Hodgkin-Lymphom – Kurzinformation
Das Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin) ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. In diesem Text erhalten Sie die wichtigsten Informationen zu Krankheitsbild und Krankheitsformen sowie zu Häufigkeit, möglichen Ursachen, Symptomen, Diagnose, Behandlung und Prognose der Erkrankung.
Autor: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Christine Mauz-Körholz, Zuletzt geändert: 23.04.2026 https://dx.doi.org/10.1591/poh.patinfo.mh.kurz.20101216
Inhaltsverzeichnis
Krankheitsbild
Das Hodgkin-Lymphom, auch Morbus Hodgkin, Hodgkin’sche Erkrankung, Lymphdrüsenkrebs oder Lymphogranulomatose genannt, ist eine bösartige (maligne) Erkrankung des lymphatischen Systems [lymphatisches System], die zu den malignen Lymphomen zählt. Der Begriff „malignes Lymphom“ bedeutet wörtlich übersetzt „bösartige Lymphknotengeschwulst“. In der medizinischen Fachsprache ist damit eine große Gruppe von Krebserkrankungen gemeint, die von Zellen des lymphatischen Systems (Lymphozyten) ausgehen und als ein Hauptmerkmal Lymphknotenschwellungen (Lymphome) hervorrufen können.
Der Morbus Hodgkin, benannt nach dem Arzt und Pathologen Dr. Thomas Hodgkin, entsteht durch eine bösartige Veränderung (Entartung) der B-Lymphozyten (auch B-Zellen), einer Gruppe weißer Blutkörperchen (Blutzellen), die sich vor allem in den lymphatischen Geweben aufhalten. Ein Hodgkin-Lymphom kann daher überall dort im Körper entstehen, wo sich lymphatisches Gewebe befindet. Am häufigsten sind die Lymphknoten betroffen, aber auch andere Organe wie Leber, Knochenmark, Lunge oder Milz können, vor allem in fortgeschrittenen Krankheitsstadien, befallen sein. Unbehandelt verläuft das Hodgkin-Lymphom tödlich.
Gut zu wissen: Bis vor kurzem unterteilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die malignen Lymphome in zwei große Gruppen: das Hodgkin-Lymphom und die Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). Inzwischen nutzt die WHO den Begriff NHL nicht mehr. Lymphome werden stattdessen nach ihren Herkunftszellen in B- und T-Zell-Lymphome sowie, je nach Reifestadium der entarteten Zellen, in Vorläuferzell-Lymphome und reifzellige Lymphome unterteilt. Das Hodgkin-Lymphom ist ein reifzelliges B-Zell-Lymphom. Eine Unterscheidung zwischen Hodgkin-Lymphom und anderen Lymphomen ist nur durch Untersuchung von befallenem Gewebe möglich.
Häufigkeit
Das Hodgkin-Lymphom ist die häufigste Lymphom-Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland erkranken nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters (Mainz) pro Jahr etwa 170 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neu an einem Hodgkin-Lymphom. Damit macht das Hodgkin-Lymphom in dieser Altersgruppe etwa 7,4 % der bösartigen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus.
Säuglinge und Kleinkinder (bis zum dritten Lebensjahr) sind von einem Hodgkin-Lymphom selten betroffen; mit zunehmendem Alter wird die Krankheit allmählich häufiger. In der Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren zählen diese Lymphome zu den häufigsten Tumoren. Der Häufigkeitsgipfel liegt im Kindes- und Jugendalter (Altersspanne 0 bis 17) bei 15 Jahren. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen (Geschlechterverhältnis 1.2:1).
Ursachen
Die Ursachen für die Entwicklung eines Hodgkin-Lymphoms sind bisher nicht geklärt. Zwar weiß man, dass die Krankheit durch bösartige Veränderung von Zellen des lymphatischen Systems entsteht und dass diese Entartung mit Veränderungen im Erbgut der Zelle einhergeht. Warum genetische Veränderungen auftreten und warum sie bei manchen Kindern zur Erkrankung führen, bei anderen nicht, ist unbekannt. Nach heutigem Wissen müssen verschiedene Faktoren zusammenwirken, damit ein Hodgkin-Lymphom entsteht.
Da die meisten Erkrankungsfälle innerhalb der weißen Bevölkerung auftreten, scheinen ethnologische und genetische Ursachen eine Rolle zu spielen. Bekannt ist auch, dass Kinder mit bestimmten angeborenen, auf Veränderungen im Erbgut beruhenden Erkrankungen des Immunsystems (zum Beispiel Wiskott-Aldrich-Syndrom, Louis-Bar-Syndrom) oder einem erworbenen Immundefekt (beispielsweise durch eine HIV-Infektion) ein erhöhtes Risiko haben, an einem Morbus Hodgkin zu erkranken. Erbliche Vorerkrankungen, die die Entwicklung eines Hodgkin-Lymphoms oder anderer Krebserkrankungen begünstigen, werden auch als Krebsprädispositionssyndrome bezeichnet.
Darüber hinaus scheint bei manchen Patienten eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EPS), dem Erreger des Pfeiffer-Drüsenfiebers, bei der Krankheitsentstehung von Bedeutung zu sein. Ob bestimmte Umweltgifte (zum Beispiel Pestizide) einen Einfluss auf die Entstehung eines Hodgkin-Lymphoms haben, ist Gegenstand von Untersuchungen. Bei den meisten Patienten sind allerdings keine krankheitsbegünstigenden Faktoren bekannt.
Symptome
Morbus Hodgkin beginnt schleichend. Erstes Krankheitszeichen (Symptom) sind meist ein oder mehrere vergrößerte Lymphknoten, die sehr langsam wachsen und in der Regel keine Schmerzen verursachen. Vergrößerte Lymphknoten können im Hals- und Nackenbereich (häufigster Sitz), in den Achselhöhlen, in der Schlüsselbeingrube (über dem tastbaren Schlüsselbein), in den Leisten oder an mehreren Stellen gleichzeitig festgestellt werden.
Die Krankheit kann auch in Lymphknotenregionen beginnen, die von außen nicht sichtbar oder tastbar sind, zum Beispiel hinter dem Brustbein oder im Bauch- und/oder Beckenraum, dort beispielsweise entlang der Wirbelsäule. Sind Lymphknoten im Brustraum betroffen, zum Beispiel im so genannten Mediastinum, dem Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, kann es durch den zunehmenden Druck auf die dort liegenden Organe (Lunge, Luftröhre) zu Reizhusten oder Atemnot kommen.
Befallene Lymphknoten im Ober- oder Unterbauch können Schmerzen, Druckgefühl oder Durchfälle verursachen. Seltener sind Milz und Leber durch den Befall mit Lymphomzellen vergrößert (Splenomegalie bzw. Hepatomegalie). Wenn das Knochenmark befallen ist, kann auch die Zahl der roten Blutzellen erniedrigt sein, was zu einer Anämie führen kann. Dies kommt jedoch nur sehr selten vor. Ein Skelettbefall kann Knochenschmerzen hervorrufen.
Daneben können allgemeine (unspezifische) Krankheitssymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Mattigkeit und Juckreiz auftreten. Die drei erstgenannten Symptome kommen bei Patienten mit einem Hodgkin-Lymphom häufig gemeinsam vor und werden als B-Symptome bezeichnet.
Die häufigsten Symptome sind in der folgenden Übersicht zusammengefasst.
Allgemeinsymptome
- Fieber unklarer Ursache (über 38°C, anhaltend oder wiederholt auftretend) [B-Symptom]
- starker Nachtschweiß [B-Symptom]
- unerklärbarer Gewichtsverlust (mehr als 10 % innerhalb von sechs Monaten) [B-Symptom]
- Müdigkeit, allgemeine Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit, Appetitlosigkeit, Krankheitsgefühl, Schmerzen
- Starker Juckreiz am ganzen Körper
Spezifische Symptome
- Bei über 90 Prozent der Patienten: schmerzlose, tastbare, oberflächliche Lymphknotenschwellungen, zum Beispiel im Hals- und Nackenbereich, in den Achselhöhlen, in der Schlüsselbeingrube, in den Leisten oder an mehreren Stellen gleichzeitig
- Chronischer Husten, Atembeschwerden: bei Befall von Brustlymphknoten, Lunge oder Rippenfell
- Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Druckgefühl oder Durchfall: bei Befall von Lymphknoten oder anderen Organen im Bauchraum, zum Beispiel Milz und Leber
- Hautblässe durch Mangel an roten Blutzellen (Anämie): bei Befall des Knochenmarks
- Knochen- oder Gelenkschmerzen: bei Befall der Knochen
Die Krankheitszeichen eines Morbus Hodgkin entwickeln sich meist relativ langsam, das heißt im Laufe von Wochen oder Monaten. Sie können individuell sehr verschieden beziehungsweise unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Gut zu wissen: Das Auftreten eines oder mehrerer dieser Krankheitszeichen muss nicht bedeuten, dass ein Hodgkin-Lymphom vorliegt. Viele dieser Symptome können auch bei vergleichsweise harmlosen Infektionen und Erkrankungen auftreten, die mit einem Hodgkin-Lymphom nichts zu tun haben. Vor allem bei Kindern beruhen Lymphknotenschwellungen meist auf Infekten, insbesondere mit Viren. Bei Beschwerden (zum Beispiel anhaltendem Husten) ist es jedoch ratsam, so bald wie möglich einen Arzt zu konsultieren, um deren Ursache zu klären.
Diagnose
Findet der (Kinder-) Arzt durch Krankheitsgeschichte (Anamnese) und körperliche Untersuchung, möglicherweise auch durch eine Blut-, Ultraschall- und/oder Röntgenuntersuchung Hinweise auf ein Hodgkin-Lymphom, wird er den Patienten in ein Krankenhaus überweisen, das auf Krebs- und Bluterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist (Klinik für pädiatrische Onkologie/Hämatologie). Denn bei Verdacht auf Morbus Hodgkin sind umfangreiche Untersuchungen notwendig, zunächst um die Diagnose zu sichern, dann aber auch um festzustellen, um welche Form des Hodgkin-Lymphoms es sich handelt und wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat (so genannte „Staging“-Untersuchungen).
Gewebeentnahme
Die Diagnosestellung erfolgt in erster Linie durch die Entnahme und Untersuchung eines befallenen Lymphknotens oder eines anderen befallenen Gewebes (Biopsie). Die feingewebliche (histologische), immunhistochemische und, wenn möglich, molekulargenetische Untersuchung der Gewebeproben erlaubt eine genaue Aussage darüber, ob und, wenn ja, an welcher Form des Hodgkin-Lymphoms der Patient erkrankt ist. Die Kenntnis des Hodgkin-Typs kann bei der Behandlungsplanung eine Rolle spielen.
Untersuchungen zur Ausbreitung der Erkrankung (Staging)
Liegt tatsächlich ein Morbus Hodgkin vor, so ist es für die Behandlungsplanung wichtig zu wissen, wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat und welche Organe betroffen sind. Auskunft darüber geben verschiedene bildgebende Verfahren wie die Ultraschall- und Röntgenuntersuchung, die Magnetresonanztomographie (MRT), die Computertomographie (CT) und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET).
Die Ganzkörper-PET erfolgt standardmäßig immer in Kombination mit einer CT [kurz: PET-CT] und/oder einer MRT [kurz: PET-MRT]. Aufgrund der geringeren Strahlenbelastung wird bevorzugt die MRT eingesetzt, für die Untersuchung der Lunge und/oder eine rasche Beurteilung des Krankheitsstadiums ist jedoch eine CT unabdingbar. Da die PET-Untersuchung auch einen möglichen Befall des Knochenmarks erfasst, kann inzwischen auf die Knochenmarkstanzbiopsie verzichtet werden, die bis vor einiger Zeit in fortgeschrittenen Krankheitsstadien erforderlich war. In Einzelfällen kann bei Verdacht auf einen Knochenbefall eine Skelett-Szintigraphie erfolgen (zum Beispiel, wenn die Ganzkörper-MRT oder PET-MRT keinen zweifelsfreien Befund ergibt).
Gut zu wissen: PET/MRT und/oder PET/CT sind sowohl wesentlich zur Bestimmung des Stadiums eines Hodgkin-Lymphoms als auch im weiteren Verlauf zur Überprüfung des Ansprechens der Erkrankung auf die Behandlung. Der Vorteil der PET gegenüber anderen bildgebenden Verfahren ist, dass sie die Stoffwechselaktivität des Gewebes erfasst und somit ausschließlich lebendes Tumorgewebe sichtbar macht (siehe auch Kapitel „Therapieplanung“).
Untersuchungen vor Therapiebeginn
Behandlungsvorbereitend erfolgt eine Überprüfung der Herzfunktion (Elektrokardiographie [EKG] und Echokardiographie). Umfangreiche Laboruntersuchungen dienen dazu, den Allgemeinzustand des Patienten zu überprüfen und festzustellen, ob durch das Hodgkin-Lymphom die Funktionen einzelner Organe (zum Beispiel Nieren, Leber und Lunge) beeinträchtigt sind oder Stoffwechselstörungen vorliegen, die vor oder während der Behandlung besonders berücksichtigt werden müssen. Auch Hormonuntersuchungen werden durchgeführt. Veränderungen, die möglicherweise im Laufe der Therapie auftreten, können aufgrund solcher Ausgangsbefunde besser beurteilt werden. Im Hinblick auf eventuell notwendig werdende Bluttransfusionen muss eine Bestimmung der Blutgruppe erfolgen.
Gut zu wissen: Nicht alle Untersuchungen sind bei jedem Patienten notwendig. Andererseits können eventuell Untersuchungen hinzukommen, die hier nicht erwähnt wurden. Ihr Behandlungsteam wird Sie darüber informieren, welche diagnostischen Verfahren bei Ihnen beziehungsweise Ihrem Kind zur Therapieplanung erforderlich sind.
Therapieplanung
Nachdem die Diagnose feststeht, erfolgt die Therapieplanung. Um eine möglichst individuelle, auf den Patienten zugeschnittene (risikoadaptierte) Behandlung durchführen zu können, berücksichtigt das Behandlungsteam bei der Planung bestimmte Faktoren, die die Prognose des Patienten beeinflussen (so genannte Risiko- oder Prognosefaktoren).
Wichtige Prognosefaktoren und somit auch wichtige Kriterien bei der Behandlungsplanung sind:
- Feingewebliche Form (Subtyp) des Hodgkin-Lymphoms: Sie entscheidet darüber, nach welchem Therapieprotokoll der Patient behandelt wird.
- Krankheitsstadium: Die Ausbreitung der Erkrankung in- und außerhalb des lymphatischen Gewebes und das Vorhandensein (oder Nicht-Vorhandensein) weiterer stadiendefinierender Faktoren (B-Symptome, erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, große Tumormasse) sind ausschlaggebend dafür, welchem Therapielevel der Patient zugeordnet wird. Derzeit werden drei Therapielevel unterschieden, zugeschnitten auf Patienten mit frühen, mittleren und fortgeschrittenen Krankheitsstadien. In den verschiedenen Therapieleveln ist die Behandlung unterschiedlich intensiv. Auf diese Weise können die Heilungschancen auch bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung noch positiv beeinflusst werden.
- Ansprechen der Erkrankung auf die Chemotherapie: Die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit der ein Hodgkin-Lymphom auf die Behandlung anspricht, ist ein wichtiges Kriterium vor allem dafür, ob eine Strahlentherapie erforderlich ist oder nicht. Ein frühes, spätes oder generell unbefriedigendes Ansprechen wird mittels Positronen-Emission-Tomographie und anhand einer 5-Punkte-Skala (Deauville-Score 1-5) bewertet.
Im Anschluss finden Sie die wichtigsten Informationen zur feingeweblichen Einteilung der Hodgkin-Lymphome sowie zu den Krankheitsstadien. Ausführliche Informationen zu allen Kriterien der Therapieplanung erhalten Sie in unserem ausführlichen Patiententext.
Formen des Hodgkin-Lymphoms
Hodgkin-Lymphome lassen sich anhand bestimmter morphologischer und immunhistochemischer Merkmale in verschiedene Unterformen einteilen. Fachleute nennen diese Einteilung „Klassifikation“. Die internationale WHO-Klassifikation unterscheidet bei Kindern und Jugendlichen fünf Formen des Hodgkin-Lymphoms. Vier davon werden unter dem Begriff „klassisches Hodgkin-Lymphom“ zusammengefasst.
- Noduläres Lymphozyten-prädominantes Hodgkin-Lymphom (NLPHL)
- Klassisches Hodgkin-Lymphom (cHL):
- Nodulär-sklerosierender Typ (NS)
- Lymphozytenreicher Typ (LR)
- Mischtyp (MC)
- Lymphozytenarmer Typ (LD)
Die verschiedenen Formen des Hodgkin-Lymphoms treten unterschiedlich häufig auf und weisen zum Teil auch Unterschiede im Krankheitsverlauf und in ihrer Heilbarkeit auf. Das gilt insbesondere für das Noduläre Lymphozyten-prädominante Hodgkin-Lymphom, das etwa 10 % der Erkrankungsfälle ausmacht: Es wird mittlerweile als eigenes Krankheitsbild betrachtet und nach anderen Therapieplänen behandelt als das klassische Hodgkin-Lymphom. In den westlichen Ländern kommt der nodulär-sklerosierende Typ mit fast 70 % allerdings am häufigsten vor, gefolgt vom Mischtyp. Die beiden anderen Formen sind bei Kindern und Jugendlichen seltener.
Krankheitsstadien
Für die Behandlungsplanung und die Abschätzung der Therapieaussichten ist das Krankheitsstadium des Patienten von entscheidender Bedeutung. Es wird in erster Linie danach festgelegt, wie weit sich das Hodgkin-Lymphom zum Zeitpunkt der Diagnose im Körper ausgebreitet hat: Wichtig sind dabei Ort und Anzahl der befallenen Lymphknotenregionen. Darüber hinaus wird berücksichtigt, ob Organe und Gewebe außerhalb des lymphatischen Systems befallen sind. Ein solcher „extranodaler Befall“ wird als E-Stadium bezeichnet, wenn sich – ausgehend von der (oder den) befallenen Lymphknotenregion(en) – das Lymphom auf ein einzelnes, benachbartes nicht-lymphatisches Organ oder Gewebe ausgebreitet hat (so genannter Durchwanderungsbefall).
Darüber hinaus wird berücksichtigt, ob Organe und Gewebe außerhalb des lymphatischen Systems befallen sind. Ein solcher „extranodaler Befall“ wird als E-Stadium bezeichnet, wenn sich – ausgehend von der (oder den) befallenen Lymphknotenregion(en) – das Lymphom auf ein einzelnes, benachbartes nicht-lymphatisches Organ oder Gewebe ausgebreitet hat (so genannter Durchwanderungsbefall).
Der Morbus Hodgkin wird nach der aktualisierten Ann-Arbor-Klassifikation in vier Haupt-Krankheitsstadien (I-IV) eingeteilt (siehe Tabelle im Anschluss).
|
Krankheitsstadien |
Definition |
|---|---|
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Stadium I |
Befall einer einzelnen Lymphknotenregion (Stadium I) oder Befall einer einzelnen Lymphknotenregion mit zusätzlicher Ausbreitung auf ein einzelnes benachbartes, nicht-lymphatisches Organ, zum Beispiel Brustwand, Herzbeutel, Lunge (Stadium IE) |
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Stadium II |
Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf einer Seite des Zwerchfells (Stadium II) oder Befall einer oder mehrerer Lymphknotenregionen auf derselben Seite des Zwerchfells mit zusätzlicher Ausbreitung auf ein einzelnes benachbartes, nicht-lymphatisches Organ, zum Beispiel Brustwand, Herzbeutel, Lunge (Stadium IIE) |
|
Stadium III |
Befall von Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells (Stadium III) oder Befall von Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells mit zusätzlicher Ausbreitung auf ein einzelnes, benachbartes nicht-lymphatisches Organ (Stadium IIIE) und/oder einem Befall der Milz (Stadien IIIES bzw. IIIS) |
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Stadium IV |
Ausgedehnter Befall von einem oder mehreren nicht-lymphatischen Organen oder Geweben (zum Beispiel Lunge, Leber, Knochen, Knochenmark) mit oder ohne Befall von (entfernten) Lymphknoten |
E steht für extranodal = außerhalb des Lymphknotens liegend und kennzeichnet einen Befall von nicht-lymphatischen Organen/Geweben (ausgehend von der betroffenen Lymphknotenregion).
S steht für spleen (englisch für Milz) und kennzeichnet einen Befall der Milz.
Jedes der vier oben genannten Krankheitsstadien wird in A- oder B-Kategorien unterteilt:
A: bei Fehlen von Allgemeinsymptomen
B: bei folgenden Allgemeinsymptomen (B-Symptomen):
- unerklärlicher Gewichtsverlust von mehr als 10 % innerhalb von sechs Monaten und/oder
- andauerndes oder wiederholt auftretendes Fieber (drei Tage hintereinander über 38°C) unklarer Ursache und/oder
- starker Nachtschweiß (zum Beispiel nasses Haar, durchnässter Pyjama)
Liegen B-Symptome vor, wird an das jeweilige Krankheitsstadium ein B angehängt, ansonsten ein A (zum Beispiel IB oder IA).
Weitere Kriterien der Stadienbestimmung: Neben E-Stadien und B-Symptomen werden zwei weitere wichtige Faktoren berücksichtigt, um das Krankheitsstadium und somit die Therapie genauer festzulegen: erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (ESR) und große Tumormasse (englisch: "bulky disease", kurz "bulk").
Gut zu wissen: Das Vorliegen von E-Stadien und/oder B-Symptomen, eine über eine bestimmte Größe hinausgehende zusammenhängende Tumormasse oder eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit beeinflussen den Verlauf der Erkrankung ungünstig. Patienten, die davon betroffen sind, müssen aus diesem Grund intensiver behandelt werden als Patienten ohne diese Risikofaktoren, das heißt, sie werden einem entsprechend höheren Therapielevel zugeordnet (mehr dazu siehe hier).
Behandlung
Die Behandlung eines Patienten mit Hodgkin-Lymphom muss in einer kinderonkologischen Behandlungseinrichtung erfolgen. Dort ist das hoch qualifizierte Fachpersonal (Ärzte, Fachpflegekräfte) auf die Behandlung krebskranker Kinder spezialisiert und mit den modernsten Therapieverfahren vertraut. Die Ärzte dieser Klinikabteilungen stehen in fachorientierten Arbeitsgruppen in ständiger, enger Verbindung miteinander und behandeln ihre Patienten nach gemeinsam entwickelten und stetig weiter verbesserten Therapieplänen. Ziel der Behandlung von Patienten mit Morbus Hodgkin ist, eine hohe Heilungsrate bei möglichst geringen Nebenwirkungen und Spätfolgen zu erreichen.
Behandlungsmethoden
Zu den Behandlungsmethoden, die bei einem Hodgkin-Lymphom in Frage kommen, gehören die Chemotherapie, die Strahlentherapie und die Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation.
- Im Mittelpunkt der Behandlung steht in aller Regel die Chemotherapie (siehe hierzu Besonderheiten beim NLPHL). Man versteht darunter eine Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die das Zellwachstum hemmen. Da ein einzelnes Medikament nicht ausreicht, um alle Lymphomzellen zu vernichten, werden Kombinationen verschiedenartig wirkender Zytostatika eingesetzt (Polychemotherapie). Auf diese Weise soll die größtmögliche Wirkung gegen die bösartigen Zellen erzielt werden.
- Bei einem Teil der Patienten schließt sich an die Chemotherapie eine niedrig dosierte Bestrahlung der befallenen Regionen an. Sowohl eine herkömmliche Strahlentherapie mit Photonen als auch eine Protonentherapie) können in Frage kommen. In den vergangenen Jahren wurde der Einsatz der Strahlentherapie stetig reduziert, um strahlenbedingte Langzeitfolgen so gering wie möglich zu halten. Inzwischen werden Patienten nur noch unter bestimmten Voraussetzungen bestrahlt, beispielsweise wenn die Erkrankung nicht gut genug auf die Chemotherapie anspricht.
- Selten, zum Beispiel, wenn die übliche chemo- und strahlentherapeutische Behandlung nicht ausreichend Wirkung zeigt oder bei einem Krankheitsrückfall, kann darüber hinaus eine hoch dosierte Chemotherapie (Hochdosis-Chemotherapie in Betracht kommen. Die verabreichte Zytostatikadosis ist bei dieser Therapie so hoch, dass auch widerstandsfähige Lymphomzellen im Körper abgetötet werden. Da dabei auch das blutbildende System im Knochenmark zerstört wird, müssen im Anschluss Blutstammzellen übertragen (transplantiert) werden. In der Regel werden diese dem Patienten vor der Hochdosistherapie aus Knochenmark oder Blut entnommen und nach Abschluss der Behandlung wieder übertragen (so genannte autologe Stammzelltransplantation).
Gut zu wissen: Die Intensität und Dauer der Chemotherapie, die Notwendigkeit einer Bestrahlung oder einer Stammzelltransplantation sowie die Prognose der Erkrankung richten sich vor allem danach, wie weit sich die Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose im Körper ausgebreitet hat (Krankheitsstadium) und wie die Krankheit auf die Therapie anspricht. Die Form des Hodgkin-Lymphoms spielt bei der Behandlungsplanung nur eine untergeordnete Rolle (siehe Ausnahme NLPHL im Anschluss).
Behandlungempfehlung: Klassisches Hodgkin-Lymphom
Im Folgenden werden die Behandlung und verschiedene Behandlungsabläufe bei Patienten mit klassischem Hodgkin-Lymphom vorgestellt. Die folgenden Inhalte basieren auf den aktuellen Therapieempfehlungen der GPOH-HD-Studienkommission, die sich an den Ergebnissen der zuletzt durchgeführten Therapieoptimierungsstudie (EuroNet-PHL-C2) orientieren. Wichtige Behandlungselemente sind die Chemotherapie und die Strahlentherapie. Sofern eine Bestrahlung erforderlich ist, findet diese nach Abschluss der Chemotherapie statt. Die Entscheidung für oder gegen eine Strahlentherapie hängt vom Therapieansprechen ab (siehe unten).
Chemotherapie
Die chemotherapeutische Behandlung besteht beim klassischem Hodgkin-Lymphom prinzipiell aus mehreren Therapiezyklen (Chemotherapieblöcken). Die Zahl der Zyklen und somit die Dauer und Intensität der Behandlung richten sich in erster Linie nach dem Krankheitsstadium des Patienten und infolgedessen nach dem Therapielevel (TL), in dem er behandelt wird. In der Regel erhalten:
- Patienten in frühen Krankheitsstadien (TL 1): zwei oder drei Chemotherapiezyklen
- Patienten in mittleren Krankheitsstadien (TL 2): vier Chemotherapiezyklen
- Patienten mit fortgeschrittenen Krankheitsstadien (TL 3): sechs Chemotherapiezyklen
Jeder Therapieblock dauert zwei bis vier Wochen. In den verschiedenen Therapieblöcken werden zum Teil unterschiedliche Medikamentenkombinationen verabreicht: In den ersten beiden Blöcken (Induktionstherapie genannt) sind die Zytostatika Vincristin, Etoposid, Prednison und Adriamycin (Doxorubicin) (kurz: OEPA) der Standard.
In allen weiteren Blöcken (sogenannte Konsolidierungstherapie) wird entweder die bewährte Kombination aus vier Zytostatika (Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison und Dacarbazin, kurz: COPDAC) oder eine etwas intensivere Therapie aus sechs Zytostatika (Doxorubicin, Etoposid, Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison und Dacarbazin; kurz: DECOPDAC) gegeben. Letztere kann nach aktuellen Studienergebnissen besonders in fortgeschrittenen Krankheitsstadien dazu beitragen, die Notwendigkeit einer Strahlentherapie zu verringern. COPDAC wird in einem 28-Tage-Zyklus, DECOPDAC in einem 21-Tage-Zyklus verabreicht.
Zwischen den einzelnen Blöcken liegen etwa zweiwöchige Behandlungspausen. Die Gesamtdauer der Chemotherapie beträgt zwei bis sechs Monate, vorausgesetzt, es tritt im Laufe oder nach Abschluss der Therapie kein Rückfall auf.
Strahlentherapie
Im Rahmen der aktuellen Therapieempfehlung erfolgt bei weniger als etwa der Hälfte der Patienten im Anschluss an die Chemotherapie eine Strahlentherapie. Ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen eine Bestrahlung ist nicht mehr (wie es bis vor einiger Zeit der Fall war) das Krankheitsstadium des Patienten, sondern das Ansprechen der Erkrankung auf die Chemotherapie. Unterschieden wird dabei ein frühes Ansprechen (nach der Induktionstherapie) und ein spätes Ansprechen (nach der Konsolidierung).
Als Standard-Therapieempfehlung gilt aktuell:
- Patienten, die nach zwei Chemotherapieblöcken bei einer Untersuchung mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ein gutes frühes Ansprechen der Erkrankung zeigen, erhalten keine Strahlentherapie. Dabei spielt es keine Rolle, zu welcher Therapiegruppe (Therapielevel) der Patient gehört, also wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten war.
- Patienten, deren Erkrankung sowohl auf die ersten beiden Chemotherapieblöcke als auch auf weitere -blöcke (Konsolidierungstherapie) unbefriedigend anspricht, werden nach Abschluss der Chemotherapie bestrahlt.
Gutes Ansprechen“ bedeutet, dass ein zum Zeitpunkt der Diagnose vorhandener Tumor keine lebenden Tumorzellen mehr enthält, also PET-negativ ist, und sich sein Volumen um mindestens 50 % verkleinert hat.
Die Strahlentherapie beginnt in der Regel etwa zwei Wochen nach Ende der gesamten Chemotherapie, abhängig vom Therapielevel (TL) also nach zwei, vier oder sechs Chemotherapiezyklen. Die Bestrahlung kann auf die zum Zeitpunkt der Diagnose befallenen Lymphknoten-/Körperregionen und/oder auf die nach Abschluss der Chemotherapie noch stoffwechselaktiven (PET-positiven) Regionen erfolgen; die Entscheidung im Einzelfall hängt wiederum vom Therapielevel und von der Art der zuvor gegebenen Chemotherapie ab.
Die Gesamtstrahlendosis beträgt etwa 20–30 Gray (Gy), empfindliche Organe erhalten geringere Strahlendosen. Um das gesunde Gewebe in der Umgebung zu schonen, wird die Gesamtdosis nicht in einmaliger Behandlung verabreicht, sondern in kleinen Portionen von maximal 1,8 Gy eingestrahlt. Die Behandlungszeit erstreckt sich auf zwei bis drei Wochen pro Bestrahlungsserie, die Wochenenden bleiben in der Regel bestrahlungsfrei.
Behandlungsablauf bei Patienten im Therapielevel 1
Patienten, die dem Therapielevel 1 zugeordnet sind, erhalten als Teil der Induktionstherapie zwei Chemotherapiezyklen mit den Zytostatika Vincristin, Etoposid, Prednison und Adriamycin (Doxorubicin) (kurz: OEPA). Bei gutem (frühen) Therapieansprechen erfolgt anschließend eine Konsolidierungstherapie aus einem Zyklus COPDAC-28 (Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison und Dacarbazin über eine Dauer von 28 Tagen).
Patienten mit unzureichendem frühen Therapieansprechen erhalten anstelle der Konsolidierungs-Chemotherapie eine Bestrahlung (mit 19,8 Gy) auf alle zum Zeitpunkt der Diagnose befallenen Regionen. Bei manchen Patienten kann im Anschluss, abhängig vom Therapieansprechen, eine weitere Bestrahlung (Boost von 10 Gy) auf noch stoffwechselaktive (PET-positive) Tumorreste erfolgen. Gut zu wissen: Im Therapielevel 1 bedürfen über 90 % der Patienten keiner Strahlentherapie.
Behandlungsablauf bei Patienten im Therapielevel 2
Patienten im Therapielevel 2 erhalten zunächst zwei Chemotherapiezyklen OEPA (Vincristin, Etoposid, Prednison und Adriamycin (Doxorubicin)). Bei gutem (frühen) Therapieansprechen folgt im Anschluss eine Konsolidierungstherapie aus entweder zwei Zyklen COPDAC-28 (Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison und Dacarbazin, über je 28 Tage) oder zwei Zyklen DECOPDAC-21 (Doxorubicin, Etoposid, Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison und Dacarbazin, über je 21 Tage). Beide Konsolidierungstherapien sind in diesem Fall gute Behandlungsoptionen; die Entscheidung wird gemeinsam mit den Patienten und Sorgeberechtigten getroffen.
Patienten, deren Therapieansprechen nach der Induktionstherapie unzureichend ist, erhalten zwei Zyklen DECOPDAC-21 als Konsolidierungsbehandlung. Wird dadurch noch ein gutes (spätes) Therapieansprechen erreicht, ist die Behandlung beendet. Ist auch das späte Therapieansprechen unbefriedigend, erfolgt eine Bestrahlung (mit 28,9 Gy) auf die nach wie PET-positiven, also stoffwechselaktiven Tumorreste.
Behandlungsablauf bei Patienten im Therapielevel 3
Patienten im Therapielevel 3 erhalten nach der Induktionstherapie aus zwei Chemotherapiezyklen OEPA (Vincristin, Etoposid, Prednison und Adriamycin (Doxorubicin)) im Falle eines guten (frühen) Therapieansprechens eine Konsolidierungstherapie aus vier Zyklen DECOPDAC-21 (Doxorubicin, Etoposid, Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison und Dacarbazin, 21-Tage-Zyklus).
Patienten, deren Therapieansprechen nach der Induktionstherapie unzureichend ist, erhalten zwei Zyklen DECOPDAC-21 als Konsolidierungsbehandlung. Wird dadurch noch ein gutes (spätes) Therapieansprechen erreicht, ist die Behandlung beendet; eine Bestrahlung ist nicht vorgesehen. Ist auch das späte Therapieansprechen unbefriedigend, erfolgt eine Bestrahlung (mit 28,9 Gy) auf die nach wie PET-positiven, also stoffwechselaktiven Tumorreste.
Behandlungsempfehlung: Noduläres Lymphozyten-prädominantes Hodgkin-Lymphom
Bei Kindern und Jugendlichen mit einem Nodulären Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphom gibt es gewisse Therapieabweichungen:
Anders als beim klassischen Hodgkin-Lymphom ist es bei diesem Typ in einem frühen Stadium der Erkrankung (IA oder IIA) möglich, auf eine Chemotherapie (und Bestrahlungsbehandlung) zu verzichten – vorausgesetzt, es ist nur ein einzelner Lymphknoten befallen und er kann ohne Gefährdung oder Verstümmelung des Patienten komplett (das ist sehr wichtig!) operativ entfernt werden. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass etwa zwei Drittel dieser Patienten auch ohne Chemo- und Strahlentherapie gesund werden. Die Patienten werden aber weiterhin regelmäßig untersucht und der Krankheitsverlauf genau überwacht (so genannte Beobachtungsstrategie). Tritt die Krankheit erneut auf, erfolgt eine Behandlung.
Patienten im Stadium IA mit Resttumor und Patienten im Stadium IIA erhalten – ebenfalls im Unterschied zum klassischen Hodgkin-Lymphom – zunächst eine milde Chemotherapie (aus Cyclophosphamid, Vinblastin und Prednisolon, kurz CVP). Die Notwendigkeit weiterer Therapiemaßnahmen hängt davon ab, wie gut die Erkrankung auf diese Chemotherapie anspricht. Bei gutem Ansprechen ist die Behandlung beendet. Bei ungünstigem Ansprechen schließen sich zwei weitere Chemotherapieblöcke (OEPA-Kombination mit Vincristin, Etoposid, Prednison und Adriamycin (Doxorubicin)) an, bei weiterhin ungenügendem Ansprechen zusätzlich eine Strahlentherapie auf die zum Zeitpunkt der Diagnose befallenen Körperregionen (19,8 Gy).
Für Patienten mit weiter fortgeschrittener Erkrankung (Stadium III-IV) ist eine Behandlung wie beim klassischen Hodgkin-Lymphom vorgesehen, das heißt, es werden im Anschluss an die Induktionstherapie zwei beziehungsweise vier Zyklen COPDAC-28, in bestimmten Fällen auch DECOPDAC-21 verabreicht (siehe Kapitel „Behandlungsempfehlung: Klassisches Hodgkin-Lymphom“). In Einzelfällen kann ergänzend zur Standardtherapie der monoklonale Antikörper Rituximab eingesetzt werden. Bei schlechtem (frühen und vor allem spätem) Therapieansprechen wird eine konsolidierende Strahlentherapie empfohlen (siehe "Klassisches Hodgkin-Lymphom").
Gut wissen: Die Mehrheit (über 80 bis 85 %) der Patienten mit nodulärem Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphom wird im Stadium IA oder IIA diagnostiziert.
Therapieoptimierungsstudien und Register
Fast alle Kinder und Jugendliche mit einem Hodgkin-Lymphom werden in Deutschland im Rahmen von Therapieoptimierungsstudien oder Registern behandelt. Therapieoptimierungsstudien sind kontrollierte klinische Studien, die das Ziel haben, erkrankte Patienten nach dem jeweils aktuellsten Wissensstand zu behandeln und gleichzeitig die Therapiemöglichkeiten zu verbessern und weiter zu entwickeln. Da viele Behandlungszentren beteiligt sind, spricht man auch von „multizentrischen“ Studien.
Patienten, die an keiner Studie teilnehmen, entweder weil zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung keine Studie verfügbar ist oder weil sie die Einschlusskriterien einer bestehenden Studie nicht erfüllen, werden oft in einem so genannten Register dokumentiert. Die Behandlung erfolgt generell nach den Therapieempfehlungen der Studienzentrale. Auf diese Weise erhält der Patient die zu diesem Zeitpunkt verfügbare optimale Therapie.
Zwei große internationale Studien wurden vor einiger Zeit abgeschlossen: die Studie EuroNet-PHL-C2 für Patienten mit neu diagnostiziertem klassischem Hodgkin-Lymphom und die Studie EuroNet-PHL-LP1 für Patienten mit einem frühen Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphom. Zurzeit gibt es in Deutschland keine offene Therapieoptimierungsstudie für Patienten mit Hodgkin-Lymphom. Alle Patienten können jedoch in das Register GPOH-HD 2020 gemeldet werden.
Register GPOH-HD 2020
Das internationale Register GPOH-HD 2020 der Hodgkin-Studiengruppe wurde am 01.10.2020 mit dem Ziel eröffnet, die optimale Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Hodgkin-Lymphom auch in den Phasen ohne klinische Studien sicherzustellen. Aufgenommen werden Patienten mit Ersterkrankung oder Rezidiv eines klassischen Hodgkin-Lymphoms (cHL) oder eines Nodulären Lymphozyten-prädominanten Hodgkin-Lymphoms (NLPHL). Auch Patienten bisheriger Studien können in das Register eingeschlossen werden. Die Studienzentrale stellt Therapieempfehlungen bereit, die sich an den Ergebnissen der zuletzt aktiven Studien EuroNet-PHL-C2 beziehungsweise EuroNet-PHL-LP1 orientieren (siehe Kapitel „Behandlung")
Die internationale und deutsche Studienzentrale für das Register befindet sich am Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin der Universitätsklinik Gießen. Studienleiter ist Prof. Dr. med. Dieter Körholz.
Prognose
Heilungsaussichten bei Patienten mit Ersterkrankung
Die Heilungsaussichten (Prognose) von Kindern und Jugendlichen, die erstmalig an einem Hodgkin-Lymphom erkranken, sind sehr gut. 97–98 % aller Patienten, das heißt mehr als neun von zehn Patienten mit dieser Krankheit, können dank der heute eingesetzten modernen Untersuchungsmethoden und intensiven standardisierten Kombinationstherapien langfristig geheilt werden – unabhängig davon, wie weit die Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten ist.
Die gute Prognose ist allerdings nur dadurch möglich, dass die Behandlungsintensität (Zahl der Chemotherapiezyklen, Strahlentherapie) – im Rahmen der verschiedenen Therapiegruppen – ganz spezifisch auf die jeweilige Krankheitssituation des Patienten abgestimmt wird. Patienten mit weiter fortgeschrittener Erkrankung (Therapiegruppe II und III) bedürfen einer intensiveren Therapie als Patienten mit frühen Krankheitsstadien (Therapiegruppe I), damit sie eine vergleichbar gute Prognose haben.
Heilungsaussichten bei Patienten mit Krankheitsrückfall
Bei etwa 11 % der Patienten (unter 18 Jahren) mit Hodgkin-Lymphom kommt es – nach Angaben der Morbus-Hodgkin-Studienzentrale (Gießen) – zu einem Krankheitsrückfall (Rezidiv) oder einem Fortschreiten der Erkrankung trotz Behandlung (Tumorprogression). In der Regel können auch im Rezidivfall noch gute langfristige Behandlungsergebnisse und Heilungen erreicht werden. Die Prognose für den einzelnen Patienten hängt allerdings in erster Linie davon ab, zu welchem Zeitpunkt das Rezidiv auftritt und wie intensiv die Behandlung bei der Ersterkrankung war:
Patienten, die erst spät einen Rückfall erleiden (das heißt später als 1 Jahr nach Therapieende) haben mit einer zweiten Chemo- und Strahlentherapie eine sehr gute Heilungschance (10-Jahres-Überlebensraten von über 90 %). Eine gute Prognose haben auch Patienten, deren Erkrankung sich zum Zeitpunkt der Erstdiagnose noch in einem frühen Stadium befand (Patienten der Therapiegruppe 1) und/oder die während der Erstbehandlung noch keine Strahlentherapie erhalten haben.
Weniger günstige Heilungschancen mit einer konventionellen Chemo- und Strahlentherapie haben Patienten mit einem Frührezidiv (Rezidivauftreten zwischen drei und zwölf Monaten nach Therapieende) sowie Patienten, deren Erkrankung auf die Erstbehandlung nicht anspricht oder sogar fortschreitet (10-Jahres-Überlebensraten von circa 75 beziehungsweise 50 %). Ähnliches gilt auch für Patienten, die bereits im Rahmen der Erstbehandlung aufgrund ihres fortgeschrittenen Krankheitsstadiums eine sehr intensive Chemo- und Strahlentherapie erhalten haben. Bei diesen Patienten besteht aufgrund des hohen Rückfallrisikos oft nur eine gute Aussicht auf Heilung, wenn eine besonders intensive Form der Therapie (Hochdosis-Chemotherapie und autologe Stammzelltransplantation) durchgeführt wird.
Anmerkung: Bei den genannten Heilungsraten handelt es sich um statistische Größen. Sie stellen für eine große Gruppe der an einem Hodgkin-Lymphom erkrankten Kinder und Jugendlichen eine wichtige und zutreffende Aussage dar. Ob der einzelne Patient geheilt werden kann oder nicht, lässt sich individuell nicht zutreffend vorhersagen. Jedoch stellt hier die Statistik eine wichtige Abschätzung der Heilungs-Wahrscheinlichkeit dar.
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PDF-Datei der Patienten-Kurzinformation zum Morbus Hodgkin (478KB)


