Dinutuximab

Der folgende Text informiert über Anwendung, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen von Dinutuximab sowie darüber, in welchen Fällen Dinutuximab nicht oder nur eingeschränkt verabreicht werden darf.

Autor:  Julia Dobke, Redaktion:  Ingrid Grüneberg, Freigabe:  Prof. D r. med. U. Creutzig, Zuletzt geändert: 28.01.2026 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e288944

Anwendung: Wann wird Dinutuximab angewendet?

Dinutuximab wird zur Behandlung von Hochrisiko-Neuroblastomen bei Patienten ab einem Alter von 12 Monaten angewendet. Zuvor müssen diese Patienten nach einer Induktions-Chemotherapie zumindest eine partielle Remission erreicht haben, gefolgt von einer myeloablativen Therapie und autologen Stammzelltransplantation. Darüber hinaus wird es bei Patienten mit rezidivierten oder refraktären Neuroblastomen mit oder ohne Resterkrankung in der Anamnese eingesetzt.

Wirkung: Wie wirkt Dinutuximab?

Dinutuximab ist ein monoklonaler Antikörper vom IgG1-Subtyp, der gezielt an das Molekül Gangliosid GD2 bindet. GD2 ist ein Oberflächenmolekül, das sich in hoher Dichte auf der Außenwand von NeuroblastomZellen befindet, jedoch auf gesunden Geweben nur in begrenztem Maß vorhanden ist.

Nebenwirkungen: Welche Nebenwirkungen können während oder nach der Behandlung mit Dinutuximab auftreten?

Im Folgenden werden Nebenwirkungen dargestellt, die sehr häufig bis häufig und gelegentlich auftreten.

Definition der aufgetretenen Fälle pro Anzahl der Behandelten:

  • Sehr häufig: mehr als 1 von 10
  • häufig: mehr als 1 von 100
  • gelegentlich: mehr als 1 von 1000
  • selten: mehr als 1 von 10 000
  • sehr selten: weniger als 1 von 10 000

Für mehr Informationen zu den selten bis sehr selten auftretenden Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Fach- und Gebrauchsinformationen des jeweiligen Herstellers.

Sehr häufige Nebenwirkungen

Blut und Lymphsystem

Dinutuzumab verursacht sehr häufig eine Knochenmarkdepression, die alle drei Blutzelllinien (weiße Blutzellen, rote Blutzellen, Blutplättchen) betrifft. Eine Verminderung der weißen Blutzellen, insbesondere der Neutrophilen Granulozyten (Neutropenie), erhöht das Risiko von Infektionen. Sehr häufig kommt es aber auch zu Fieber bei Neutropenie, ohne dass ein Krankheitskeim nachgewiesen werden kann.

Infektionen

Während und nach der Behandlung mit Blinatumomab kommt es häufig zu Infektionen, insbesondere bei einer Neutropenie. Verursacher können Bakterien, Viren oder Pilze sein, häufig wird aber auch kein Keim nachgewiesen.

Immunsystem

Aufgrund der Wirkweise von Dinutuximab wird das Immunsystem während der Gabe aktiviert. Dabei kann es zu einer erhöhten Freisetzung von Zytokinen kommen (CRS=Cytokine Release Syndrome, Zytokin-Freisetzungssyndrom), was eine Entzündungsreaktion im gesamten Körper hervorruft. Ein CRS kann unterschiedlich stark auftreten.

Mögliche Anzeichen eines Zytokin-Freisetzungssyndroms sind Fieber, erhöhter Herzschlag, Schwellungen, erniedrigter Blutdruck, Hautausschlag, Übelkeit, Erbrechen oder Müdigkeit. Bei schweren Verläufen wird der Kreislauf instabil, es können Störungen der Blutgerinnung‎ auftreten und es kommt zu Atemproblemen durch die Ansammlung von Flüssigkeit in den Lungen. Im Blut werden erhöhte Zytokinspiegel gemessen.

Eine andere sehr häufige Nebenwirkung, die das Immunsystem betrifft, ist eine Erniedrigung der Immunglobuline (insbesondere des IgG) im Serum.

Nervensystem

Sehr häufig treten Kopfschmerzen auf.

Infusionsbedingte Nebenwirkungen

Infusionsbedingte Reaktionen können Beschwerden wie Keuchen, Erröten, Quaddeln, Schwellungen im Gesicht (Ödeme), Schüttelfrost, Atembeschwerden, niedrigen Blutdruck und einen erhöhten Herzschlag (siehe Nebenwirkungen auf das Immunsystem) hervorrufen.

Herz-Kreislauf

Während der Gabe von Dinutuximab kann es zu einer Erhöhung der Herzrate (Tachykardie) und einem erniedrigten Blutdruck (Hypotonie) kommen. Der Grund hierfür kann das Auftreten eines Kapillarlecksyndroms sein. Dabei treten Blutplasma und Eiweiße aus den Kapillargefäßen in das umliegende Gewebe aus. Dies bewirkt einen Volumenmangel im Kreislaufsystem, der schlimmstenfalls ein Organversagen hervorrufen kann.

Verdauungstrakt

Dinutuximab kann sowohl Durchfall wie auch Verstopfung verursachen. Ebenso kommt es häufig zum Erbrechen. Sehr häufig werden auch Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) beobachtet.

Haut

Im Rahmen von infusionsbedingten Nebenwirkungen kann es zu Juckreiz, Quaddelbildung und Nesselsucht kommen.

Augen

Da Dinutuximab beta an Zellen des Sehnervs bindet, können Augenerkrankungen auftreten. Sehr häufig kommt es zu verschwommenem Sehen als Folge von Anpassungsschwierigkeiten des Auges an die Entfernung (Akkommodationsproblem) sowie zu erweiterten Pupillen und zu einer Schwellung (Ödem) des oberen Augenlids.

Allgemeine Beschwerden

Sehr häufig kommt es zu Schmerzen, insbesondere zu Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schmerzen in den Gliedmaßen, Halsschmerzen und Rückenschmerzen. Eine vorbeugende Schmerzbehandlung bei der Behandlung mit Dinutuximab sollte immer stattfinden.

Laboruntersuchungen

Während der Gabe von Dinutuximab können folgendeLaborwerte im Serum ansteigen: erhöhte Leber-Transaminasen, erhöhte Gamma-Glutamyltransferase, erhöhtes Bilirubin, erhöhtes Kreatinin.

Häufig und gelegentlich auftretende Nebenwirkungen

Infektionen

Während oder nach der Behandlung mit Dinutuximab können häufig schwere Infektionen auftreten, die zu Organversagen oder Schock führen oder tödlich enden können (Sepsis). Gleichzeitig besteht meist eine Neutropenie, die die Immunabwehr schwächt.

Immunsystem

Eine häufige Nebenwirkung, die das Immunsystem betrifft, ist eine anaphylaktische Reaktion (lebensbedrohliche allergische Reaktion des Körpers). Sie kann bereits innerhalb einiger Minuten nach der ersten Infusion mit Dinutuximab auftreten und geht häufig mit einer akuten Verengung der Atemwege (Bronchospasmus) und Nesselsucht (Urtikaria) einher. Typische Symptome einer Urtikaria sind rote, juckende Quaddeln auf der Haut. Um diese Nebenwirkungen zu vermeiden, muss vor und nach der Gabe von Dinutuximab eine entsprechende Prämedikation mit einem Antihistaminikum intravenös verabreicht werden. Antihistaminika sind eine Gruppe von Medikamenten, die allergische Reaktionen unterdrücken.

Nervensystem

Häufig kommt es zu einer Neuropathie (Polineuropathie) der peripheren Nerven. Mögliche Symptome sind Krampfanfälle, Lähmungserscheinungen, Schwindel und Zittern oder ein erhöhter Hirndruck.

Psychiatrische Erkrankungen

Es können psychiatrische Erkrankungen wie Angst, krankhafte innere Unruhe und Anspannung (Agitiertheit) auftreten..

Augen

Häufig kommt es zu Lähmungen der Augenmuskulatur, was zu verschwommenem Sehen führt. Ebenso können Lichtempfindlichkeit und Schwellungen auf der Netzhaut auftreten.

Herz-Kreislauf

Es kann zu Einschränkungen der Herzfunktion (Herzinsuffizienz),zur Einlagerung von Flüssigkeit im Herzbeutel (Perikarderguss) und zu Bluthochdruck kommen.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Häufig kommt es zu Störungen des Elektrolythaushalts mit erniedrigten Blutwerten von Natrium, Kalium, Kalzium, Phosphat, Magnesium und Albumin.

Nieren und Harnwege

Häufig treten Störungen der Nierenfunktion auf. In der Folge wird zu wenig Urin ausgeschieden oder die Blase kann nicht entleert werden Zudem kann der Phosphatgehalt im Blut ansteigen und es können im Urin Blut und Eiweiß ausgeschieden werden. Nur gelegentlich kommt es zu einem Nierenversagen.

Haut und Unterhaut

Häufig kommt es zu Entzündungen der Haut (Dermatitis), Rötungen der Haut (Erythem) und trockener Haut.

Blut- und Lymphsystem

Gelegentlich kommt es zu einer Entgleisung des Gerinnungssystems des Blutes.

Wechselwirkungen: Mit welchen anderen Medikamenten / Substanzen kann Dinutuximab interagieren?

Kortikosteroide

Aufgrund ihrer immunsuppressiven Wirkung wird die gleichzeitige Behandlung mit Kortikosteroiden innerhalb von 2 Wochen vor dem ersten Behandlungszyklus und bis zu einer Woche nach dem letzten Behandlungszyklus mit Dinutuximab nicht empfohlen. Ausnahmen stellen lebensbedrohliche Erkrankungen bzw. Zustände dar.

Impfungen

Während der Verabreichung von Dinutuximab und bis 10 Wochen nach dem

letzten Behandlungszyklus sind Impfungen zu vermeiden, da durch Dinutuximab eine Immunstimulation stattfindet und ein Risiko für seltene neurologische Toxizitäten besteht.

Intravenöses Immunglobulin

Die gleichzeitige Anwendung intravenöser Immunglobuline wird nicht empfohlen, da diese die Wirkung des Dinutuximab abschwächen könnten.

Gegenanzeigen: Wann darf Dinutuximab nicht angewendet werden?

Gegenanzeigen bestehen

  • bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Dinutuximab oder einen der sonstigen Bestandteile
  • bei gleichzeitigem Vorhandensein einer akuten Graft-versus-host-Reaktion (GvHR, GvHD), Grad 3 oder 4 oder einer chronisch erweiterten (extended) GvHR
Quellen

Fach- und Gebrauchsinformationen der Hersteller