Überblick Pädiatrische Onkologie in Deutschland und Vorstellung Fachgesellschaft

Die Pädiatrische Onkologie und Hämatologie im deutschsprachigen Raum sowie Pädiatrisch-Onkologische Fachgesellschaften in Deutschland, Europa und der Welt werden vorgestellt. Des Weiteren werden strukturelle Inhalte der Weiterbildung für Fachärzte (Schwerpunkt POH) erläutert.

Autor:  Prof. Dr. med. U. Creutzig, Redaktion:  Ingrid Grüneberg, Freigabe:  Prof. Dr. med. U. Creutzig, Zuletzt geändert: 18.12.2025 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e79946

Häufigkeitsverteilung der verschiedenen Krebserkrankungen in Deutschland

Krebs bei Kindern und Jugendlichen macht lediglich 1 % aller Krebserkrankungen in Deutschland aus, allerdings ist Krebs die häufigste, krankheitsbedingte Todesursache im Kindes- und Jugendalter und die zweithäufigste Todesursache bei europäischen Kindern nach dem ersten Lebensjahr. In Deutschland treten pro Jahr circa 2.300 Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren auf. Zu den häufigsten Krebserkrankungen gehören akute Leukämien, ZNS-Tumoren und Lymphome [RON2025].

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Entwicklung der Überlebensraten bei Kindern und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung in Deutschland

Eine tödliche Erkrankung wurde heilbar.

Bis Ende der 1960-er Jahre kam die Aussage "Ihr Kind hat Krebs" einem Todesurteil gleich, denn die durchschnittlichen Überlebensraten lagen damals unter 20 %. Diese ungünstige Prognose konnte im Laufe der letzten 50-60 Jahre deutlich verbessert werden. In den letzten 20 Jahren wurden in der Behandlung von pädiatrischen Malignomen, oft im Rahmen internationaler Studien, große Erfolge erzielt. Die Überlebensraten nach 15 Jahren liegen heute für alle bösartigen Erkrankungen im Bereich von 85 % [RON2025]. Die Therapie konnte für viele Entitäten standardisiert und in ihrer Intensität und damit Toxizität reduziert werden. Wegweisend war auch die Entdeckung und damit Berücksichtigung der minimalen Resterkrankung (MRD) bei der Risikobeurteilung, und zwar inzwischen bei fast allen Entitäten.

Überlebensraten im Zeitraum 1940 bis 2014

Zwischen 1940 und 2014 zeigen die Überlebensraten in Deutschland einen zunächst sprunghaften, dann im weiteren Verlauf kontinuierlichen Anstieg (siehe Abbildung unten).

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Bis 1980 werden 2-Jahres-Überlebensraten, seit 1980 5-Jahres-Überlebensraten dargestellt. Quelle: Deutsches Kinderkrebsregister, Kompetenznetz Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (KPOH).

Überlebensraten im Zeitraum 1991 bis 2014

Zwischen 1991 und 2016 zeigt sich, im Vergleich zur früheren Zeitspanne (siehe oben), ein nur langsamer weiterer Anstieg der Überlebensraten (ÜLR) in Deutschland; lediglich die akute myeloische Leukämie (AML) ist davon ausgenommen (siehe Abbildung unten). Bei vielen Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind ÜLR von über 80% erreicht worden. Bei ungünstigen Risikogruppen soll die Prognose weiter verbessert werden. Darüber hinaus ist es heute ein wesentliches Ziel, die Kurz- und Langzeitnebenwirkungen zu reduzieren.

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5-Jahres-Überleben nach einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter (0-14 Jahre) in Deutschland, 1991-2016 (Quelle: Deutsches Kinderkrebsregister)

Fachgesellschaft GPOH (Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie e. V.)

In Deutschland schlossen sich im November 1991 die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Leukämieforschung (DAL) und die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie (GPO) zur Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie e.V. (GPOH) zusammen. Sitz des Vereins ist Frankfurt am Main. Die Aufgaben der GPOH e.V. sind vielfältig. Sie beinhalten beispielsweise die Behandlung von Patienten im Rahmen von Therapiestudien, die Erforschung von Erkrankungen, die Fort- und Weiterbildung der Fachärzte und des medizinischen Personals sowie die Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften.

Hinweis und Chronik auf kinderkrebsinfo

Durch den kontinuierlichen Fortschritt in der Grundlagen- und klinischen Forschung, durch neue Therapiekonzepte und Medikamente sowie durch verbesserte supportive Maßnahmen sind die Heilungsaussichten schrittweise verbessert worden. Entscheidend dafür war der Zusammenschluss von Kinderonkologen in nationalen und internationalen Fachgesellschaften und die Durchführung von multizentrischen kooperativen Therapiestudien und Registern.