November 01, 2013 - Symposien, Konverenzen, Events

Workshop: Sport in der Kinderonkologie Netzwerk „active onco kids“

Nach einem Treffen 2004 im Kleinwalsertal fand am 24.11.2012 in der Fachklinik für onkologische Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung in Bad Oexen ein Workshop zum Thema „Sport in der Kinderonkologie“ statt.

Auf Initiative der kinderonkologisch/sportwissenschaftlichen Arbeitsgruppe des Uniklinikums Münster tauschte ein interdisziplinäres Teilnehmerfeld von 38 interessierten Sportwissenschaftlern, Ärzten, Pädagogen, Physio- und Ergotherapeuten aus 16 Städten wissenschaftliche und praktische Aspekte von Bewegung und Sport mit krebskranken Kindern und Jugendlichen Erfahrungen aus.

Die Möglichkeiten und Grenzen dieses Engagements, den Status Quo von Bewegung und Sport in der Kinderonkologie zu erfassen und Entwicklungsperspektiven zu diskutieren, stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Prof. Boos aus der Münsteraner Gruppe führte aus klinischer Sicht in diesen spannenden und vielschichtigen Bereich ein. Dr. Freerk Baumann (Sportwissenschaftler, Deutsche Sporthochschule Köln) referierte im Anschluss über den aktuellen Kenntnisstand von körperlicher Aktivität in der Erwachsenenonkologie.

Intensive praktische Erfahrungen ergänzte Markus Wulftange Sportwissenschaftler, Uniklinik Leipzig), der seit Jahren kreative Möglichkeiten von Bewegung und Sport in der kinderonkologischen Versorgungsroutine anbietet. Die anschließende Diskussion fasste die deutlichen Unterschiede zwischen bereits evidenzbasierter Forschung bezüglich Sport mit krebskranken Erwachsenen und lückenhaften Forschungsgrundlagen und Finanzierungsproblemen in der Kinderonkologie zusammen. Über diese Grundlagenvorträge hinaus wurden aktuelle wissenschaftliche Projekte vorgestellt, die das Forschungsbemühen an verschiedenen Standorten widerspiegeln. In Heidelberg, Frankfurt und Münster werden Bewegungsprogramme auf Akut- und Transplantationsstationen wissenschaftlich begleitet. Das Ausmaß des Aktivitätsverlustes während kinderonkologischer Therapie konnte dabei eindeutig empirisch belegt werden. In Leipzig wird in diesem Kontext derzeit die posturalen Kontrolle unter Chemotherapie untersucht. In Münster und Köln werden Bewegungsförderpotentiale auch in Dauertherapie und Nachsorge evaluiert und die zeitnahe Wiedereingliederung in Sportstrukturen in Schule und Verein gefördert. Zudem wurden Nachsorgeprojekte und Angebote aus Rehabilitationsklinken vorgestellt. Eine Kooperation zwischen Münster und Bad Oexen untersucht das Gangbild und Aktivitätsniveau der Patienten vor und nach Rehabilitationmaßnahmen. Die Syltklinik bietet u.a. neben den klassischen Bewegungsförderprogrammen therapeutisches Wellenreiten und Standup-Paddling an, während die Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg sich eher auf traditionelle Grundformen der onkologischen Rehabilitation stützt. In zwei Praxiseinheiten machten Mitarbeiter der Klinik Bad Oexen die Sportarten Therapeutisches Reiten/Voltigieren, Klettern, Trampolin und Bogenschießen für die Workshop-Teilnehmer erlebbar und zeigten an diesen Beispielen die Potentiale für den Einsatz im kinderonkologischen Rehabilitationskontext auf. Dr. Oliver Basu (Arzt, Unikinderklinik Essen) schildert ein beeindruckendes Groß-Seglerprojekt, bei dem Patienten nach einer Stammzelltransplantation mit ihren Familien auf einem alten Dreimaster mehrere Tage unter Ausnahmebedingungen auf See verbringen. Von Münster aus werden seit 1994 die Zaferna-Skifreizeiten ins Kleinwalsertal organisiert, bei denen es jedem – ob blind, einbeinig, mit Hilfsmittel oder im Sitzen – ermöglicht wird unter der Leitung ausgebildeter Behindertenskilehrer Wintersport zu erleben. Das Düsseldorfer Projekt „Pistenflitzer“ setzt seinen Schwerpunkt auf Skifahren in Jugendgruppen mit 8-18jährigen Patienten, viele mit Hirnoder Knochentumoren. Auch die PH Ludwigsburg ergänzt Erfahrungen mit familienorientierten Outdoor-Aktivitäten im Gebirge und Schnee. Insgesamt wurde deutlich, dass es viele interessante sportbezogene Projekte gibt, von denen an anderen Standorten oft wenig bekannt ist. Hieraus erwuchs der Wunsch nach stärkeren Vernetzungen und der Verlinkung von Angeboten.

Besonders die Umsetzung wissenschaftlicher Begleitprogramme und Studien stellt eine Herausforderung dar, durchweg wurde von kleinen Fallzahlen, hohen Drop-Out-Raten und anderen praktischen Problemen der wissenschaftlichen Studiendurchführung berichtet. Die Möglichkeit eines Erfahrungsaustausches bezüglich der Versorgungsangebote und die Bereitschaft zu multizentrischen Studien und Metaanalysen wurden aber insgesamt positiv bewertet. Das Ziel ist die feste Integration und Etablierung von sinnvollen Sportangeboten in der onkologischen Versorgung und eine Sicherstellung der Finanzierung. Die Machbarkeit steht ebenso wie der Bedarf inzwischen außer Frage. Das Netzwerk active onco kids (active.oncokids@uni-muenster.de) soll in Zukunft eine Plattform für den Austausch darstellen.

Interessierte können sich gerne unter der angegebenen E-Mail-Adresse in den Verteiler aufnehmen lassen.

Korrespondenzadresse Prof. Dr. Joachim Boos Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Pädiatrische Hämatologie und Onkologie Albert-Schweizer-Campus 1, Gebäude A1 48149 Münster +49-(0)251-8347865 active.oncokids(at)uni-muenster.de

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