September 01, 2014 - Preisverleihungen, Auszeichnungen

Kind-Philipp-Preis 2015

Bei der GPOH Tagung im Mai wurde der Kind-Philipp-Preis 2013 an zwei hervorragende Wissenschaftler des DKFZ Heidelberg und ihre Arbeitsgruppen verliehen.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird von der Kind-Philipp-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft jährlich für die beste wissenschaftliche Arbeit deutschsprachiger Autoren im Gebiet der pädiatrisch-onkologischen Forschung verliehen. Ausgezeichnet wird eine wissenschaftliche Arbeit, die im Ausschreibungsjahr veröffentlicht oder als Manuskript fertiggestellt wurde. Es können sich auch mehrere Autoren einer Arbeit gemeinsam bewerben.

Frau Dr. Ina Oehme, 40, erhält den Kind-Philipp-Preis 2013 für ihre Arbeit „Histone deacetylase 10 promotes autophagy-mediated cell survival” (1), veröffentlicht in PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America). Ina Oehme ist Gruppenleiterin in der Klinischen Kooperationseinheit Pädiatrische Onkologie des DKFZ. Der Forschungsschwerpunkt der studierten Ökotrophologin sind translationale Studien zur Chemotherapieresistenz des Neuroblastoms. Ihr Wissenschaftler-Team in der Abteilung von Prof. Dr. Olaf Witt am DKFZ untersucht hierbei insbesondere die Rolle verschiedener HDAC-Enzyme. In der Preisarbeit steht der Mechanismus der HDAC-vermittelten Autophagie im Vordergrund. Ina Oehme und ihre Kollegen konnten zeigen, dass Hochrisiko-Neuroblastome, die vor Therapiebeginn nur geringe Mengen von HDAC10 bilden, vergleichsweise gut auf die Chemotherapie ansprachen. Das fehlende HDAC10 unterbricht dabei den Prozess der Autophagie, eine Art „Selbstverdauung“, mit der sich aggressive Tumorzellen vor Chemotherapieinduziertem Stress schützen. Während die Hemmung von HDAC10 zu einem verbesserten Ansprechen auf Chemotherapie mit Doxorubicin führte, ging die Aktivierung des HDAC10 Gens mit einer erhöhten Therapieresistenz einher. Insgesamt kann damit ein besonders hoher HDAC10-Spiegel als Biomarker für eine Autophagievermittelte Resistenz betrachtet werden. Umgekehrt könnte durch den Einsatz von HDAC10- Inhibitoren bei Neuroblastomen, die besonders schlecht auf die Chemotherapie ansprechen, eventuell wieder eine wirksame Behandlung erreicht werden. Die Ergebnisse der Studien von Frau Oehme haben bereits zum Start einer Phase I/II-Studie zur Behandlung des Neuroblastoms mit HDAC-Inhibitoren beigetragen.

 

Dr. David T.W. Jones, 31, ist Leiter der Arbeitsgruppe “Molekulare Diagnostik” in der Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie des DKFZ. Nach dem Studium der Naturwissenschaften in Cambridge fokussierte er sein wissenschaftliches Interesse auf die Erforschung der Biologie kindlicher Hirntumoren, insbesondere der pilozytischen Astrozytome. Die von Jones in einem internationalen Konsortium erarbeitete Analyse von Gensignaturen der pilozytischen Astrozytome identifiziert einen neuen Weg als Ziel für Präzisionsmedikamente, so dass zukünftig klinische Studien möglich werden. Die Preisarbeit „Recurrent somatic alterations of FGFR1 and NTRK2 in pilocytic astrocytoma” (2) wurde in Nature Genetics publiziert. Dr. Jones konnte mit seiner Analyse in 100% aller pilozytischen Astrozytome im Kindesalter (insgesamt 96 Fälle) Veränderungen in Genen des Mitogenaktivierten ProteinKinase (MAPK)-Signalweges identifizieren. Die MAPKSignale regulieren zahlreiche grundlegende biologische Prozesse wie Differenzierung, Wachstum oder Tod von Zellen. Die Erkrankung ist somit ein Prototyp der wenigen Krebsarten, denen Störungen eines einzelnen biologischen Signalweges zugrunde liegen. Insgesamt eröffnet sich damit die Möglichkeit, für pilozytische Astrozytome einen zielgerichteten Wirkstoff zu entwickeln, der eine überaktive MAPKSignalkaskade an verschiedenen Stellen blockieren kann. Dies würde auch Patienten helfen, deren Tumoren operativ schwer zugänglich sind. Beide Wissenschaftler haben somit wesentlich zu einem besseren Verständnis der Biologie kindlicher Tumoren des peripheren und zentralen Nervensystems beigetragen. Aufgrund der wissenschaftlichen Exzellenz und klinischen Relevanz der vorgelegten Arbeiten fiel das Votum der Preisjury einstimmig für die beiden Wissenschaftler aus. Im Namen der GPOH möchten wir beiden Arbeitsgruppen ganz herzlich gratulieren.

A. Eggert

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