Erbliche Veranlagung / genetische Faktoren

Autor:  Maria Yiallouros, Erstellt am 05.10.2017, Zuletzt geändert: 15.04.2021 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e56908

Erbliche Veranlagung

Die AML ist nicht im eigentlichen Sinne erblich. Allerdings hat man festgestellt, dass das Risiko für die Entstehung dieser Krebsart erhöht ist, wenn in der Familie schon häufiger bösartige Erkrankungen aufgetreten sind:

Geschwister eines leukämiekranken Kindes beispielsweise haben ein geringfügig erhöhtes Risiko (etwa 1,1-fach), ebenfalls an einer Leukämie zu erkranken. Bei eineiigen Zwillingen ist das Risiko einer Leukämieerkrankung auch des anderen Zwillings so hoch (circa 15 %), dass in jedem Fall eine Blutuntersuchung, im Zweifel auch eine Knochenmarkuntersuchung beim nicht erkrankten Geschwister erfolgen sollte. Man nimmt allerdings an, dass das erhöhte Krebsrisiko beim Zwilling nicht unbedingt genetisch bedingt ist, sondern darin liegt, dass einzelne Leukämiezellen des erkrankten Kindes in die Plazenta des gesunden Geschwisterkindes gelangen [CRE2018] [CRE2006].

Angeborene Vorerkrankungen

Kinder, die an bestimmten genetisch bedingten, angeborenen Erkrankungen leiden (zum Beispiel Down-Syndrom (Trisomie 21), Fanconi-Anämie, Bloom-Syndrom, Neurofibromatose, familiäre Monosomie 7), haben ein zum Teil deutlich erhöhtes Risiko, an einer AML zu erkranken [STA2018a]. Da diese Krankheitsbilder oder Syndrome mit einer Veranlagung für die Entwicklung von Krebserkrankungen einhergehen, werden sie auch als Krebsprädispositionssyndrome bezeichnet [RIP2017].

Down-Syndrom

Beim Down-Syndrom ist das Chromosom 21 dreimal statt zweimal vorhanden (daher auch die Bezeichnung Trisomie 21). Es tritt bei einem von 700 Neugeborenen auf und führt 14- bis 20-mal häufiger zu einer akuten Leukämie als dies bei gesunden Kindern der Fall ist. Kinder mit Down-Syndrom, die unter vier Jahre alt sind, haben ein etwa 100-mal höheres Risiko an einer AML zu erkranken als Kinder ohne Down-Syndrom. Zudem kommt es im Neugeborenenalter bei Down-Syndrom-Patienten häufig zu einer vorübergehenden AML (der so genannten transienten myeloproliferativen Erkrankung), die sich normalerweise von selbst wieder zurückbildet [CRE1998] [HAS2001] [KLU2008] [XAV2009] [ZWA2010].

Inzwischen weiß man, dass bei Kindern mit Down-Syndrom die so genannte GATA1-Mutation eine wesentliche Rolle bei der Leukämieentstehung spielt [HIT2003] [REI2012].

Andere angeborene oder erworbene Krankheiten

Bei Kindern mit Neurofibromatose ist das Risiko für bösartige Erkrankungen, insbesondere für eine AML und ein myelodysplastisches Syndrom (MDS), ebenfalls erhöht. Auch andere genetische Defekte (zum Beispiel Kostmann-Syndrom, Blackfan-Diamond-Anämie, Shwachman-Diamond-Syndrom, Li-Fraumeni-Syndrom) können mit einem erhöhten Leukämierisiko einhergehen. Ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer AML liegt außerdem bei Kindern vor, die an einer schweren aplastischen Anämie (SAA) [aplastische Anämie] erkrankt sind. [OGA2016] [RIP2017] [SHA1994]

Veränderte Chromosomen in den Leukämiezellen

Es hat sich gezeigt, dass Leukämiezellen, neben einer verminderten oder erhöhten Chromosomenzahl, häufig Veränderungen der Chromosomenstruktur (zum Beispiel fehlende oder falsch positionierte Chromosomenteile) aufweisen [PED2002] [REI2012a]. Chromosomen sind die Träger des menschlichen Erbmaterials, die in einer ganz bestimmten Zahl in jeder Zelle vorliegen.

Chromosomenveränderungen entstehen bei der AML häufig durch einen Austausch von Genabschnitten zwischen zwei verschiedenen Chromosomen (Translokation), aber auch ein Austausch von Genabschnitten auf ein und demselben Chromosom (Inversion) kann vorkommen. Die daraus resultierenden Gendefekte sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass aus einer gesunden Zelle eine Leukämiezelle wird. Solche Genveränderungen sind jedoch nicht ererbt. Sie entstehen durch spontane Erbgutveränderungen während der Schwangerschaft oder im Laufe der weiteren Entwicklung des Kindes, auf die die Eltern jedoch keinen Einfluss haben. Weitere Informationen zu Translokationen und anderen Mutationen finden Sie im Kapitel „Therapieplanung – Subtyp der AML“.