Cytarabin (ARAC, ARA-C)

Der folgende Text informiert über Anwendung, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen des Cytarabins sowie darüber, welche Wechselwirkungen mit anderen Substanzen auftreten können und in welchen Fällen Cytarabin nicht oder nur eingeschränkt verabreicht werden darf.

Autor:  Julia Dobke, erstellt am 03.07.2014, Redaktion:  Maria Yiallouros, Freigabe:  Prof. (em.) Dr. med. G. Henze, Zuletzt geändert:  17.11.2017

Anwendung: Wie wird Cytarabin eingesetzt?

Cytarabin wird in Kombination mit weiteren, gegen Krebs wirksamen Arzneimitteln bei der Behandlung von Blutkrebs (Leukämien) und Lymphomen verwendet. Es kann als Infusion in eine Vene (intravenös, i.v.) verabreicht werden sowie intramuskulär (i.m.), subkutan (s.c.) oder in sehr geringen Dosen intrathekal (i.th.) in das Gehirnwasser (Liquor).

Wirkung: Wie wirkt Cytarabin?

Cytarabin gehört zu der Gruppe der Antimetabolite. Antimetabolite sind künstlich hergestellte (synthetische) Substanzen. Sie greifen in den Zellzyklus ein.

Antimetabolite ähneln körpereigenen Stoffen und können deswegen an deren Stelle als so genannte falsche Moleküle (Purinanaloga; Pyrimidinantagonisten) in die Erbsubstanz der Zelle eingebaut werden und so deren Struktur und Funktion beeinträchtigen. Dadurch wird eine weitere Vermehrung der Zelle verhindert.

Antimetabolite können auch im Zellstoffwechsel die Funktion bestimmter Enzyme (wie der Dihydrofolatreduktase und/oder DNA-Polymerase) hemmen und damit den Aufbau neuer Bausteine für die Erbsubstanz verhindern.

Nebenwirkungen: Welche Begleiterscheinungen können während oder nach der Behandlung mit Cytarabin auftreten?

Wir beschränken uns im Folgenden auf die Darstellung der sehr häufig bis häufig und gelegentlich auftretenden Nebenwirkungen. (Definition : Aufgetretene Fälle pro Anzahl der Behandelten)

Sehr häufig: mehr als 1 von 10; häufig: mehr als 1 von 100; gelegentlich: mehr als 1 von 1000; selten: mehr als 1 von 10 000; sehr selten: weniger als 1 von 10 000.

Dabei gehen wir organweise vor. Für mehr Informationen zu den selten bis sehr selten auftretenden Nebenwirkungen informieren Sie sich bitte in den Fach- und Gebrauchsinformationen des jeweiligen Herstellers.

Sehr häufige Nebenwirkungen

Immunsystem

Cytarabin-Syndrom: Das Cytarabin-Syndrom ist gekennzeichnet durch das Auftreten von Fieber, Muskelschmerzen, Knochenschmerzen, gelegentlich Brustschmerzen, knotig-fleckigen Ausschlag, Bindehautentzündung und Unwohlsein.

Die Symptome treten gewöhnlich 6 bis 12 Stunden nach der Cytarabingabe auf. Ursache ist eine Überreaktion des Immunsystems. Durch die Gabe von Glukokortikoiden (Kortison) kann dem Auftreten des Syndroms wirksam vorgebeugt werden.

Häufige und gelegentlich auftretende Nebenwirkungen↵

Knochenmark / Immunsystem

Abhängig von der Medikamenten-Dosis können unterschiedlich schwere Grade von Knochenmarkschädigung (eine so genannte Knochenmarkdepression oder Myelosuppression) auftreten, die mit einem Abfall der Zahl weißer Blutkörperchen (Leukozytopenie) sowie einem Abfall der Zahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie) und der roten Blutkörperchen (Blutarmut, Anämie) einhergehen.

Häufig zu rechnen ist mit einen Abfall der Zahl der weißen Blutkörperchen mit oder ohne Fieber und infolgedessen mit der Gefahr von, zum Teil lebensbedrohlichen, Infektionen. Ebenfalls häufig ist ein Abfall der Zahl der Blutplättchen und entsprechend die Gefahr eines erhöhten Blutungsrisikos.

Nervensystem

Störungen im Zentralnervensystem (ZNS) werden vorwiegend bei der Hochdosis-Chemotherapie beobachtet. Bei kumulativen Gesamtdosen unter 36 g Cytarabin m² Körperoberfläche sind die toxischen Reaktionen des Zentralnervensystems selten.

Bei bereits bestehenden Einschränkungen der Leber- und Nierenfunktion und einer vorausgegangenen Behandlung des Zentralnervensystems (Bestrahlung, Zytostatika-Gaben in die Rückenmarksflüssigkeit) können Patienten allerdings für das Auftreten zentralnervöser Nebenwirkungen anfälliger sein. Die zentralnervösen Störungen gehen in den meisten Fällen nach Abschluss der Behandlung komplett zurück.

Beobachtet werden: Störungen der Groß- und/oder Kleinhirnfunktion (Nystagmus, Sprachstörungen, muskuläre Koordinationsstörungen, Verwirrtheitszustände), Kopfschmerzen, Denkstörungen, ausgeprägte Schläfrigkeit, Lethargie, Koma und Krampfanfälle.

Nach der Gabe von Cytarabin in den Rückenmarkskanal kommt es gelegentlich zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und/oder Fieber. Diese Beschwerden können auch Folgezustände des Eingriffs, der so genannten Lumbalpunktion, sein. Die Symptome sind meist mild und bilden sich von allein zurück.

Augen

Häufig kommt es zu Bindehautentzündung, Hornhautentzündung, Lichtempfindlichkeit, Augenbrennen, starkem Tränenfluss und Sehbeschwerden. Diese Beschwerden können durch die regelmäßige Gabe von Augentropfen (mit oder ohne Kortison) während der Therapie mit hochdosiertem Cytarabin vermieden werden.

Magen-Darmtrakt

Häufig geht eine Cytarabin-Behandlung mit Schleimhautentzündungen (Mukositis) und/oder Schleimhautgeschwüren (im Mund-/Afterbereich) einher, vor allem bei der Hochdosisbehandlung. Es kann zu schwerem Durchfall mit entsprechendem Nährstoffverlust (Kalium- und Eiweißverlust) kommen, ebenso zu Übelkeit und Erbrechen (besonders nach schneller intravenöser Injektion) sowie zu Schluckstörungen.

Gelegentlich: Insbesondere die Hochdosistherapie führt gelegentlich zu Darm-Nekrosen mit Darmverschluss und Bauchfellentzündung.

Leber und Galle

Durch Cytarabin kann es zu einem Anstieg der cholestaseanzeigenden Enzyme (alkalische Phosphatase, Gamma-GT) und zu einem Anstieg des Bilirubins kommen. Normalerweise normalisieren sich diese von selbst wieder.

Haut und Unterhaut

Bei der Behandlung mit Cytarabin kann es zu knotig-fleckigen Hautausschlägen, Erythrodermien und Erythemen kommen.

Der häufig auftretende Haarausfall (Alopezie) ist in der Regel rückgängig, das heißt, die Haare wachsen wieder nach Beendigung der Therapie.

Bei Injektion des Medikaments in eine Vene kann es zu Gewebeschädigungen am Injektionsort und zu Gefäßentzündungen (Thrombophlebitis) kommen. Ein zentraler Venenkatheter verhindert Gewebeschädigungen und Gefäßentzündungen.

Herz

Cytarabin kann gelegentlich zu Entzündungen des Herzbeutels (Perikarditis) führen.

Nieren

Gelegentlich kann es zu einer Erhöhung der Nierenwerte im Blut und zu Nierenfunktionsstörungen kommen.

Cytarabin kann einen Zerfall von Muskelzellen verursachen. Die Zerfallsprodukte können die kleinen Nierenkanälchen verstopfen und Nierenfunktionsstörungen oder gar Nierenversagen auslösen.

Geschlechtsdrüsen / Zeugungsfähigkeit (Fertilität))

Cytarabin hat Auswirkungen auf die Entwicklung der Eizellen und der Spermien. Es kann bei beiden Geschlechtern zur Sterilität (Zeugungsunfähigkeit, Unfruchtbarkeit) führen. Ob es zu einer Unfruchtbarkeit kommt, scheint abzuhängen von der Cytarabin-Dosis, der Dauer der Therapie und dem Zustand der Gonadenfunktion zum Zeitpunkt der Behandlung.

Eine durch Cytarabin bedingte Zeugungsunfähigkeit kann bei manchen Patienten nicht rückgängig zu machen sein. Männlichen Jugendlichen, die mit Cytarabin behandelt werden, wird empfohlen, sich vor Therapiebeginn über eine Spermakonservierung beraten zu lassen. Weitere Informationen zu therapiebedingten Fruchtbarkeitsstörungen finden Sie hier.

Schwangerschaft / Stillzeit

Die Behandlung mit Cytarabin kann bei Frauen und Männern erbgutschädigend wirken. Während der Behandlung mit Cytarabin dürfen daher Frauen nicht schwanger werden und Männer keine Kinder zeugen. Tritt während der Behandlung dennoch eine Schwangerschaft ein, so ist die Möglichkeit einer genetischen Beratung zu nutzen.

Wenn die Behandlung einer Patientin mit Cytarabin während der ersten drei Monate einer Schwangerschaft lebensnotwendig ist, ist eine medizinische Beratung zum Schwangerschaftsabbruch zwingend erforderlich.

Nach den ersten drei Monaten der Schwangerschaft sollte, wenn eine Therapie dringend ist und nicht aufgeschoben werden kann und wenn ein späterer Kinderwunsch besteht, eine Chemotherapie durchgeführt werden, jedoch erst nach vorheriger Aufklärung über das zwar geringe, aber nicht auszuschließende Risiko von Auffälligkeiten der Kinder.

Da Cytarabin in die Muttermilch übertritt, darf während der Behandlung nicht gestillt werden.

Wechselwirkungen: Mit welchen anderen Medikamenten / Substanzen kann Cytarabin interagieren?

Cytarabin kann mit anderen, im Rahmen der Therapie eingesetzten Substanzen in Wechselwirkung treten und unerwünschte Folgen haben, die bei der Behandlung entsprechend berücksichtigt werden müssen. Die wichtigsten Substanzen und ihre Wechselwirkungen mit Cytarabin sind im Folgenden aufgeführt. Die Erläuterung der Wechselwirkungen beschränkt sich auf Substanzen, die in der Kinderheilkunde angewendet werden können:

  • L-Asparaginase: Bei vorausgegangener Therapie mit L-Asparaginase kann es durch Cytarabin zu einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kommen.
  • Digoxin oder β-Acetyldigoxin: Bei Patienten, die auch Digoxin oder β-Acetyldigoxin erhalten (zum Beispiel bei einer chronischen Herzschwäche), sind während der Cytarabintherapie die Digoxinspiegel laufend zu überwachen, denn es kann zu einer Absenkung des Medikamentenspiegels im Blutplasma kommen. Eine Umstellung von Digoxin oder ß-Acetyldigoxin auf Digitoxin ist möglich.

Gegenanzeigen: Wann darf Cytarabin nicht angewendet werden?

Der Einsatz von Cytarabin darf nicht erfolgen:

  • bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Cytarabin oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • bei schwerer Beeinträchtigung der Knochenmarkfunktion.
  • während der Schwangerschaft; wird eine Behandlung während der Stillzeit erforderlich, ist abzustillen.
  • bei gleichzeitig auftretenden (stark ausgeprägten) Infektionen.

Quellen: Fach- und Gebrauchsinformationen der Hersteller; Stiftung Warentest: Medikamente im Test: Krebs