen der Studie

Die Behandlung mit dem Epilepsiemittel Valproat erfolgt in Tablettenform oder als Suspension und beginnt so früh wie möglich, das heißt, sobald der Tumor diagnostiziert ist (feingeweblich nach Operation oder, wenn keine Operation möglich ist, per Bildgebung). Das Medikament wird täglich, ohne Pause, über den gesamten Behandlungszeitraum von mindestens 58 Wochen (oder länger) verabreicht.

Etwa zwei bis vier Wochen nach Operation oder radiologischer Diagnose (definiert als "Woche 0") erfolgt zusätzlich die Standardbehandlung, das heißt die Strahlentherapie mit täglicher Temozolomid-Chemotherapie über sechs bis sieben Wochen (Induktionstherapie), gefolgt von einer alleinigen, etwa einjährigen Temozolomid-Behandlung (Erhaltungstherapie). "Informationen zur Standardtherapie erhalten Sie im Kapitel Behandlungsablauf (Standardtherapie bei Patienten ab 3 Jahren)".