Prognose: Wie sind die Überlebensaussichten von Patienten mit einem hochmalignen Gliom?

Autor:  Maria Yiallouros, erstellt am 23.03.2007, Zuletzt geändert:  28.04.2020

Die Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen mit einem hochgradig malignen Gliom sind, trotz verbesserter Diagnose- und Behandlungsverfahren, schlechter als die anderer Hirntumoren. Die durchschnittliche Überlebensrate (5-Jahres-Überleben) liegt bei etwa 10 bis 19 % [WAG2003] [WOL2010].

Die Prognose für den einzelnen Patienten hängt allerdings von der Art und Lage des Tumors, dem Ausmaß der Tumorentfernung und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Sie schwankt daher zwischen circa 50 % bei komplett entfernten Tumoren und 0 % bei Patienten, bei denen überhaupt keine Therapie möglich ist. Säuglinge und Kleinkinder haben zum Teil eine deutlich bessere Prognose:

  • Kann der Tumor durch einen chirurgischen Eingriff vollständig entfernt werden – was zum Beispiel bei Tumoren der Großhirnrinde durchaus möglich ist – sind die Überlebenschancen deutlich besser als allgemein angenommen: Sie liegen, bei Einsatz weiterer intensiver Therapiemaßnahmen (Chemotherapie und Strahlentherapie), bei über 50 % (5-Jahres-Überlebensraten). Dabei wird zunehmend auch von langzeitüberlebenden Patienten berichtet [KRA2006] [KUE2006] [WAG2003] [WOL2010].
  • Auch bei Kindern unter drei Jahren werden trotz alleiniger Operation und Chemotherapie Langzeitüberlebensraten von über 50 % beobachtet [KRA2008].
  • Bei Tumoren tieferliegender Hirnregionen (zum Beispiel des Zwischenhirns), die höchstens teilweise entfernt werden können, ist die Prognose weniger günstig. Dabei scheint sich die Größe des Resttumors im Allgemeinen auf die Überlebenszeit des Patienten auszuwirken.
  • Eine sehr schlechte Prognose haben Patienten, deren Tumor keiner Operation zugänglich ist. Dies gilt in aller Regel für Gliome des Hirnstamms (typisches diffuses intrinsisches Ponsgliom). Die Überlebensaussichten von Patienten mit solchen Tumoren sind gleich null (3-Jahres-Überlebensrate von nur 3 %) [KUE2006] [WAG2003]. Unabhängig von der Tumorlage kann aber auch die Tumorbiologie, das heißt, die molekularen Eigenschaften des Tumors, eine ungünstige Prognose begünstigen. Dies gilt zum Beispiel für Gliome, deren Erbmaterial von einer so genannten Histon 3 K27M-Mutation betroffen sind [KAR2018]. Eine derartige Mutation findet sich bei manchen Mittelliniengliomen (also Tumoren im Bereich von Thalamus, Hirnstamm oder Rückenmark).

Prinzipiell ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass selbst nach erfolgreicher Erstbehandlung des Tumors ein Krankheitsrückfall (Rezidiv) auftritt. Die Prognose ist in diesem Fall noch ungünstiger als bei Patienten, die erstmalig an einem hochmalignen Gliom erkrankt sind. Eine erneute Behandlung kann zwar erwogen werden, die Intensität der Therapie wird aber angesichts der geringen Überlebenswahrscheinlichkeit des Patienten sehr sorgsam bedacht. Die Erhaltung einer möglichst guten Lebensqualität gewinnt bei der Behandlung eines Patienten mit Rezidiv noch größere Bedeutung als bei der Erstbehandlung.

Im Rahmen der derzeitigen Therapieoptimierungsstudien sowie zukünftiger Studien wird versucht, die Heilungsaussichten für Patienten mit hochmalignen Gliomen und Ponsgliomen stetig weiter zu verbessern.

Gut zu wissen: Bei den oben genannten Überlebensraten für Patienten mit hochmalignem Gliom handelt es sich um statistische Größen. Sie stellen nur für die Gesamtheit der an dieser Form der Hirntumoren erkrankten Patienten eine wichtige und zutreffende Aussage dar. Ob der einzelne Patient geheilt werden kann oder nicht, lässt sich aus der Statistik nicht vorhersagen. Die Krankheit eines Patienten mit hochmalignem Gliom kann selbst unter günstigsten beziehungsweise ungünstigsten Voraussetzungen ganz unerwartet verlaufen.