Bildgebende Verfahren

Autor:  Maria Yiallouros, Erstellt am 17.06.2021, Zuletzt geändert: 31.08.2021 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e63522

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Zu den diagnostischen Untersuchungen gehört immer eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie). Mit ihrer Hilfe kann der Arzt feststellen, ob Lymphknoten, zum Beispiel in der Hals-, Schlüsselbein-, Achsel- oder Leistenregion, betroffen sind. Auch tiefer gelegene Lymphknoten, beispielsweise im vorderen Brustraum und im Bauchraum, sowie andere innere Organe, insbesondere Leber und Milz, können mittels Sonographie auf einen möglichen Befall hin beurteilt werden.

Die Ultraschalluntersuchung ist schmerzfrei und kann beliebig oft wiederholt werden, da sie die Patienten keiner schädlichen Strahlenbelastung aussetzt. Allgemeine Informationen zur Ultraschalluntersuchung erhalten Sie hier.

Röntgenuntersuchung

Die Röntgenuntersuchung des Brustkorbs (Thorax) spielt vor allem zu Beginn der diagnostischen Untersuchungen eine wichtige Rolle, das heißt, noch bevor die Diagnose „Hodgkin-Lymphom“ feststeht. Mit ihrer Hilfe können Lymphknotenschwellungen festgestellt und eine vorläufige Verdachtsdiagnose gestellt werden. Auch eine möglicherweise vorliegende Infektion der Lunge oder der Atemwege lässt sich mit Hilfe der Röntgenaufnahmen nachweisen. Erhärtet sich anhand der Gewebeentnahme die Diagnose, müssen Lymphknoten- und Lungenbefall im Rahmen der aktuellen Therapieempfehlungen immer durch eine zusätzliche Computertomographie nachgewiesen oder ausgeschlossen werden (siehe Folgeabschnitt).

Allgemeine Informationen zur Röntgenuntersuchung erhalten Sie hier.

Computertomographie (CT)

Die Computertomographie (CT) ist ein spezielles Röntgenverfahren, mit dem der Körper (mit Hilfe von Röntgenstrahlen) Schicht für Schicht durchleuchtet werden kann. Dadurch ist eine sehr detailgenaue Abbildung der untersuchten Körperregionen und der dort befindlichen Organe und Strukturen möglich.

Bei Patienten mit Morbus Hodgkin ist die CT hilfreich, um genauere Informationen über die Ausbreitung der Krebserkrankung zu erhalten. Vergrößerte Lymphknoten und befallene Organe, insbesondere die Lunge, können sichtbar gemacht und genau vermessen werden. Im Rahmen der Erstdiagnostik wird daher bei allen Patienten grundsätzlich eine CT der Lunge durchgeführt, um einen möglichen Befall des Organs auszuschließen. Darüber hinaus ist die CT auch für die rasche Beurteilung des Krankheitsstadiums unentbehrlich. Sie kann daher zudem zur Untersuchung von Hals, Abdomen und gesamtem Brustkorb herangezogen werden.

Wenn sich anhand der CT, die standardmäßig mit einer Positronen-Emissions-Tomographie (CT-PET) kombiniert wird, ein Befall der Knochen zeigt, werden auch die Beine untersucht. In aller Regel ist ein Knochenbefall mit der CT-PET gut sichtbar, so dass meist auf eine ergänzende Skelett-Szintigraphie verzichtet werden kann.

Die Computertomographie dauert nicht lange, so dass sie selbst bei Säuglingen und Kleinkindern oft ohne Sedierung oder Narkose erfolgen kann. Allgemeine Informationen zur Computertomographie finden Sie hier.

Gut zu wissen: Die genaue Vermessung befallener Lymphknoten ist sehr wichtig für die Therapieplanung, da ein Tumorvolumen von mehr als 200 ml in einer zusammenhängenden Lymphknotenkette [„bulky disease“] als Risikofaktor gilt und bei Behandlung berücksichtigt werden muss (siehe Kapitel „Therapieplanung - Krankheitsstadien“).

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die Magnetresonanztomographie (MRT) oder Kernspintomographie wird, wie die Computertomographie (CT), zur Beurteilung des Krankheitsstadiums und zur Planung der Therapie eingesetzt. Die Ausdehnung eines Lymphoms und seine Beziehung zu benachbarten Strukturen können detailgenau dargestellt und vermessen werden (siehe Anmerkung zur Bedeutung der genauen Vermessung im Abschnitt zur Computertomographie oben).

Die MRT wird zur Untersuchung von Lymphknoten und anderen befallenen Organen in Bauch- und Beckenraum (Abdomen) und zunehmend auch an Stelle der Computertomographie für Untersuchungen im Brust- und Halsbereich eingesetzt. (Zur Untersuchung der Lunge ist jedoch nach wie vor eine CT unentbehrlich.) Die MRT spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Überprüfung des Krankheitsverlaufs. Wie die CT wird auch die MRT mit der Positronen-Emissions-Tomographie kombiniert (MRT-PET).

Die Magnetresonanztomographie arbeitet mit Magnetfeldern. Sie verursacht keine Strahlenbelastung, dauert jedoch relativ lange und ist mit langem Stillliegen in einem relativ engen Untersuchungsgerät verbunden, das zudem Geräusche macht. Entsprechend mögen die meisten Kinder die MRT nicht. Daher ist oft eine Ruhigstellung durch Sedierung oder Narkose notwendig oder zweckmäßig. In den meisten großen Behandlungszentren sind mittlerweile jedoch kindgerechte Untersuchungsräume und -geräte etabliert, so dass eine MRT-Untersuchung heutzutage für Kinder weniger belastend ist. Allgemeine Informationen zur Magnetresonanztomographie finden Sie hier.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist ein nuklearmedizinisches Verfahren [Nuklearmedizin], das zur Darstellung von Tumoren und Metastasen genutzt werden kann. Bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Hodgkin wird die PET inzwischen standardmäßig in Kombination mit einer Computertomographie (PET-CT) und/oder Magnetresonanztomographie (PET-MRT) eingesetzt, um eine bessere Beurteilung der Krankheitsausbreitung und des Krankheitsverlaufs zu ermöglichen [KOE2003].

Der Vorteil der PET gegenüber anderen bildgebenden Verfahren ist, dass ausschließlich lebendes Tumorgewebe sichtbar gemacht wird. Dadurch lässt sich beispielsweise nach einer Behandlung (zum Beispiel im Anschluss an die ersten beiden Chemotherapiezyklen) feststellen, ob ein bei der Magnetresonanztomographie oder Computertomographie erkennbarer Resttumor noch lebende Tumorzellen enthält oder ob es sich dabei nur um totes Restgewebe handelt.

Invasive Verfahren (zum Beispiel die Spiegelung von Bauch- oder Brustraum), die früher bei manchen Patienten notwendig waren, um die Therapie planen oder den Behandlungserfolg beurteilen zu können, können auf diese Weise vollständig vermieden werden.

Studienergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass mit Hilfe der PET auch ein Befall der Knochen beziehungsweise des Knochenmarks meist sehr spezifisch und genau diagnostiziert werden kann [KLU2011a] [PUR2011]. Im Rahmen der Therapieoptimierungsstudie EuroNet-PHL-C2 (Patientenaufnahme seit 30.09.2020 beendet) wurde aus diesem Grund das bisherige Verfahren zum Nachweis oder Ausschluss eines Knochenmarkbefalls – die Knochenmarkstanzbiopsie – vollständig durch die PET ersetzt. Dies wird auch weiterhin Standard sein. Bei Verdacht auf Knochenbefall kann in Einzelfällen noch eine Skelett-Szintigraphie erforderlich sein, sofern PET-CT oder, häufiger, PET-MRT für eine sichere Diagnose nicht ausreichen (siehe dazu auch Abschnitt zur Skelett-Szintigraphie unten).

Die behandelnden Ärzte hoffen, dass sich durch die Einführung der PET als Standardverfahren zur Diagnostik und vor allem zur Beurteilung des Therapieansprechens die Therapie in Zukunft noch gezielter planen lässt und auf diese Weise auch therapiebedingte Nebenwirkungen und Spätfolgen reduziert werden können. Allgemeine Informationen zur Positronen-Emissions-Tomographie finden Sie hier.

Skelett-Szintigraphie (Knochenszintigraphie)

Die Skelettszintigraphie wurde bisher bei Verdacht auf Befall der Knochen beziehungsweise generell bei weiter fortgeschrittener Erkrankung ergänzend zur Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt.

Inzwischen kann aufgrund der Verknüpfung dieser bildgebenden Verfahren mit der Positronen-Emissions-Tomographie oft auf die Skelett-Szintigraphie verzichtet werden (siehe oben). Dies gilt vor allem für die PET-CT. Bei der PET-MRT hingegen kann nicht sicher zwischen Knochen- und Knochenmarkbefall unterschieden werden, was jedoch für die Therapieplanung wichtig ist (Knochenbefall muss bestrahlt werden, Knochenmarkbefall nicht). Daher kann in diesem Fall ergänzend eine Skelettszintigraphie als ganzkörperliche Untersuchung notwendig sein.

Bei der Untersuchung werden geringe Mengen einer radioaktiven Substanz in die Blutbahn gespritzt, die sich besonders in erkranktem Knochen anreichert. Eine Kamera, die die radioaktive Strahlung registriert, ortet verdächtige Bereiche. Die radioaktive Strahlung klingt sehr rasch ab. Allgemeine Informationen zu nuklearmedizinischen Verfahren wie der Skelett-Szintigraphie finden Sie hier.