Aktuelle Mitteilungen

15. December 2015 - Verschiedenes

Protonentherapie von Krebserkrankungen im Kindesalter am Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen (WPE)

Das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen (WPE) hat im Mai 2013 den klinischen Betrieb aufgenommen (www.wpe-uk.de). Ein besonderer Schwerpunkt im WPE stellt die Behandlung von Kindern dar.

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Weil die Verfügbarkeit von Protonenanlagen heute noch limitiert ist, kommen die kleinen Patienten und ihre Familien nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus anderen europäischen sowie außereuropäischen Ländern für eine Bestrahlung am WPE angereist. So wurden schon Kinder u.a. aus Holland, Irland, Spanien, Großbritannien, Russland, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten behandelt. Eine begleitende, umfassende kinderonkologische Betreuung wird den Kindern während der meist etwa sechswöchigen Protonenbehandlung durch die hiesige Kinderklinik ermöglicht (Prof. D. Reinhard, Prof. G. Fleischhack). Hier können klinische Kontrollen, supportive Maßnahmen oder auch parallele Chemotherapien erfolgen. Vorherrschende Diagnosen der Kinder im WPE sind Tumoren des ZNS oder Knochen- bzw. Weichteilsarkome. Für die Unterbringung und eine Unterstützung in allen Lebenslagen sorgt sehr engagiert die Elterninitiative in Essen in ihrem
Elternhaus. Mittlerweile wurden über 150 Kinder am WPE mit Protonen behandelt. Seit diesem Jahr können auch regelmäßig Patienten zur Behandlung der kraniospinalen Achse am WPE aufgenommen werden. Die Therapien am WPE erfolgen üblicherweise im Rahmen der interdisziplinären Studien und Register der GPOH. Parallel führt das WPE auch ein eigenes prospektives Register für die Kinder zur Sammlung und Auswertung von Krankheits- und Therapie- bezogenen Daten und auch Nebenwirkungen. Weitere wissenschaftliche Projekte zur Lebensqualität und Endokrinologie sind in Planung.

Bei Kindern braucht es im klinischen Alltag viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen des Behandlungsteams, die kleinen Patienten zu betreuen, immer wieder zur Mithilfe zu bewegen oder positiv auf die Situation vorzubereiten. Bei kleinen Kindern ist oftmals eine bewusste Kooperation nicht möglich. Dann ist eine Sedierung während der Bestrahlung erforderlich. Dazu wird das WPE durch ein erfahrenes Anästhesieteam des AnästhesieNetzes Rhein-Ruhr ärztlich und pflegerisch unterstützt. Bis zu 15 Kinder in Narkose werden am WPE täglich behandelt. Ab einem Alter von etwa fünf Jahren verstehen die Kinder aber, dass sie sich während der Bestrahlung nicht bewegen dürfen. Die individuelle Unterstützung durch Kuscheltiere, Hörbücher, Musik oder Vorlesen ist hier hilfreich. Als Belohnung für die Therapie erhalten die Kinder nach jeder Behandlung eine Perle. 

Neben den Behandlungen der Kinder spielen auch die Beratungen von Kollegen und Familien eine große Rolle am WPE. Die Deutsche Kinderkrebsstiftung (DKKS)  unterstützt seit einigen Jahren, dass die Protonen- bzw. Partikeltherapie sinnvoll in die Therapiestudien implementiert wird, entsprechende Konzepte entwickelt werden und eine Beratung erfolgt, für wen und an welcher Art von Einrichtung so eine Therapie erfolgen sollte – und auch wie man eine Kostenzusage unterstützen kann. Mittlerweile werden über 300 Beratungen jährlich von Experten des WPE übernommen.

Da im Fach Strahlentherapie die Kinder aufgrund der relativen Seltenheit zahlenmäßig (!) eher eine kleine Rolle in den meisten Abteilungen spielen, nimmt das WPE als kinderstrahlentherapeutischer Schwerpunkt auch Aufgaben in der Fortbildung wahr. Regelmäßig hospitieren Ärzte, MTRAs
und Physiker aus ganz Europa bei uns. Für die deutsche Fachszene wurde 2012 die Fortbildung zum Thema „Strahlentherapie von Krebserkrankungen im Kindesalter” ins Leben gerufen – in Zusammenarbeit mit der APRO und DEGRO und wiederum unterstützt durch die DKKS. Dieses Jahr findet die mittlerweile 4. Fortbildungsveranstaltung hierzu am 3. und 4. Dezember 2015 (Save the Date!) in Essen statt. Die Fortbildung lebt von einem abwechslungsreichen Programm, das von vielen erfahrenen Experten im Bereich der Kinder-Strahlentherapie aus ganz Deutschland gestaltet wird. Auf interdisziplinärer Ebene werden die Besonderheiten und der aktuelle Stand der pädiatrischen Strahlentherapie präsentiert und diskutiert. Damit zielt die Fortbildung darauf ab, die adäquate und zielgruppenspezifische Betreuung unserer kleinen Patienten zu optimieren. Insbesondere der Austausch mit teilnehmenden Kinderonkologen und kinderonkologischen Fachpflegekräften ist besonders wertvoll. Weitere Informationen zur der Veranstaltung und Anmeldung finden Sie unter: www.kinderkrebsinfo.de/aktuelles/termine/index_ger.html

Prof. Dr. med. Beate Timmermann, beate.timmermann@uk-essen.de

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15. December 2015 - Verschiedenes

2 Millionen Euro zur Entwicklung neuer Therapieverfahren für Kinder mit Krebserkrankungen

Die Deutsche Krebshilfe fördert ein neues Verbundforschungsprojekt in der pädiatrischen Onkologie, das die Mechanismen des Wachstums von Tumorzellen untersuchen soll, um diese zu bekämpfen.

Im Rahmen des neuen Forschungsprojekts mit dem Titel „Der Hedgehog-Signalweg als therapeutische Zielstruktur bei Tumoren des Kindesalters“ soll dieser überaktive Kommunikationsweg der Zelle erforscht werden, da er für das Wachstum bösartiger Tumoren oftmals verantwortlich ist. Ziel ist die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Ansätze zur Hemmung des Hedgehog-Signalwegs bei kindlichen Tumoren wie dem Medulloblastom, Rhabdomyosarkom sowie rhabdoiden Tumoren. Das Verbundprojekt wird von Frau Prof. Simone Fulda, Direktorin des Instituts für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie am Universitätsklinikum Frankfurt, geleitet und schließt Partner an den Universitätskliniken Frankfurt (Prof. Fulda, Prof. Klingebiel), Düsseldorf (Prof. Reifenberger, Dr. Remke), Essen (Prof. Fleischhack), Göttingen (Prof. Hahn), Münster (Dr. Kerl) und München (Prof. Schüller), dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (Prof. Pfister, Dr. Kool), dem Olgahospital Stuttgart (Prof. Koscielniak) sowie der Kinderklinik Augsburg (Prof. Frühwald) ein. Das Forschungsvorhaben ist Teil des neuen Förderschwerpunkts „Translationale Onkologie“ der Deutschen Krebshilfe und wird mit insgesamt 2 Millionen Euro über drei Jahre gefördert.

Prof. Dr. med. Simone Fulda

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15. December 2015 - Verschiedenes

Projekt Keimbahnmutationen des Registers Seltene Tumore in der Pädiatrie (STEP)

In den letzten Jahren wurde der Erblichkeit von Malignomen im Kindesalter zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. Insbesondere das Auftreten seltener Tumore im Kindes- und Jugendalter ist suspekt für das Vorliegen einer genetischen Prädisposition.

Hierzu gehören beispielsweise das HNPCCSyndrom (Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer) im Falle eines Kolonkarzinoms in jungen Jahren oder Keimbahnmutationen im DICER-1 Gen, welche u.a. bei Patienten mit seltenen gonadalen Tumoren zu finden ist.

Das Register Seltene Tumorerkrankungen in der Pädiatrie (STEP) hat ein Kooperationsprojekt zur Untersuchung von Keimbahnmutationen etabliert. An der Kinderklinik des  Universitätsklinikums Erlangen werden Patienten mit Kolonkarzinomen auf Keimbahnmutationen systematisch untersucht, in der Klinik für Kinder-Onkologie, Hämatologie und klinische Immunologie Düsseldorf erfolgen Whole Exome Analysen der Keimbahn- DNA bei Kindern mit Granulosazelltumoren, Pankreatoblastomen, Mesotheliomen, Thymomen und Thymuskarzinomen. Ziel ist es, in Zukunft allen im Register erfassten Patienten eine derartige Untersuchung anbieten zu können, um so auch weitere Informationen über die genetische Prädisposition zu erhalten und gezielte Vorsorgeprogramme entwickeln zu können.

Um dieses Projekt erfolgreich durchführen zu können, bitten wir rechtzeitig an die Asservierung von Tumor-Frischmaterial zu denken und dieses gemäß den Vorgaben im Protokoll zusammen mit EDTA-Blut an die Biobank in Köln (Biocase-Projekt) zu senden. Alternativ können die Untersuchungen an bereits asserviertem Paraffinmaterial oder DNA des Tumors (mind. 500 μl) zusammen mit EDTA-Blut (mind. 2 ml) durchgeführt werden.

Die Patienteninformation sowie das Einverständnis des STEP-Registers schließt die Untersuchung am Genom des Patienten mit ein, sollte dieses nicht durch den Patienten oder durch die/den Sorgeberechtigte(n) explizit ausgeschlossen sein.

Dr. med. Ines B. Brecht
Kinder- und Jugendklinik, Universitätsklinikum Erlangen
Loschgestr. 15, 91054 Erlangen
Tel: 09131-85-41219
E-Mail: ines.brecht@uk-erlangen.de

Dr. med. Michaela Kuhlen, Prof. Dr. med. Arndt Borkhardt,
Klinik für Kinder-Onkologie, Hämatologie
und klinische Immunologie
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
Tel. 0211-81-17687
E-Mail: michaela.kuhlen@med.uni-duesseldorf.de

Prof. Dr. med. Dominik T. Schneider
Kinderklinik Dortmund
Beurhausstraße 40, 44137 Dortmund
Tel: 0231-953–21700
E-Mail: dominik.schneider@klinikumdo.de


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15. December 2015 - Verschiedenes

Good Reesponder der Osteosakomstudie EURASMOS-1

Die Ergebnisse der „Good Responder“ – Randomisierung der Europäisch-Amerikanischen Osteosarkomstudie EURAMOS-1 wurden nun im Journal of Clinical Oncology publiziert (J Clin Oncol 2015; 33(20):2279-2287).

Sie können Open Access unter jco.ascopubs.org/content/33/20/2279.long abgerufen werden.

Erfreulicherweise hat der Artikel Methotrexate, Doxorubicin, and Cisplatin (MAP) Plus Maintenance Pegylated Interferon Alfa-2b Versus MAP Alone in Patients With Resectable High-Grade Osteosarcoma and Good Histologic Response to Preoperative MAP: First Results of the EURAMOS-1 Good Response Randomized Controlled Trial die „Most read list“ der im Juni meistgelesenen Artikel des JCO erreicht. Der JCO-Podcast zur Studie, in dem Prof. Carola Arndt von der Mayo Clinic die EURAMOS-Ergebnisse diskutiert, kann unter jco.ascopubs.org/content/33/20/2279/suppl/DC3 angehört werden.

Danke an alle GPOH-Zentren, die durch ihre Studienteilnahme, durch Patientenmeldung und –randomisierung und durch nicht zuletzt durch unermüdliche, zeitnahe und vollständige Dokumentation zum Erfolg von EURAMOS-1 beigetragen haben!

Prof. Stefan Bielack

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