Rituximab

Der folgende Text informiert über Anwendung, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen von Rituximab sowie darüber , in welchen Fällen Rituximab nicht oder nur eingeschränkt verabreicht werden darf.

Autor:  Julia Dobke, Freigabe:  Prof. D r. med. U. Creutzig, Zuletzt geändert: 08.07.2026 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e290109

Anwendung: Wann wird Rituximab angewendet?

Rituximab in Kombination mit einer Chemotherapie für die Behandlung von nicht vorbehandelten pädiatrischen Patienten (im Alter von 6 Monaten bis unter 18 Jahren) mit fortgeschrittenem, CD20-positivem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL – diffuse large B-cell lymphoma), Burkitt-Lymphom (BL)/Burkitt-Leukämie (reife B-Zell akute lymphatische Leukämie – BAL) oder Burkitt-likeLymphom (BLL) zugelassen.

Rituximab wird bei Kindern und Jugendlichen bisher ausschließlich intravenös appliziert.

Wirkung: Wie wirkt Rituximab?

Rituximab ist ein monoklonaler Antikörper [monoklonale Antikörper], der sich spezifisch an das OberfächenProtein CD20 bindet, das sich auf der der Zellwand von B-Zellen befindet.

CD20 ist auf über 95 % aller Zellen von Non-Hodgkin-Lymphomen des B-Zell-Typs vorhanden. Durch die Bindung von Rituximab an CD20 werden verschiedene zelluläre Reaktionen auslöst.

Vor jeder Anwendung von Rituximab sollte immer eine Gabe von Medikamenten erfolgen, die bestimmte Nebenwirkungen unterdrücken (Prämedikation).

Dabei sollten Medikamente gegen Fieber und gegen das Auftreten von Allergien verabreicht werden. Wird Rituximab bei hoher Tumorlast zu Beginn der Behandlung angewendet, muss auf eine hohe intravenöse Zufuhr von Flüssigkeit geachtet werden.

Nebenwirkungen: Welche Nebenwirkungen können während oder nach der Behandlung mit Rituximab auftreten?

Im Folgenden werden die sehr häufig bis häufig und gelegentlich auftretende Nebenwirkungen dargestellt.

Definition der aufgetretenen Fälle pro Anzahl der Behandelten:

Sehr häufig: mehr als 1 von 10

häufig: mehr als 1 von 100

gelegentlich: mehr als 1 von 1000

selten: mehr als 1 von 10 000

sehr selten: weniger als 1 von 10 000

Für mehr Informationen zu den selten bis sehr selten auftretende Nebenwirkungen informieren Sie sich bitte in den Fach- und Gebrauchsinformationen des jeweiligen Herstellers.

Sehr häufige Nebenwirkungen

Blut und Lymphsystem

Sehr häufig verursacht Rituximab eine Knochenmarkdepression, die weißen Blutzellen und die Blutplättchen betrifft. Eine Erniedrigung der weißen Blutzellen, insbesondere der Neutrophilen Granulozyten (Neutropenie) erhöht das Risiko des Auftretens von Infektionen. Sehr häufig kommt es aber auch zu Fieber bei Neutropenie, ohne dass ein Krankheitskeim nachgewiesen werden kann. Ein starker Mangel an Blutplättchen kann unbehandelt zu Blutungen führen.

Infektionen

Während und nach der Behandlung mit Rituximab kommt es häufig zu Infektionen, insbesondere wenn eine Neutropenie vorliegt. Verursacher können Bakterien, Viren oder Pilze sein, häufig wird aber auch kein Keim nachgewiesen (Fieber in Neutropenie).

Allgemeine Erkrankungen

Es kann während der Behandlung zum Auftreten von Fieber, Schüttelfrost, schwerer Erschöpfung und Kopfschmerzen kommen

Immunsystem

Es kann zu allergischen Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion (Juckreiz, Hautausschlag) sowie zum Auftreten eines Angioödems kommen Diese treten innerhalb weniger Minuten bis 2 Stunden nach Verabreichung des Medikaments auf.

Aufgrund der Wirkweise von Rituximab wird das Immunsystem während der Gabe aktiviert. Dabei kann es zu einer erhöhten Freisetzung von Zytokinen kommen (CRS=Cytokine Release Syndrome, Zytokin-Freisetzungssyndrom), was eine Entzündungsreaktion im gesamten Körper hervorruft. Ein CRS kann unterschiedlich stark auftreten. Je mehr Tumorlast während der Behandlung noch vorhanden ist, desto größer ist die Gefahr ein CRS zu entwickeln.

Anzeichen eines Zytokin-Freisetzungssyndroms können das Auftreten von Fieber, erhöhtem Herzschlag, Schwellungen, erniedrigtem Blutdruck, Hautausschlag, Übelkeit, Erbrechen oder Müdigkeit sein. Bei schweren Verläufen wird der Kreislauf instabil, es können Störungen der Blutgerinnung‎ auftreten und es kommt zu Atemproblemen durch die Ansammlung von Flüssigkeit in den Lungen. Im Blut werden erhöhte Zytokinspiegel gemessen.

Eine andere sehr häufige Nebenwirkung, die das Immunsystem betrifft, ist eine Erniedrigung der Immunglobuline (insbesondere des IgG) im Serum. Ein erniedrigter IgG-Wert erhöht das Risiko an einer Infektion zu erkranken.

Verdauungstrakt

Während der Behandlung mit Rituximab kommt es sehr häufig zu Übelkeit.

Untersuchungen

Sehr häufig kommt es zu einer Verminderung des Immunglobulin G im Serum (siehe Immunsystem).

Häufig und gelegentlich auftretende Nebenwirkungen

Blut und Lymphsystem

Es kommt häufig zu einer Erniedrigung der roten Blutkörperchen (Anämie) und zu einer Erniedrigung der Granulozyten

Gelegentlich treten Störungen der Blutgerinnung und spezielle Arten von Anämien auf.

Infektionen

Während oder nach der Behandlung mit Rituximab kommt es häufig zu schweren Infektionen, die zu Organversagen oder Schock führen oder tödlich enden können (Sepsis). Gleichzeitig besteht meist eine Neutropenie, die die Immunabwehr schwächt.

Verdauungstrakt

Es kommt häufig zu Erbrechen, Durchfällen, Bauchschmerzen, Stomatitis, Verstopfung, Völlegefühl, Anorexie, Rachenreizung.

Herz-Kreislauf

Es kann zu Herzrhythmusstörungen, zu schnellem oder zu langsamen Herzschlag kommen. Die Gefahr von Nebenwirkungen am Herzen steigt bei Vorerkrankungen am Herzen.

Atemwege

Es kann akut zu Verengung der Bronchien und zu Asthmabeschwerden kommen. Selten kann es zu einer bleibenden Erkrankung der Bronchiolen kommen, der Bronchiolitis obliterans.

Nervensystem

Es kann zu schmerzhaften Missempfindungen (Paraesthesie) oder Minderempfindungen (Hypaesthesie), zu Erregung, Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl und Angstgefühlen kommen.

Gelegentlich kommt es zu Störungen des Geschmacksempfinden.

Stoffwechsel

Zu Beginn der Behandlung kann es zu einem Tumorlyse-Syndrom kommen. Dieses wird durch die Zerstörung einer großen Menge von Krebszellen ausgelöst. Es treten im Blut eine starke Erhöhung der Harnsäure, eine Erhöhung des Kaliums und des Phosphats sowie eine Erniedrigung des Kalziums auf.

Das Tumorlyse-Syndrom kann durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die Gabe eines Medikaments (Rasburicase) gegen den erhöhten Harnsäurespiegel und den Ausgleich der aus dem Gleichgewicht geratenen Elektrolyte gut behandelt werden.

Im Verlauf kommt es häufig zu erhöhten Blutzuckerwerten, Gewichtsverlust, Ödemen am Körper oder Gesichtsödem, erhöhte LDHWerten, erniedrigten Kalziumspiegeln.

Augenerkrankungen

Es kann zu einer Störung der Tränenbildung (trockenen Augen) und Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) kommen.

Erkrankungen des Ohrs und Labyrinths

Es kann zu Ohrenschmerzen und Tinnitus kommen.

Wechselwirkungen: Mit welchen anderen Medikamenten / Substanzen kann Rituximab interagieren?

  • Blutdrucksenkende Medikamente sollten 12 Stunden vor der Anwendung abgesetzt werden, da es unter Rituximab-Gabe zu einem Blutdruckabfall kommen kann.
  • Bei vorbestehenden Herzerkrankungen oder einer kardiotoxischen Chemotherapie sollen Patienten engmaschig überwacht werden.
  • Eine gleichzeitige Impfung mit viralen Lebendimpfstoffen wird nicht empfohlen

Gegenanzeigen: Wann darf Rituximab nicht angewendet werden?

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Aktive, schwere Infektionen (wie z.B. Tuberkulose, Sepsis und opportunistische Infektionen)
  • Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem

Quellen

Fach- und Gebrauchsinformationen der Hersteller

Stiftung Warentest: Medikamente im Test: Krebs [BOB2012]

Gelbe Liste