Sport und Bewegung während und nach der Krebstherapie

Autor:  Maria Yiallouros, erstellt am 10.11.2020, Freigabe:  Dr. Miriam Götte, Gabriele Gauß, Zuletzt geändert:  22.01.2021

Sport und Bewegung sind für Kinder und Jugendliche wesentliche Bestandteile eines gesunden Heranwachsens. Gesunde Kinder haben vielfältige Möglichkeiten, sich zu bewegen, ob zu Hause, auf Spiel- oder Bolzplätzen, in Kindergarten oder Schule, im Sportverein oder bei Freizeitveranstaltungen. Sie sind in der Regel fit und energiegeladen und haben natürlicherweise Lust, sich auf die eine oder andere Weise auszutoben, ihre Geschicklichkeit zu erproben beziehungsweise ihre körperlichen Kräfte zu messen und diese zu trainieren. Abgesehen vom Spaß fördert dies automatisch die altersgerechte Entwicklung und die Gesundheit der Heranwachsenden.

Kinder und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung geht es meist anders. Sie fühlen sich durch ihre Krankheit und die intensive Behandlung oft erschöpft und lustlos und haben daher eher das Bedürfnis, sich auszuruhen. Hinzu kommt, dass die Möglichkeiten für Bewegung in der Klinik häufig eingeschränkt sind; es fehlt an Platz, zum Teil auch an Angeboten, und in bestimmten Therapiephasen ist die Möglichkeit der Teilnahme an externen Sportaktivitäten aufgrund erhöhter Infektanfälligkeit stark eingeschränkt.

Aber: Sport und Bewegung sind auch und gerade bei krebskranken Kindern und Jugendlichen wichtig. Aus Studien ist bekannt, dass eine individuelle Bewegungsförderung und Sporttherapie vielfältige Vorteile bietet und das Wohlbefinden des Patienten positiv unterstützen – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch und auf sozialer und kognitiver Ebene.

So trägt während der Behandlung eine der Situation angemessene Bewegung zum Beispiel dazu bei, Muskelabbau sowie einem Verlust der körperlichen Leistungsfähigkeit entgegenzuwirken, Fitness und Bewegung im Alltag zu verbessern, das Immunsystem zu stärken und zudem die Stimmung zu heben. Sport bringt Abwechslung in den Klinikalltag, macht Spaß und kann helfen, Nebenwirkungen der Behandlung abzumildern.

Auch in der Nachsorge und Langzeitnachsorge sind regelmäßige Bewegung und gezieltes Training wichtig, um Kräfte für die Rückkehr in das Alltagsleben zu mobilisieren und Spätfolgen entgegenzuwirken oder diese zu mildern. Denn Lunge und Herz, Ausdauerleistungsfähi und Gleichgewicht profitieren von sportlicher Aktivität und dies hat wiederum positive Auswirkungen auf die Lebensqualität des ehemaligen Patienten.

Nutzen Sie daher die Gelegenheit, die Angebote in Ihrer Behandlungseinrichtung für sich beziehungsweise Ihr Kind wahrzunehmen.

Bitten Sie Ihren lokalen Sport- und/oder Physiotherapeuten, Sie beim Auffinden passender Bewegungsangebote zu unterstützen. Oder wenden Sie sich an eine auf Sport und Bewegung spezialisierte externe Beratungsstelle, zum Beispiel an das Netzwerk ActiveOncoKids. Das bundesweite Netzwerk berät Betroffene kostenlos bei allen Fragen rund um Sport und Bewegung während und nach Krebs, vermittelt Kontakte und bietet auch virtuelle Sportstunden zum Mitmachen an (siehe auch Kapitel „Netzwerk ActiveOncoKids“ im Anschluss).

In der Nachsorge erhalten Sie durch Reha- und Freizeitangebote die Gelegenheit, körperlich aktiv zu werden und gemeinsam mit anderen etwas für die Gesundheit zu tun.

Im Folgenden stellen wir Ihnen eine Auswahl von, zum Teil überregionalen, Sport- und Bewegungsangeboten vor. Weitere Initiativen und Projekte können beim bundesweiten Netzwerk ActiveOncoKids angefragt werden. Schauen Sie auch in unsere Nachsorge-Angebote: Vielleicht finden Sie dort Einrichtungen in Ihrer Nähe, die im Rahmen der Nachsorge auch sport- und erlebnispädagogische Angebote anbieten.

Literatur

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