25. June 2021 - Personalia

Abschied von Prof. Dr. Thomas Klingebiel

Mit Ablauf des 30. Juni 2021 verlässt Prof. Thomas Klingebiel nach über 20 Jahren das Universitätsklinikum Frankfurt in dem er als Direktor die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sehr erfolgreich und weitsichtig, mit Leidenschaft und unermüdlichem Engagement geleitet hat.

Prof. Dr. Thomas Klingebiel
Prof. Dr. Thomas Klingebiel

Prof. Klingebiel wurde nach dem Abitur in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen und begann 1974 das Studium der Humanmedizin in Marburg. Im Jahre 1977 wechselte er an die Medizinische Hochschule nach Lübeck und legte dort im November 1980 das medizinische Staatsexamen ab und promovierte. Sein beruflicher Werdegang führte ihn nach Tübingen, wo er zwei Jahre im Institut für Pathologie seine wissenschaftliche Assistentenzeit absolvierte. Im Januar 1993 wechselte er dann in die Kinderklinik der Universität Tübingen in die Abteilung für pädiatrische Hämatologie und Onkologie zu Prof. Dr. Dietrich Niethammer. Diese Zeit hat ihn nachhaltig geprägt und sollte seine berufliche Zukunft fortan bestimmen. Er absolvierte eine breitangelegte Ausbildung zum Facharzt für Kinderheilkunde, die er im Juli 1988 abschloss und in dem er sich im Jahre 1992 habilitierte.

Anschließend wurde er in der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie zum Oberarzt ernannt. Seine besondere Leidenschaft lag bereits damals in der Entwicklung der Knochenmark- und Stammzelltransplantation als neuem, wichtigen Therapieverfahren in der Hämatologie und Onkologie. Er etablierte die Knochenmarktransplantation in der Kinderklinik in Tübingen und schon bald war dieses Zentrum das größte seiner Art in Deutschland und wurde in den folgenden Jahren zu einem der führenden Institutionen in Europa. Wesentliche Impulse gingen aus seiner Arbeit hervor. Besonders herauszuheben war die Entwicklung der haploidentischen Stammzelltransplantation in den frühen 90iger Jahren. Aufgrund der damaligen Spenderverfügbarkeit gelang es für viele Kinder leider nicht, einen passenden Spender zu finden, sodass der Einsatz der nur halb identischen Eltern als Spender eine bahnbrechende Entwicklung darstellte. Für diese Pionierarbeit wurde er im Jahre 2003 mit dem höchsten Preis der „European-Society for Blood and Marrow Transplantation“ (EBMT), dem Van-Bekkum-Award und 2014 mit dem sehr renommierten Robert-Pfleger-Forschungspreis ausgezeichnet.

Im November 2000 folgte er dem Ruf auf eine C4 Professur für Kinderheilkunde am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität nach Frankfurt wo er zum Direktor der Klinik III, Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Hämostaseologie ernannt wurde. Bereits nach kurzer Zeit gelang es ihm, Forschungsstrukturen zu etablieren und zusammen mit dem Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. ein Stammzelltransplantations-Gebäude zu errichten. Mit diesem Gebäude wurde der Grundstein dafür gelegt, dass der Standort in Frankfurt zu einem Referenzzentrum für Stammzelltransplantation und Zelltherapie wurde, das internationale Reputation genießt. Aus Frankfurt heraus sind viele innovative Projekte entstanden, die weltweit Beachtung fanden und die in der Förderung durch den Wissenschaftsrat zum Neubau des Forschungsgebäudes „Pädiatrische Stammzelltransplantation und Zelltherapie (PZStZ) – Johanna- Quandt-Zentrum“ ihren Höhepunkt fanden.

Im Oktober 2012 erfolgte die Zusammenlegung der ehemals drei Kinderkliniken zur Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt und Prof. Klingebiel wurde zu deren Direktor ernannt. Durch seine reflektierte, umsichtige und geduldige Führungspersönlichkeit gelang ihm diese Zusammenführung auf hervorragende Weise zu einem funktionierenden und erfolgreichen Ganzen. Unvergessen sind seine Visiten auf allen Stationen in denen es ihm gelungen ist, „die richtigen Fragen“ zu stellen und auf das Wesentliche hinzuweisen.

Neben den wissenschaftlichen Tätigkeiten engagierte sich Prof. Klingebiel unermüdlich für die Belange des Fachreiches Medizin. Von 2007-2021 diente er dem Fachbereich als Prodekan und war darüber hinaus auch Mitglied des Forschungsausschusses sowie des Klinischen Ethikkomitee.

Neben den universitären Aktivitäten engagierte sich Prof. Klingebiel sehr aktiv in verschiedenen Fachgesellschaften. Unter vielen anderen Aktivitäten war er von 2006-2012 Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Er war Gründungsmitglied und Sekretär der „Paediatric Diseases Working Party“ der EBMT von 1995 bis 2001. Seine großen Verdienste für die Stammzelltransplantationsmedizin wurden im Jahre 2019 damit belohnt, dass die Jahrestagung der EBMT nach Frankfurt vergeben wurde und Prof. Klingebiel diese als Co-Präsident leitete.

Er war im Beirat in der „Deutschen Knochenmarkspender Datei (DKMS) von 2001-2012; Vorsitzender des Stiftungsrates der DKMS von 2010 bis zum 2011 und seit 2012 engagiert er sich im wissenschaftlichen Beirat der DKMS und ist seit November 2019 dessen Vorsitzender. Er ist Mitglied im Versorgungsausschuss der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Kinderkrebsstiftung. Darüber hinaus wurde Prof. Klingebiel in den wissenschaftlichen Beirat der „Privaten Exzellenzinitiative Johanna Quandt, Stiftung Charité, Berlin“ gewählt.

Prof. Klingebiel ist ein Kinderarzt mit unglaublich breitem und doch tiefen Wissen. Er beherrscht das gesamte Gebiet der pädiatrischen Onkologie von der Neuroonkologie, über die Onkologie solider Tumoren und Leukämien und besticht durch immerwährendes Interesse und Erfahrung in der Stammzelltransplantation und Zelltherapie. Er ist gefragter Experte, dessen Rat gerne und nachdrücklich gesucht wird. Prof. Klingebiel gilt bei vielen als die Eminenz der Pädiatrischen Onkologie in Deutschland dem das Wohl und Wehe der ihm anvertrauten Kinder und deren Eltern sehr am Herzen liegen. Während seines langen, über vierzig Jahre währenden Berufslebens als wissenschaftlich arbeitender Arzt hat er viele junge Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ausgebildet, unterstützt und gefördert; viele von Ihnen sind heute selber Professoren, Chefärzte und Chefärztinnen geworden. Er ist allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer freundlich, fürsorglich und aufgeschlossen begegnet.

Wir verabschieden in großer Dankbarkeit einen großartigen Arzt, Lehrer, Wissenschaftler, Berufspolitiker, Mentor und Freund in einen weiteren Lebensabschnitt.

Prof. Dr. Peter Bader
Stellv. Direktor der KKJM und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KKJM


zurück