Vom Labor zum Patienten: Wie wird geforscht?

Autor:  Dr. med. habil. Gesche Tallen, Zuletzt geändert:  10.10.2018

Die Forschungsschwerpunkte in der Pädiatrischen Onkologie lassen sich nach dem Gesichtspunkt „vom Forschungslabor zum Patienten“ einteilen. Die Grundlagenforschung erfolgt im Labor, die präklinische Forschung an Zell- und Tiermodellen, und die klinische Forschung ist eng am Patienten ausgerichtet.

Überblick Grundlagenforschung

Die Grundlagenforschung möchte diese Fragen beantworten:

  • Welche individuellen Risikofaktoren beeinflussen die Bildung und das Wachstum von Krebszellen?
  • Sind genetische Risikofaktoren beim jeweiligen Patienten vorhanden?
  • Warum reagieren manche Patienten schlechter auf die Behandlung als andere?

Besonders bei Leukämien wurden in den vergangenen Jahren sehr empfindliche, molekulargenetische Methoden zur Erfassung von restlichen Leukämiezellen (minimale Resterkrankung; englisch: Minimal Residual Disease [MRD]) im Knochenmark entwickelt, mit denen man die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Ansprechens auf die Behandlung ermitteln kann.

Ziel ist es, die Behandlungsverfahren möglichst optimal an die Erfordernisse des individuellen Patienten anzupassen.

Was sind die Ziele der Grundlagenforschung?

  • die besonderen Eigenschaften von Krebszellen zu erforschen. Der Fachbegriff lautet hierfür "Krebsmerkmale"; engl.: "Hallmarks of Cancer"; siehe "Grundlagenforschung". Durch die Kenntnis solcher Merkmale lassen sich die Mechanismen der Krebsentstehung und -ausbreitung besser verstehen.
  • individuelle Marker auf den Krebszellen zu entdecken. Welche „Individuellen Marker“, also Merkmale von Tumor-/Leukämiezellen (so genannte "Biomarker") lassen sich bei einem einzeln betrachteten Patienten nachweisen? Solche Marker können genauere Hinweise über die Prognose des jeweiligen Patienten geben. Die Marker betreffen dessen Krankheitsverlauf, das Ansprechen auf eine bestimmte Behandlung oder auch Hinweise auf mögliche Langzeitfolgen.
  • neue zielgerichtete Medikamente zu entwickeln. Diese Medikamente sollen bestimmte Merkmale von Krebszellen angreifen und so weniger die gesunden Zellen schädigen und dadurch Nebenwirkungen und Langzeitfolgen verringern.
  • neue wirksame Medikamente für Patienten zu entwickeln, bei denen die bisherigen Behandlungen nicht wirksam sind.

Überblick präklinische und klinische Forschung

Was sind die Ziele der präklinischen und der klinischen Forschung?

  • neue diagnostische Methoden zur Bestimmung von Risikofaktoren und Biomarkern zu entwickeln,
  • die in der Grundlagenforschung entwickelten neuen Medikamente im Labor- und Tierversuch (präklinisch) und klinisch (am Menschen) zu erproben,
  • sicherzustellen, dass neue Diagnostik- und Behandlungsmethoden dem Patienten nicht schaden,
  • Elemente der Erstbehandlung, wie Strahlentherapie oder bestimmte Chemotherapien zu identifizieren, die für unerwünschte Folgen verantwortlich sind, um dann die Therapie anzupassen, beispielsweise durch eine verringerte Dosis der Strahlen- oder Chemotherapie (Therapieoptimierung),
  • mögliche Spätfolgen nach verschiedenen Krebserkrankungen und Behandlungen im Kindes- und Jugendalter zu erfassen und entsprechende Nachsorgemaßnahmen zu entwickeln,
  • die Bedürfnisse der Langzeitüberlebenden zu ermitteln, um mit geeigneten Maßnahmen deren Überlebensqualität zu verbessern.

Drei Forschungsbereiche, die aufeinander aufbauen

  1. Grundlagenforschung
  2. Präklinische Forschung
  3. Klinische Forschung
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