Studien zu Fruchtbarkeit nach Chemo- und Strahlentherapie

Autor:  Maria Yiallouros, Erstellt am 10.03.2021, Zuletzt geändert: 10.03.2021 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e225252

Die Arbeitsgruppe "Fertilität nach Chemo-und Strahlentherapie im Kindes-und Jugendalter" (FeCt) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin (Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie) beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit den Auswirkungen der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer Chemo-und/oder Strahlentherapie auf die Fertilität (Fortpflanzungsfähigkeit) und auf die Gesundheit der Nachkommen.

Im Rahmen von Umfragen und Studien untersuchte die Arbeitsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. med. Anja Borgmann bisher unter anderem, in welchem Umfang ehemalige kinderonkologische Patienten und Patientinnen von Fruchtbarkeitsschäden betroffen sind und welche Risikofaktoren hierfür bestehen. Geprüft wurde auch, in welchem zeitlichen Abstand zur Therapie Fruchtbarkeitsschäden auftreten beziehungsweise ob und inwieweit sich die Betroffenen von einer Schädigung der Fruchtbarkeit wieder erholen können.

Alle Informationen der Arbeitsgruppe "Fertilität nach Chemo-und Strahlentherapie im Kindes-und Jugendalter, FeCt" zu Studien und Ergebnissen sowie zu aktuell geltenden Leitlinien finden Sie auf den Webseiten der FeCt-Arbeitsgruppe an der Charité. Dort können Sie (im Bereich Öffentlichkeitsarbeit) auch verschiedene Flyer und Broschüren zum Thema herunterladen. Im Folgenden informieren wir etwas ausführlicher über die Ergebnisse der FeCt-Nachkommenstudie.

Nachkommenstudie 2013-2019

Eine immer wieder geäußerte Befürchtung ehemaliger Krebspatienten ist, ob ihre Nachkommen ebenfalls Krebs bekommen können. Um diese Frage zu klären, führte die Arbeitsgruppe FeCt in den Jahren 2010 und 2013-2019 eine "Nachkommensstudie" durch. Die Studie beschäftigte sich mit dem Gesundheitszustand der Nachkommen von ehemaligen kinderonkologischen Patienten im deutschsprachigen und europäischen Raum. Krankheiten, Wohlbefinden, Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sowie Gesundheitsverhalten zwischen den Nachkommen der ehemaligen Patienten, deren Geschwistern sowie der Allgemeinbevölkerung wurden zu diesem Zweck miteinander verglichen. Gewonnen wurden die Ergebnisse mittels Fragebogen.

Die Ergebnisse der Nachkommenstudie zeigen

  • dass für viele der ehemalige kinderonkologische Patienten die Gesundheit der Nachkommen ein Thema von großer Bedeutung ist.
  • dass Mütter von Kindern ehemaliger Patienten seltener Alkohol trinken und rauchen während der Schwangerschaft und später in Anwesenheit ihrer Kinder.
  • dass die elterliche Diagnose und die Sorge um die Gesundheit der Kinder die Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung stark beeinflussen.
  • dass ehemalige Patienten häufiger mit ihren Kindern Fachärzte, nicht aber Allgemeinärzte aufsuchen.
  • dass Impfungen (gegen Mumps, Masern, Röteln) häufiger bei Kindern ehemaliger Patienten durchgeführt werden.
  • dass bei Kindern ehemaliger Patienten häufiger Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden.
  • dass die Kinder ehemaliger Patienten nicht häufiger Krebs im Kindesalter, Herz- Kreislauferkrankungen oder angeborene Missbildungen erleiden.
  • dass künstliche Reproduktionstechnologien die Prävalenz von Krebs im Kindesalter, Herz- Kreislauferkrankungen oder angeborenen Missbildungen bei den Nachkommen nicht erhöhen.

Publikationen zur Nachkommenstudie

  1. Balcerek M, Schuster T, Korte E, Seidel J, Schilling R, Hölling H, Borgmann-Staudt A: Health-Related Behaviour Among Children of Childhood Cancer Survivors in Germany - Gesundheitsverhalten von Kindern ehemaliger kinderonkologischer Patienten in Deutschland. Klin Pädiatr 2017, 229: 118 [PMID: 7975342] BAL2017a
  2. Balcerek M, Schilling R, Schlack R, Borgmann-Staudt A: Nationwide Survey on the Health of Offspring from Former Childhood Cancer Patients in Germany - Studie zur Gesundheit von Nachkommen ehemaliger kinderonkologischer Patienten in Deutschland. Klin Pädiatr 2015, 227: 350 [PMID: 26600178] BAL2015