Operation

Autor:  Maria Yiallouros, Dr. med. habil. Gesche Tallen, Erstellt am 29.04.2020, Zuletzt geändert: 29.04.2020 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e37472

Die Therapie der Wahl bei einem niedriggradig malignen Gliom ist die neurochirurgische Entfernung des Tumors (Tumorresektion). Ihre Dringlichkeit richtet sich vor allem nach der Schwere der Krankheitszeichen und der Lage des Tumors.

Grundsätzlich strebt man an, den Tumor vollständig operativ zu entfernen, denn aus rückblickenden Untersuchungen weiß man, dass das Ausmaß der Operation den anschließenden Krankheitsverlauf am stärksten beeinflusst. Das heißt: Eine komplette Tumorentfernung ist in aller Regel mit einer günstigen Prognose verbunden.

Die Voraussetzung für eine solchen Eingriff ist allerdings, dass er mit möglichst geringem Risiko für den Patienten durchgeführt werden kann und erfolgversprechend ist – dies muss im interdisziplinären Team diskutiert werden. Denn manche Tumoren lassen sich aufgrund ihrer Lage im Zentralnervensystem nicht ohne schwerwiegende neurologische Folgeschäden komplett entfernen, sodass von vornherein das Belassen eines Resttumors eingeplant werden muss oder nur eine Gewebeprobe entnommen wird.

Ein Tumor im Bereich des Hirnstamms (beispielsweise ein Gliom der Brücke, auch Ponsgliom genannt) kann zum Beispiel nicht immer ohne weiteres operativ angegangen und vor allem nicht komplett entfernt werden, weil dabei das Risiko zu groß ist, dass dabei lebenswichtige Hirnareale, wie zum Beispiel das Atemzentrum, verletzt werden (siehe auch Informationen zu Aufbau und Funktion des Zentralnervensystems, Kapitel: "Hirnstamm und Hirnnerven").

Prinzipiell unmöglich ist eine vollständige Tumorentfernung auch bei diffus ins Hirngewebe einwachsenden Tumoren; dies ist bei den meisten Astrozytomen ab WHO-Grad II der Fall. Das Ziel der Operation ist in diesen Fällen nur eine Verkleinerung der Tumormasse, zum Beispiel, um den erhöhten Druck im Schädelinneren oder eine Bedrängung anderer Hirnstrukturen zu mindern oder eine drohende Behinderung des Hirnwasserabflusses zu beheben. Die verbliebenen Tumorzellen können, wenn die Notwendigkeit besteht, anschließend mit einer Chemotherapie oder Strahlentherapie weiterbehandelt werden. In manchen Fällen ist es nur möglich, eine Tumorprobe zu diagnostischen Zwecken zu entnehmen (Biopsie).

Unter Umständen kann nach einer Beobachtungszeit oder einer nicht-chirurgischen Behandlung ein zweiter chirurgischer Eingriff in Frage kommen, wenn der Patient dadurch nicht gefährdet wird und keine schwerwiegenden Folgeschäden zu erwarten sind.

Welche Patienten mit niedrigmalignem Gliom werden operiert?

Die Dringlichkeit (Indikation) sowie das Ausmaß der Tumoroperation werden durch den Neurochirurgen festgelegt, letzteres in manchen Fällen auch erst während des Eingriffs. Beides richtet sich insgesamt nach der Schwere der Krankheitszeichen und nach der anatomischen Lage des Tumors.

Bei Patienten, bei denen der Tumor zu einer Störung des Nervenwasserflusses und infolgedessen zu einem Wasserkopf geführt hat, sind neben der eigentlichen Tumoroperation zusätzliche operative Maßnahmen notwendig, um das überschüssige Nervenwasser abzuleiten. So kann zum Beispiel eine externe Ventrikeldrainage, eine Ventrikulostomie oder die Anlage eines ventrikulo-peritonealen Shunts [ventrikulo-peritonealer Shunt] angezeigt sein (siehe auch Kapitel zur "Supportivtherapie").

Gut zu wissen: Das Behandlungsteam, in erster Linie der Neurochirurg, wird mit Ihnen das Ausmaß und die Technik des chirurgischen Ersteingriffes ausführlich besprechen.

Wie erfolgreich ist die Operation bei Patienten mit einem niedrigmalignen Gliom?

Der Erfolg der Operation, das heißt das Ausmaß der Tumorentfernung, hängt vor allem von der Lage des Tumors ab: Bei niedriggradig malignen Gliomen im Bereich der Großhirnrinde gelingt eine vollständige Tumorentfernung bei 50 bis 90 % der Patienten, bei Tumoren des Kleinhirns bei 65 bis 90 % der Patienten. Bei Tumoren des Zwischenhirns, des Hirnstamms oder im Rückenmarkskanal hingegen ist eine vollständige Tumorentfernung nur in Ausnahmefällen möglich [DUE2002] [GAJ1997] [GNE2012] [GNE2018] [POL1995] [SMO1998] [SUT1995] [WIS2011].

Die Analysen großer Kohorten haben gezeigt, dass insgesamt gesehen nur bei einem Drittel der Kinder und Jugendlichen mit einem niedrigmalignen Gliom eine komplette Tumorentfernung möglich ist, während bei jeweils einem weiteren Drittel der Patienten entweder eine Teilentfernung oder eine Biopsie erfolgt. Nach einer Tumorteilentfernung hat sich im Rückblick (retrospektiv) gezeigt, dass neben der anatomischen Lage auch die Größe des verbliebenen Resttumors den Zeitpunkt bestimmt, zu dem der Tumor wieder zu wachsen beginnt [GNE2018] [GNE2012] [WIS2011].

Ob eine komplette oder eine Teilentfernung des Tumors durchgeführt wurde, wird einerseits durch den Operateur und andererseits durch bildgebende Verfahren (Magnetresonanztomographie) innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation bestimmt.