13. February 2020

Nachruf Prof. Dr. Michael Hertl

Die Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie und alle Kinderonkologen und -hämatologen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nehmen Abschied von Prof. Dr. med. Michael Hertl.

Am 30. Januar 2020 ist Professor Dr. Michael Hertl verstorben.
Seit vielen Jahren ist sein Name eng mit der deutschen Kinderonkologie verbunden.
Er war nicht nur Begleiter sondern Schrittmacher einer erfolgreichen und glanzvollen Entwicklung der Erforschung und Behandlung von Krebskrankheiten bei Kindern und Jugendlichen.
Professor Hertl ist 1926 in Neuss geboren und in Bayern aufgewachsen.
In Marburg hat er Medizin studiert und sich in Heidelberg habilitiert. Von 1968 bis 1991 war er Chefarzt der Kinderklinik Neuwerk in Mönchengladbach.

Ein frühes, einschneidendes Erlebnis in seiner Arbeit als Kinderarzt war der Tod von Philipp Reiners, den er mit den damals verfügbaren Mitteln nicht retten konnte.
Gemeinsam mit Philipps Vater, Herrn Walter Reiners gründete Professor Hertl die "Kind-Philipp-Stiftung für Leukämieforschung und Behandlung im Kindesalter“, die später aufgrund der Erweiterung des Stiftungszwecks in "Kind-Philipp-Stiftung für pädiatrisch-onkologische Forschung" umbenannt wurde.
Jährlich vergibt die Stiftung den Kind-Philipp-Preis für pädiatrisch-onkologische Forschung, den renommiertesten deutschen Forschungspreis für junge Kinderonkologinnen bzw. Kinderonkologen. Weiterhin fördert sie nationale und internationale Expertentreffen und vergibt Promotionsstipendien für junge,
wissenschaftlich interessierte Ärztinnen und Ärzte. Bis 2017 war Professor Hertl Vorsitzender der Stiftung und gestaltete wesentlich in dieser Funktion ihr Förderprogramm.

Zusammen mit John MacDonald und seiner Frau Erika, deren Sohn Martin ebenfalls an einer Leukämie verstorben war, gründete Professor Hertl die "Deutsche Leukämieforschungshilfe“. Aus ihr entstand die Deutsche Kinderkrebsstiftung, die heute die bedeutendste Förderorganisation der Pädiatrischen Onkologie in Deutschland ist.
Professor Hertl war Kinderarzt mit Leib und Seele. In seiner Klinik in Mönchengladbach schaffte er die Besuchszeiten ab und sorgte dafür, dass die Mütter unbegrenzt bei ihren Kindern bleiben durften.
Gegen den Widerstand des Schulamtes richtete er an seiner Klinik eine eigene Krankenhausschule mit Rektorin und drei Lehrkräften ein. Er führte jährliche Fortbildungsveranstaltungen für Kinderkrankenschwestern im Niederrhein-Bereich ein und sorgte mit Hilfe von mehrsprachigen Fragebögen für die Information von Eltern.
Schließlich führte sein Widerstand gegen Bestrebungen zur Schließung der Kinderklinik dazu, dass sie erhalten bleiben konnte und so Eltern lange Wege zum Besuch ihrer Kinder in weiter entfernt liegende Kliniken erspart blieben.

Ich habe Herrn Professor Hertl vor vielen Jahren bei unseren Fachtagungen kennen und schätzen gelernt und durfte lange Zeit im Beirat der Kind-Philipp-Stiftung mit ihm zusammenarbeiten, an dessen Sitzungen er trotz seiner schweren Krankheit bis zuletzt teilnahm.
Selten habe ich einen so engagierten, mutigen und dabei liebevollen und gütigen Menschen wie ihn getroffen. Wir alle danken ihm für seine engagierte und weitblickende Tätigkeit – nicht nur als Wegbereiter und Förderer der Kinderonkologie, sondern der Pädiatrie insgesamt – und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Für die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie
Univ.-Prof. (em.) Dr. med. Günter Henze

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