BFM Netzwerk

Die Vorgeschichte

Bis in die (19)70er Jahre waren die akuten Leukämien, also Akute Lymphoblastische Leukämie (ALL) und Akute Myeloische Leukämie (AML) bei Kindern nahezu unheilbar. Bei der zweiten wichtigen lymphatischen Neoplasie, den Non-Hodgkin Lymphomen (NHL) sah es nicht wesentlich besser aus. Unter Führung von Prof. Hansjörg Riehm hat sich mit dem ersten Zusammenwirken der drei Universitätskliniken Berlin (Prof. Riehm), Frankfurt (Prof. Kornhuber) und Münster (Prof. Schellong) die BFM (Berlin-Frankfurt-Münster) Studiengruppe gebildet, die sich zunächst um die Weiterentwicklung eines neuen multimodalen Therapieansatzes bei ALL, später um die Entwicklung von Therapieprotokollen für AML und NHL kümmerte. Eine stetig wachsende Zahl von Kinderkliniken führte diese neuen Therapien der BFM Studiengruppe ein. Einige Kinderkliniken hielten zunächst noch an den ALL-Protokollen nach Pinkel fest, die später in die DAL- bzw. COALL-Studiengruppe für ALL aufgingen. Prof. Schellong und kurze Zeit später auch Frau Prof. Creutzig waren die Wegbereiter für eine moderne AML-BFM Therapie. Sie legten mehrere Therapieprotokolle für die AML auf, die in einer wachsenden Zahl von BFM-Studienkliniken in Deutschland und darüber hinaus angewandt wurden. Zunächst Prof. Riehm, dann Prof. Henze und schließlich Prof. Müller-Weihrich waren diejenigen die sich der NHL Therapie im Rahmen der BFM-Studiengruppe in den frühen 80er Jahren annahmen. Während zunächst die Therapieprotokolle der ALL auch für NHL und AML angewandt wurden, wurde sehr schnell evident dass sowohl die Burkitt-Lymphome (B-NHL) als auch die diversen Subformen der AML andere klinische und biologische Eigenschaften aufwiesen, die andere Therapieansätze erforderten.

Die Krankheiten

Die akuten Leukämien (ALL und AML) sind die häufigsten Leukämien von Kindern und Jugendlichen. Sie verlaufen hochakut, verliefen früher leider immer tödlich, sind aber heute in den meisten Fällen heilbar. Die Therapie der Non-Hodgkin Lymphome ist stark Subtyp-abhängig und in der Regel kurativ möglich. Die erfolgreiche Behandlung nach einem der BFM-Therapieschemata setzt für alle drei Entitäten eine sehr ausgefeilte, möglichst individuell ausgerichtete risikoadaptierte Therapie mit zahlreichen Spezialuntersuchungen zu Beginn und im Verlauf voraus. Nach wie vor ist die Behandlung durch starke Nebenwirkungen und auch durch Spätfolgen gekennzeichnet deren Vermeidung heutzutage aber einen wesentlichen Fokus der klinischen Forschung bilden. Der weitgehende Verzicht auf die (kraniale) Bestrahlung ist einer der wichtigsten Schritte in dieser Richtung. Antikörper-basierte und zelluläre Immuntherapien öffnen möglicherweise neue Perspektiven zu einer nebenwirkungsärmeren Behandlung.

Kurzer Überblick zur Therapieentwicklung

Seit ca. 1976 sind in anfangs relativ kurzen Zeitabständen neue Therapieprogramme für ALL und dann auch für AML entwickelt worden, die z.T. im klassischen Phase-3 Design wichtige Elemente der Kombinationschemotherapie prüften. Seit Beginn der 80er Jahre dehnte sich die BFM Studiengruppe für ALL auf ca. 80% der deutschen Behandlungszentren aus. Für die Behandlung von AML war aufgrund der hohen strukturellen Anforderungen (bedingt durch die höhere klinische Morbidität bei der Behandlung dieser Neoplasie) der Kreis der BFM-Studienkliniken kleiner als bei ALL. Später kamen die spezialisierten Kinderkliniken in Österreich und der Schweiz hinzu. Ende der 90er Jahre wurde aus der ALL-BFM Studiengruppe ein größerer Verbund, der v.a. die beiden großen Studiengruppen in Deutschland (ALL-BFM mit Österreich und Schweiz) und Italien (AIEOP-ALL) umfasste. Die AML-BFM Studiengruppe hatte z.T. die gleichen Partner außerhalb Deutschlands und hat später auch größere Verbünde gegründet. Ähnlich war die Entwicklung bei der NHL-BFM Studiengruppe die gerade wegen der Anforderungen an moderne Phase-3 Studien Partner im europäischen Ausland suchte. Die drei deutschen BFM-Studiengruppen waren maßgeblich an der Entwicklung der Internationalen BFM Studiengruppe (I-BFM-SG) beteiligt die mittlerweile Mitglieder in ca. 30 Ländern hat. Die jeweiligen I-BFM-SG Mitgliedsgruppen führen nicht nur gemeinsame klinische Studien durch, sondern setzen auch in der Grundlagenforschung wesentliche Akzente. 

Organisation

Die jeweiligen BFM Studiengruppen umfassen eine Studienzentrale zur initialen Befunderfassung, Stratifizierung und Randomisierung (falls entsprechende Studien offen sind), zur Datenauswertung sowie zur klinischen Beratung, sowie mehrere hochspezialisierte Referenzlabore am jeweiligen Ort der Studienleitung sowie an anderen (universitären) Standorten. Die Studienleitungen werden unterstützt durch eine nationale und internationale Studienkommission. Das gesamte Netzwerk ist in der klinischen Versorgung und in der innovativen v.a. klinischen Forschung international anerkannt und ein tragender Bestandteil von internationalen Verbünden zur speziellen Therapie seltener Spezialformen der akuten Leukämien und NHL. Die wissenschaftliche Arbeit und klinische Forschung wird maßgeblich durch Mittel der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Kinderkrebsstiftung gefördert. Alle Studienergebnisse werden durch Publikationen, aber v.a. durch regelmäßige Arbeitstagungen (BFM-Plenartagung alle 18 Monate) und Webinare mit den Studienteilnehmern geteilt.

Kontakt

Für Rückfragen können die Studienleitungen über die Webseite der GPOH kontaktiert werden:

https://www.gpoh.de/studienportal/onkologische_studien_und_register/index_ger.html